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Politik

Großbritannien wieder als Coronarisikogebiet eingestuft

Montag, 17. Mai 2021

/picture alliance, Adam Vaughan

Berlin – Die Bundesregierung stuft Großbritannien trotz niedriger Infektionszahlen wieder als Corona­ri­sikogebiet ein. Grund ist das „zumindest eingeschränkte Vorkommen“ der zuerst in Indien festgestellten Virusvariante, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am vergangenen Freitag im Internet bekanntgab.

Die Variante B.1.617.2 hat in Indien zu dramatischen Infektionszahlen beigetragen. Die Nachbarländer Sri Lanka und Nepal werden von der Bundesregierung wegen der Ausbreitung gestern ebenfalls hochge­stuft: Sri Lanka zum Risikogebiet und Nepal zum Virusvariantengebiet, der höchsten Risikostufe, für die weitgehende Reisebeschränkungen gelten.

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Großbritannien war bisher eines der wenigen europäischen Länder, das wegen stabil niedriger Infek­ti­ons­zahlen ganz von der Liste der Risikogebiete gestrichen wurde. Die Sieben-Tage-Inzidenz je 100.000 Einwohner betrug zuletzt 21,9.

Als Risikogebiet werden normalerweise nur Länder eingestuft, die über 50 liegen. Das RKI verweist aber darauf, dass die indische Variante von der Welt­gesund­heits­organi­sation WHO mittlerweile als besorgnis­erregend eingestuft wird. „Bei der Einstufung von Risikogebieten werden regelmäßig, neben den Inzid­enzwerten, auch qualitative Kriterien berücksichtigt“, schreibt das Institut.

Vier Tote in Großbritannien mit indischer Variante

Nach Angaben der britischen Regierung wurde die indische Variante bisher bei vier Toten entdeckt. Nach Zahlen der Gesundheitsbehörde Public Health England hat sich die Zahl der nachgewiesenen Fälle der mit der Variante infizierten allerdings innerhalb einer Woche auf gut 1.300 verdoppelt.

Großbritannien hat bereits erste Lockerungen der Coronamaßnahmen vorgenommen. Von heute an dür­fen Briten und Menschen mit Wohnsitz in Großbritannien auch wieder für Urlaubsreisen das Land ver­lassen. Dafür hat die Regierung eine „grüne Liste“ veröffentlicht, auf der allerdings als einziges EU-Land Portugal steht.

Mit der Einstufung als Risikogebiet durch die Bundesregierung ist auch eine Reaktivierung der Reise­war­nung für Großbritannien verbunden. Das hat aber nur symbolische Bedeutung. Faktisch ändert sich für Reisende nicht viel. Wer aus Großbritannien mit dem Flugzeug nach Deutschland kommt, musste auch bisher schon einen negativen Coronatest bei Einreise vorweisen. Das bleibt so. Auch in Quarantäne müssen Einreisende weiterhin nicht, sofern sie sich vor Einreise testen lassen.

Nepal ist das elfte Virusvariantengebiet

Anders sieht das künftig für Nepal aus, das gestern als elftes Land weltweit als Virusvariantengebiet ein­gestuft wird. Das bedeutet für Einreisende aus dem Himalayastaat eine Quarantäne von 14 Tagen, die nicht verkürzt werden kann. Wer kein deutscher Staatsbürger ist und keinen Wohnsitz in Deutschland hat, darf von dort gar nicht mehr mit dem Flugzeug nach Deutschland einreisen.

Das Nachbarland Indien hatte sich bereits in den vergangenen Wochen zum neuen Epizentrum der Pan­de­mie mit dramatischen Infektions- und Todeszahlen entwickelt. Auch in Nepal sind die Kranken­häuser inzwischen überfordert, Betten und medizinischer Sauerstoff gehen aus.

Den regulären Flugverkehr hat Nepal wegen Corona bereits bis Ende des Monat ausgesetzt. Spezielle Evakuierungsflüge für gestrandete Ausländerinnen und Ausländer sind aber weiter erlaubt. Wieviele Deutsche sich dort derzeit noch aufhalten, ist unklar.

Es gibt aber auch neun Länder und Regionen, die auf der Coronarisikoskala zurückgestuft wurden – vom Hochinzidenz- zum Risikogebiet: Serbien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Estland, Ukraine, Jordanien, Libanon und die Palästinensischen Autonomiegebiete. Wer von dort einreist, muss nicht mehr zwingend in Quarantäne, sondern kann stattdessen bei Einreise einen negativen Test vor­weisen.

Mit den Kanarischen Inseln wird außerdem ein weiteres beliebtes Urlaubsziel der Deutschen ganz von der Liste der Coronarisikogebiete gestrichen. Das hat für Touristen aber keine praktischen Auswirkungen mehr, da die Quarantänepflicht für von dort zurückkehrenden Urlauber mit Inkrafttreten einer neuen Einreiseverordnung bereits am Donnerstag gefallen ist. Die Testpflicht beim Rückflug nach Deutschland gilt weiter.

Trotzdem dürften sich Hoteliers und Gastronomen auf Teneriffa, Gran Canaria oder Fuerteventura über die Streichung von der Risikoliste freuen – wegen des positiven Signals. Die Infektionswellen der ver­gangenen Monate trafen die Tourismuswirtschaft auf den Atlantikinseln vor der Westküste Afrikas besonders hart, da der Winter praktisch die Hauptsaison der Region ist.

Nach jüngsten Zahlen des spanischen Verkehrsbüros Turespaña landeten auf den Inseln in den ersten drei Monaten des Jahres nur gut 266.000 ausländische Touristen. Das seien 90,3 Prozent weniger als im ersten Quartal 2020, als die Pandemie bereits erste negative Auswirkungen gehabt hatte.

Bei den Besuchern aus Deutschland war der Rückgang mit rund 53 Prozent relativ „niedrig“. Die Zahl der britischen Touristen, auf die die Kanaren traditionell besonders angewiesen sind, ging um knapp 97 Prozent zurück. Die „Canarios“ setzen nun auf den Sommer. © dpa/aerzteblatt.de

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