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UN-Studie: Lange Arbeitswoche erhöht das Risiko tödlicher Erkrankungen

Montag, 17. Mai 2021

/stock.adobe.com

Genf – Wer 55 Stunden oder mehr pro Woche arbeitet, hat ein deutlich höheres Risiko, an einem Herz­infarkt oder Schlaganfall zu sterben. Laut einer jetzt veröffentlichten Untersuchung der Weltgesund­heits­orga­nisa­tion (WHO) und der Internationale Arbeitsorganisation (ILO) starben Schätzungen zufolge allein im Jahr 2016 weltweit rund 745.000 Menschen an einem Schlaganfall oder einer Herzerkrankung, weil sie mindestens 55 Stunden pro Woche gearbeitet hatten (DOI: 10.1016/j.envint.2021.106595).

Laut der Studie nahm die Zahl der Todesfälle durch Herzerkrankungen im Zusammenhang mit langen Arbeitszeiten zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2016 um 42 Prozent zu, die Zahl der tödlichen Schlaganfälle stieg um 19 Prozent.

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Die meisten Betroffenen waren demnach zwischen 60 und 79 Jahre alt und hatten im Alter zwischen 45 und 74 Jahren mindestens 55 Stunden pro Woche gearbeitet. Überarbeitung sei somit „der führende Risikofaktor für Berufskrankheiten“, erklärte die WHO.

Die in der Fachzeitschrift Environment International veröffentlichte Studie untersuchte erstmals welt­weit den Zusammenhang zwischen langen Arbeitszeiten und dem Verlust von gesunden Lebensjahren. Dafür analysierte sie die Daten aus Dutzenden Studien mit hunderttausenden Teilnehmern.

In vielen Ländern ist eine Wochenarbeitszeit von 35 bis 40 Stunden die Norm. Doch vor allem in Südost­asien und dem Westpazifikraum liegt sie laut der Studie oft deutlich höher. Dort seien besonders viele Menschen in nicht geregelten Jobs beschäftigt und somit häufig gezwungen, viel zu arbeiten, sagte der WHO-Experte Frank Pega.

Besonders besorgt ist die WHO über die wachsende Zahl von Menschen mit langen Arbeitszeiten. Derzeit sind es rund neun Prozent der Weltbevölkerung.

Die Coronakrise könnte den Trend noch verstärken. Während der Pandemie habe die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden um zehn Prozent zugenommen, sagte WHO-Experte Pega mit Verweis auf eine Studie des National Bureau of Economic Research in 15 Ländern.

„Homeoffice ist in vielen Branchen zur Norm geworden, wobei die Grenzen zwischen Zuhause und Arbeit oft verschwimmen“, erklärte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Gleichzeitig seien viele Unterneh­men gezwungen, zu sparen und den Betrieb herunterzufahren – „und die Menschen, die sie weiter be­schäf­tigen, müssen länger arbeiten“.

Kein Job aber sei es wert, dass „man für ihn einen Schlaganfall oder eine Herzerkrankung riskiert“, warn­te Tedros. Regierungen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssten sich deshalb zum Schutz der Beschäf­tig­ten gemeinsam auf Arbeitszeitgrenzen einigen. © afp/aerzteblatt.de

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