NewsVermischtesPflege: Wie die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus verbessert werden können
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Pflege: Wie die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus verbessert werden können

Mittwoch, 12. Mai 2021

Die Krankenpflegerin Marie Sohn und ihr Kollege Philipp Wiemann stehen in einem Flur im Alexianer St. Hedwig Krankenhaus in Berlin-Mitte./picture alliance, Paul Zinken

Berlin – Die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern, ist eines der übergeordneten politischen Ziele dieser Legislaturperiode. Das Ziel ist, die Zahl der Pflegenden in Deutschland zu erhöhen. Auch aus der Pflege selbst kommen zahlreiche Ansätze zur Verbesserung der Berufszufriedenheit.

Ein erfolgreiches Konzept wird auf der Station „Innere Medizin – Schwerpunkt Geriatrie“ im Alexianer St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin-Mitte von den beiden Stationsleitern Marie Sohn und Philipp Wiemann um­gesetzt. Ihr Konzept ist so erfolgreich, dass in den vergangenen zwei Jahren trotz Coronapandemie etwa 20 neue Mitarbeiter eingestellt wurden.

Anzeige

„Unser Ziel ist es, ein starkes, selbstbewusstes und zufriedenes Pflegeteam zu formen“, sagte Sohn zum Deutschen Ärzteblatt (DÄ). Wiemann und sie versuchen, ihr aus 25 Pflegenden bestehendes Team bei der Vermittlung von Fachwissen anzuleiten und so für ein höheres Selbstbewusstsein im Team zu sorgen. Dabei sehen sie auch die Pflegenden selbst in der Pflicht, ihr Fachwissen aktiv zu vergrößern.

Begeisterung für das Pflegefachwissen

„Wir wollen Fachkompetenzen durch Fortbildungen, Routine und Begeisterung für das Pflegefachwissen stärken“, erklärt Wiemann.

„Wir sind es leid, Sätze zu hören wie: ‚Das ist mein erster Tag, ich kenne den Patienten nicht‘ oder ‚Keine Ahnung, das neue Antibiotikum hat der Arzt so verordnet‘. Uns ist bewusst geworden, dass wir zwar keine Antibiotika verordnen können, aber dass die Pflegequalität auf der Strecke bleibt, wenn wir den Grund für eine bestimmte Verordnung nicht kennen. Wir haben also angefangen, die ärztlichen Behandlungsziele und unsere Pflegeziele anzugleichen. Zum Beispiel lesen wir die Befunde von Blutuntersuchungen und haken nach, wenn die Werte Auswirkungen auf den pflegerischen Zustand der Patienten haben.“

„Dadurch profitiert das Pflegeteam doppelt“, sagte Sohn. „Zum einen wächst die Wertschätzung und Aner­ken­nung durch die Ärzte, die erkennen, dass die Pflege keine Nebentätigkeit ist, sondern essenziell für den Erfolg der Behandlung.“ Zum anderen bekämen die Pflegenden einen enormen Zuwachs an Fachwissen.

„Notfälle wie Krampfanfällen, Stürze oder eine Reanimation kann man in der Folge im Team viel besser und mit größerer Sicherheit meistern“, erklärte die 33-jährige Stationsleiterin. „Und Ärzte und Pflegende wachsen so zu einem wirklichen Team zusammen.“

Kluft zwischen den Berufsgruppen abbauen

Die beiden Stationsleiter fordern dabei nicht nur Einsatz von ihrem Team, sondern auch ein Entgegen­kommen der Ärzte. „Es gibt immer noch Stationen mit Trauben von Ärzten, die beim Betreten der Station das Pflegepersonal nicht begrüßen und ihre Visite durchziehen, ohne die Pflegenden wirklich einzu­beziehen“, sagte Wiemann. „Dadurch fühlen sich die Pflegenden nicht wertgeschätzt.“

Sowohl für die Qualität der Behandlung als auch für die Zufriedenheit unter allen Mitarbeitenden seien ein enger Austausch bei den Visiten und den Übergaben wichtig. „Bei einer flachen Hierarchie profi­tieren beide Berufsgruppen enorm von dem Wissensaustausch“, so der 33-jährige stellvertretende Stationsleiter.

„Anfang des Jahres hat der Chefarzt unserer Station, Dr. Koch, bei einem Frühdienst als Pfleger hospitiert und auch die Pausen mit dem pflegerischen Team verbracht“, berichtete Sohn. „Dadurch wurde die Kluft zwischen den beiden Berufsgruppen und diese unsichtbare altmodische Hierarchie spürbar abgebaut. Nach unserem Empfinden war das sehr beeindruckend für das Pflegeteam und hat zu viel Wohlbefinden geführt.“

„Nicht so viel über Probleme sprechen“

Von den Arbeitgebern fordern Sohn und Wiemann, dass sie durch eine gute Bezahlung ihre Wertschätz­ung für die größte Berufsgruppe im Krankenhaus ausdrücken und unter anderem auch in ein Teamgefühl auf einer Station investieren, indem sie zum Beispiel Teamtage finanzieren.

Abschließend betonte Sohn noch einmal die Verantwortung, die die Berufsgruppe selbst für die Ausge­staltung ihrer Arbeitsbedingungen hat. „An der Basis sind wir selbst dafür verantwortlich, für unsere Zufriedenheit und die Zufriedenheit unser Kollegen zu sorgen“, sagte sie.

Dazu gehöre zum einen ein gutes Fehlermanagement, das strukturelle Probleme aufdecke und durch Inter­ventionen behebe. Zum andere gehöre aber auch eine richtige Grundeinstellung dazu. „Pflegende sollten nicht so viel Zeit damit verschwenden, über ihre Probleme zu sprechen, sondern vielmehr die Lösungen planen“, fordert sie. Dabei könne ein schlechtes Teamgefühl die Probleme verfestigen, ein gutes Teamge­fühl hingegen sei bereits ein Teil der Lösung.

Für ihre Arbeit wurden Sohn und Wiemann gestern mit der Auszeichnung „Pflegerin/Pfleger des Jahres“ ge­ehrt, die der Personaldienstleister „Jobtour medical“ seit 2016 einmal im Jahr unter dem Motto „Herz und Mut“ verleiht.

Die siebenköpfige Jury suchte Sohn und Wiemann aus 2.000 nominierten Pflegenden aus, da sie „es ge­schafft haben, die Pflegequalität für die auf besondere Weise pflegebedürftigen Patienten signifikant zu steigern“. Dies sei ihnen durch permanente Wissensvermittlung und persönliche Anleitungen sowie eige­nes empathisches Vorleben der bestmöglichen Pflege am Bett gelungen, so die Jury.

Auch der Chefarzt der Station „Innere Medizin – Schwerpunkt Geriatrie“ am Alexianer St. Hedwig-Kranken­haus in Berlin, Rainer Koch, ist voll des Lobes. „Ich freue mich riesig über die Auszeichnung von Marie Sohn und Philipp Wiemann als Pfleger des Jahres 2021“, sagt er dem .

„Die beiden haben diese Auszeichnung wirklich verdient – nicht nur wegen ihrer hohen fachlichen Exper­tise, sondern vor allem auch wegen ihrer positiven Haltung. Durch ihre vorbildliche Zusammen­arbeit mit den Ärzten und dem übrigen multiprofessionellen Team tragen sie jeden Tag dazu bei, dass Pflege als attraktiver und erstrebenswerter Beruf mit hoher sozialer Verantwortung wahrgenommen wird. Ich bin sehr stolz auf sie und dankbar dafür, mit ihnen und ihrem Team zusammenarbeiten zu dürfen.“ © fos/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER