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Diabetestechnologie und Telemedizin können Versorgung von Kindern mit Typ-1-Diabetes verbessern

Freitag, 14. Mai 2021

/picture alliance, Frank May

Lübeck – Eine frühzeitige Insulinpumpentherapie kann bei Kindern mit Typ-1-Diabetes – im Vergleich zu einem Start erst im zweiten oder dritten Therapiejahr – das klinische Outcome verbessern. Und auch von regelmäßigen Videosprechstunden profitiert die Stoffwechsellage jüngerer Typ-1-Diabetiker. Darauf wies die Lübecker Diabetologin Simone von Sengbusch anlässlich des virtuellen Diabetes Kongress 2021 hin.

Die Mehrheit der Kinder mit Typ-1-Diabetes nutze heute zur Therapie eine Insulinpumpe, bei den unter Sechsjährigen seien es sogar mehr als 90 Prozent, sagte die Oberärztin in der Klinik für Kinder- und Jugend­medizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck.

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Seit mehr als 20 Jahren wird die Entwicklung zu sensorunterstützten oder sensorgesteuerten Therapie­formen in Deutschland in den Daten der Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV) abgebildet und wissenschaftlich ausgewertet. Von Sengbusch berichtete aus einer kürzlich publizierten Untersu­chung basierend auf DPV-Datensätzen von über 8.000 Patientinnen und Patienten aus Deutsch­land, Österreich, Schweiz und Luxemburg.

Darin zeigte sich, dass Kinder, bei denen schon im ersten Therapiejahr mit einer Insulinpumpentherapie begonnen wird, letztlich bessere klinische Outcomes aufweisen, als diejenigen, die erst im zweiten oder dritten Jahr mit einer Pumpe versorgt werden.

Therapieauswertung per App setzt sich auch bei Kindern durch

„Dies unterstreicht das Potenzial moderner Therapieformen und die Chancen, die für jung erkrankte Kinder mit Typ-1-Diabetes darin liegen“, sagte von Sengbusch. Zwar werde in der Kinderdiabetologie oft noch ein Blutzuckertagebuch geführt, aber es diene eher der Übergabe der aktuellen Therapiedaten, zum Beispiel an das Personal einer Kita.

Die statistische Vorauswertung und grafische Aufbereitung von Messdaten setzt sich zunehmend durch, denn die Daten von CGM-Systemen, Blutzuckermessgeräten und Insulinpumpen können immer einfacher direkt über eine App in eine Software geladen werden. Zu den Standardauswertungen gehört hier die „Time in Range“ (70–180 mg/dl, 3,9–10 mmol/mol) ebenso wie der HbA1C-Wert.

Anpassungen der Insulintherapie müssen allerdings die Nutzer der Software und deren Behandler noch selbst ableiten. Zu diesem Zweck lassen nahezu alle Cloud-Softwarelösungen – nach vorheriger Einwil­li­gung des Patienten bzw. der Eltern - den Zugriff des Behandlungsteams auf die Daten zu.

Von Sengbusch wies allerdings auch darauf hin, dass die aufwendige Schulung auf ein CGM-System und eine Insulinpumpe wie auch die ambulante Betreuung insgesamt den sowieso schon hohen Druck auf Diabetesteams noch steigern.

Die Regelversorgung für Kinder mit Typ-1-Diabetes umfasse ein bis zwei Termine pro Quartal in einer pädiatrischen Spezialambulanz. Die stetig steigende Neuerkrankungsrate führe zu immer mehr und jüngeren Patienten, die von einem gleichbleibend großen Team versorgt werden müssten. Gleichzeitig sei die Anzahl der fachärztlichen Ausbildungsstellen an Kliniken limitiert.

Nachbetreuung und Schulung per Telemedizin sind möglich

Die Telemedizin könnte hier Erleichterung bringen. Eine Umfrage unter Diabetologen zeige, so von Sengbusch, dass die Behandler etwa die Bedeutung von Videosprechstunden in den kommenden Jahren als immer höher einschätzten.

Die Lübecker Diabetologin ist Leiterin der ViDiKi-Telemedizin-Studie, in der Telemedizin bereits vor der Corona-Pandemie erprobt wurde. Sie zeigten zum Beispiel, dass Mütter durch monatliche Videosprech­stunden signifikant entlastet werden und sich nach etwa einem Jahr die Stoffwechsellage signifikant und vor allem auch klinisch relevant verbessert.

Die Studie wurde in Schleswig-Holstein und Hamburg durchgeführt. 240 Kinder und Jugendliche, die bereits ein CGM-System nutzten, wurden der Startergruppe oder der Wartekontrollgruppe zugeteilt, die erst nach sechs Monaten Wartezeit mit der Telemedizin startete.

ViDiKi-Studie: Überführung in Regelversorgung noch offen

Von Sengbusch wies darauf hin, dass ein Drittel der Studienteilnehmer bereits zu Studieneintritt eine sehr gute Stoffwechsellage hatte, sich also nicht immer verbessern konnte. Diese Art der Studie könne damit das Ergebnis in Bezug auf die Stoffwechsellage abschwächen, erlaube aber eine sehr gute Übertragung der Ergebnisse auf den Versorgungsalltag.

Die Abschlussberichte zur vom Innovationsfonds geförderten ViDiKi-Studie seien beim Projektträger eingereicht. Der G-BA werde nun darüber entscheiden, ob eine Empfehlung für die Überführung in die Regelversorgung erfolge oder nicht.

Ab April 2020 wurden außerdem neu erkrankte Kinder in die ViDiKi 2.0-Studie aufgenommen, um den Einfluss monatlicher Videosprechstunden gleich zu Beginn der Erkrankung zu ermitteln. © nec/aerzteblatt.de

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