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Medizin

Gestationsdiabetes: Übergewicht, Ernährung, Stress und Sommer als Risikofaktoren

Montag, 17. Mai 2021

/interstid, stock.adobe.com

München, Tübingen und Fulda – Die Zunahme des Gestationsdiabetes, die in den meisten Ländern der ersten Welt seit einiger Zeit beobachtet wird, ist nicht allein auf das steigende Alter der Schwangeren zurückzuführen. Die Ergebnisse aus mehreren deutschen Patientenregistern, die auf dem Diabetes­kongress 2021 vorgestellt wurden, weisen auf weitere Risikofaktoren hin.

In Deutschland erkrankt mittlerweile jede 8. Frau während einer Schwangerschaft an einem Gestations­diabetes. Im Alter ab 40 Jahren ist es jede 5. und im Alter von über 45 Jahren jede 4. Schwangere. Dennoch dürfte das Alter nicht der eigentliche Auslöser sein. Ebenso wie beim Typ-2-Diabetes, dessen Vorbote ein Gestationsdiabetes sein kann, sind die Ursachen (abgesehen von der genetischen Prädisposi­tion) eher im Lebensstil und in der Ernährung zu suchen.

Dies zeigt auch eine Auswertung der GeliS-Studie („Gesund leben in der Schwangerschaft“), die seit 2013 in Frauenarztpraxen in 10 bayerischen Regionen durchgeführt wird. Bei 1.694 Teilnehmerinnen wurde zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt. Bei 10,8 % der Schwangeren wurde ein Gestationsdiabetes diagnostiziert.

Die Analyse der Krankenakten, deren Ergebnisse Monika Spies vom Klinikum rechts der Isar der Tech­nischen Universität München vorstellte, ergaben, dass Gewichtsprobleme der wichtigste Risikofaktor waren. Schwangere mit Übergewicht (vor der Schwangerschaft) erkrankten zu 51 % häufiger an einem Gestationsdiabetes (Odds Ratio 1,51; 95-%-Konfidenzintervall 1,02 bis 2,24).

Bei einer Adipositas war das Risiko sogar 5-fach erhöht (OR 4,91; 3,35 bis 7,19). Das Körpergewicht hatte damit einen größeren Einfluss auf das Erkrankungsrisiko als das Alter während der Schwangerschaft: Spies ermittelte eine Odds Ratio von 2,09 (1,17 bis 3,73) für ein Alter von 26 bis 35 Jahren und eine Odds Ratio von 2,84 (1,45 bis 5,56) für ein Alter von von 36 bis 43 Jahren.

Unter den Ernährungsfaktoren wirkte sich ein Fettanteil von unter 30 Energie-% günstig aus. Die fett­arme Kost verringerte das Risiko auf einen Gestationsdiabetes um 31 %. Intensiver Sport führte eben­falls zu einer Verminderung des Risikos, die jedoch nicht signifikant war. Mentale Gesundheit, Lebensstil und eine starke Gewichtszunahme in der Frühschwangerschaft hatten dagegen keinen nachweisbaren Einfluss.

In der Deutschen Studie Schwangerschaftsdiabetes (PREG) war anders als in der GeliS-Studie ein Ein­fluss der mütterlichen Psyche auf den Glukosestoffwechsel nachweisbar. Ilena Bauer vom Institut für Diabetesforschung und metabolische Erkrankungen an der Universität Tübingen führt ihn auf den Anstieg der Entzündungsparameter zurück, die die Insulinsensitivität der Mutter vermindern könnten.

Tatsächlich hatten Schwangere, die im Gesundheitsfragebogen für Patienten PHQ-D vermehrt Stress, depressive Symptome und somatische Symptome angaben, erhöhte Werte von Interleukin 6 im Blut, einem wichtigen Zytokin der angeborenen Immunabwehr.

Ein Anstieg von Interleukin 6 war wiederum mit einer verminderten Insulinsensitivität, sprich Insulin­wirkung verbunden. Da ein vermehrter Stress ebenfalls mit einer verminderten Insulinwirkung assoziiert war, könnten alle 3 Faktoren in einem kausalen Zusammenhang stehen.

Ein Team um Prof. Claudia Eberle von der Hochschule Fulda sucht nach Umwelteinflüssen auf den Gesta­tionsdiabetes. Ihre Analyse der DPV-Datenbank (Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation) zeigt, dass es in den Sommermonaten häufiger zu einem Gestationsdiabetes kommt als im Winter. Ob dies mit den höheren Temperaturen oder mit anderen sommerlichen Stressfaktoren zusammenhängt, ist unklar. © rme/aerzteblatt.de

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