NewsVermischtesRoboter nur als Hilfsmittel in der Pflege geeignet
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Roboter nur als Hilfsmittel in der Pflege geeignet

Montag, 17. Mai 2021

/M.Dörr & M.Frommherz, stock.adobe.com

Frankfurt – Pflegeexperten sehen zahlreiche Möglichkeiten für den Einsatz von digitaler Technik in der Pflege. Technische Hilfsmittel könnten einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen und der Arbeitsqualität im Pflegebereich leisten, seien aber allenfalls Hilfs­mittel und dürften persönliche Zuwendung nicht ersetzen, hieß es vorgestern bei einem Workshop des Ökumenischen Kirchentags zu Rotobern in der Pflege.

Der Kölner Pflegewissenschaftler Michael Isfort warnte vor übertriebenen Erwartungen an Pflegeroboter. „Sie können bislang noch sehr wenig und werden auch in den nächsten 30 Jahren nicht bei der Pflege selber helfen können.“

Anzeige

Pflege von Menschen sei viel zu komplex und lasse sich nicht so einfach technisch standardisieren, be­tonte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung in Köln.

Isfort erklärte zugleich, es gebe bereits zahlreiche technische Anwendungen, die schon heute Pflege­kräfte von Bürokratie entlasten oder die Sicherheit von Pflegebedürftigen und alten Menschen erhöhen könnten.

Das seien etwa Apps, die Angehörige und Pflegekräfte vernetzen, Gesundheitsdaten kontrollie­ren oder Sensoren, die Stürze melden könnten. Bei allen technischen Hilfsmitteln müssten auch ethische Fragen beantwortet werden: etwa ob mensch­liche Kontakte verhindert oder durchrationalisiert würden.

Die Bielefelder Gerontologin Melissa Henne sagte, Pflege dürfe sich nicht davon treiben lassen, was technisch alles möglich sei. Der erste Schritt müsse sein, im Pflegealltag Probleme zu identifizieren und entsprechende technische Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Dabei müssten Pflegebedürftige, Angehö­rige und Pflegekräfte möglichst früh eingebunden werden.

Auch Henne betonte, es bestehe die Gefahr, dass technische Lösungen echte menschliche Zuwendung und emotionale Beziehungen ersetzen sollten. Geklärt werden müsse, ob Technik selbstbestimmtes Leben fördere oder Fremdbestimmung verstärke und die Privatsphäre einschränke.

Auch Fragen der Finanzierung über Krankenkassen seien wichtig. „Wir müssen uns immer fragen, ob wir dem Ziel von mehr Fürsorge und Autonomie durch Technik wirklich näherkommen.“

Claudia Möller, Leiterin Innovationsmanagement beim Gesundheitskonzern Agaplesion, sagte, es gehe bei der Anwendung digitaler Technik darum, Prozesse für Bewohner und Mitarbeitende zu optimieren, etwa durch Erleichterungen bei der Pflegedokumentation.

„Die Digitalisierung soll Zeit schaffen für das Wesentliche: die Zuwendung zu den Menschen“, sagte sie. Robotik sei ebenfalls nur ein Hilfsmittel, um Mitarbeitende zu entlasten. „Es geht aber rein um Assis­tenz­aufgaben, nicht um die Übernahme von Pflegetätigkeiten.“ © kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER