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Medizin

TSLP-Antikörper Tezepelumab senkt Anfallsrate bei schwer kontrollierbarem Asthma

Montag, 31. Mai 2021

/decade3d, stock.adobe.com

London – Der TSLP-Antikörper Tezepelumab, der Entzündungsreaktionen in den Atemwegen frühzeitig hemmt, hat in einer Phase-3-Studie die Zahl der Asthmaattacken von Patienten halbiert, deren Erkran­kung mit konventionellen Medikamenten nur unzureichend kontrolliert werden konnte.

Die Ergebnisse, die im Februar auf der Jahrestagung der American Academy of Asthma Allergy & Immunology vorgestellt und jetzt im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2034975) publiziert wurden, dürften zur Zulassung eines neuartigen Biologikums führen.

Das Zytokin TRSPP („thymic stromal lymphopoietin“) wird von den Epithelien in Haut und Schleim­häuten gebildet, wenn diese durch äußere Reize beschädigt werden. Dazu können neben Antigenen auch Viren, Luftschadstoffe oder Verletzungen gehören. TRSPP alarmiert das Immunsystem, das eine entzündliche Reaktion startet.

Die zentrale Stellung von TRSPP am Beginn von Entzündungsreaktionen aller Art verspricht eine breite anti-inflammatorische Wirkung von TRSPP-Blockern. Sie könnten anders als die bisher zugelassenen Biologika auch beim nicht-allergischen Asthma wirksam sein.

Der TRSPP-Antikörper Tezepelumab (früher AMG 157) hatte bereits in der Phase-2-Studie PATHWAY eine gute Wirksamkeit bei Patienten mit allergischem und nicht-allergischem Asthma erzielt. Dies hat sich in der folgenden NAVIGATOR-Studie bestätigt, deren Ergebnisse jetzt vorliegen.

An der Studie hatten an weltweit 297 Zentren in 18 Ländern (mit deutscher Beteiligung) 1.061 Patienten teilgenommen, bei denen es trotz einer Behandlung mit inhalativen Steroiden in mittlerer oder hoher Dosierung und mindestens einem weiteren Controller weiter zu schweren Asthmaattacken gekommen war.

Die Patienten wurden in der Studie zu gleichen Teilen auf die zusätzliche Behandlung mit Tezepelumab oder Placebo randomisiert. Die subkutanen Injektionen erfolgten alle 4 Wochen. Die Dosis von Tezepe­lumab betrug 210 mg. Primärer Endpunkt war der Rückgang der Asthmaattacken während der 52-wöchigen Behandlungsphase. Er wurde getrennt für Patienten mit einer hohen und niedrigen Eosino­philenzahl im Blutbild untersucht, die ein Marker für ein allergisches Asthma sind. Die Grenze wurde bei 300 Zellen/µl festgelegt.

Wie Andrew Menzies-Gow vom Royal Brompton Hospital in London und Mitarbeiter berichten, betrug die jährliche Rate der Asthmaexazerbationen in der Tezepelumabgruppe 0,93 gegenüber 2,10 in der Place­bo­­gruppe, was einem Rückgang um 56 % entspricht. Die Rate Ratio von 0,44 war bei einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,37 bis 0,53 signifikant. Der Rückgang war auch bei Patienten mit nicht-aller­gischem Asthma nachweisbar.

Die Rate Ratio fiel mit 0,59 (0,46 bis 0,75) etwas geringer aus als bei Patienten mit allergischem Asthma. Hier ging die Zahl der Exazerbationen um 70 % zurück: Rate Ratio 0,30 (0,22 bis 0,40).

Am besten war die Wirkung bei den Patienten mit einer Eosinophilenzahl von mehr als 450/µl: Rate Ratio 0,23 (0,15 bis 0,34). Aber auch Patienten mit weniger als 150/µl Eosinophilen verzeichneten einen Rückgang der Asthmaexazerbationen: Rate Ratio 0,61 (0,42 bis 0,88). In dieser Gruppe haben laut Menzies-Gow andere Biologika bisher keinen konsistenten Rückgang der Asthmaattacken erreicht.

Eine gesteigerte Wirkung wurde bei Patienten mit erhöhten Messwerten der exhalierten NO-Fraktion (FeNO) gefunden, die ebenfalls auf ein allergisches Geschehen hinweisen: Bei Patienten mit einem FeNO über 50 ppb ging die Zahl der jährlichen Exazerbationen um 73 % zurück (Rate Ratio 0,27; 0,19 bis 0,38). Bei FeNO-Werten von unter 25 ppb betrug der Rückgang nur 32 % (Rate Ratio 0,68; 0,51 bis 0,92) er war aber immer noch signifikant.

Tezepelumab erzielte auch in den meisten sekundären Endpunkten eine signifikant bessere Wirkung, so in der Lungenfunktion (FEV1), in der Asthmakontrolle (ASD-Score) und in der Lebensqualität (ACQ-6-Score). Eine Verbesserung der Lungenfunktion war bereits in der 2. Woche erkennbar und hielt bis zur Ende des Behandlungszeitraums an.

Trotz der guten antientzündlichen Wirkung kam es unter der Behandlung mit Tezepelumab nicht zu einem Anstieg der Infektionen oder Krebserkrankungen, die in beiden Gruppen gleich häufig waren. Auch hinsichtlich der Verträglichkeit gab es keine Unterschiede zur Placebogruppe. Die beiden Hersteller dürften deshalb gute Chancen auf eine baldige Zulassung von Tezepelumab haben. © rme/aerzteblatt.de

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