NewsMedizinCOVID-19: Parkinsonpatienten haben erhöhtes Erkrankungs- und Sterberisiko
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

COVID-19: Parkinsonpatienten haben erhöhtes Erkrankungs- und Sterberisiko

Mittwoch, 19. Mai 2021

/gballgiggs, stock.adobe.com

Bochum – Menschen mit Morbus Parkinson erkranken bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 häufiger schwer an COVID-19. Auch das Sterberisiko ist offenbar erhöht, wie eine Analyse von Krankenhausdaten in Movement Disorders (2021, DOI: 10.1002/mds.28586) zeigt. Der Grund dürfte in der erhöhten Gebrech­­lichkeit und den häufigen Risikofaktoren der Patienten für einen schweren Verlauf von COVID-19 zu suchen sein.

Patienten mit Morbus Parkinson wurden während der ersten Erkrankungswelle von COVID-19 in Deutsch­land seltener im Krankenhaus behandelt. Der Rückgang fiel mit 29 % sogar deutlich stärker aus als in der Gesamtzahl der Klinikpatienten, die zwischen dem 16. Januar und dem 15. Mai um 16,7 % abnahm. Auf dem Höhepunkt der Welle sanken die Behandlungszahlen von Parkinsonpatienten sogar um bis zu 72,7 %.

Anzeige

Als Grund vermutet das Team um Lars Tönges vom St. Josef-Hospital der Ruhr-Universität Bochum die Angst der Patienten, sich im Krankenhaus mit SARS-CoV-2 anzustecken. Zum anderen könnten die Behandlungszahlen auch zurückgegangen sein, weil zur Sicherstellung von Intensivkapazitäten viele Behandlungen, die keine Notfälle waren, zurückgestellt wurden.

Berechtigt war allerdings die Sorge der Patienten, im Fall einer Infektion schwerer an COVID-19 zu erkranken. Darauf deutet ein erhöhter Anteil von COVID-19-Erkrankungen unter den im Krankenhaus behandelten Parkinsonpatienten von 1,1 % gegenüber 0,6 % bei den Patienten ohne Morbus Parkinson hin.

Das COVID-19-Risiko stieg mit dem Stadium der Parkinsonerkrankung. Im Stadium Hoehn & Yahr 1 bis 2 waren nur 0,8 % der Klinikpatienten an COVID-19 erkrankt. Im Stadium Hoehn & Yahr 3 und 4 stieg der Anteil auf 1 % und im Stadium Hoehn & Yahr 5 sogar auf 1,4 %.

Das erhöhte Erkrankungsrisiko ist nach Einschätzung von Prof. Tönges nicht nur auf eine vermehrte Gebrechlichkeit infolge der Bewegungsstörung zurückzuführen. Patienten mit Morbus Parkinson haben auch häufiger Begleiterkrankungen, die Risikofaktoren für einen schweren Verlauf sind. Dazu gehören eine Hypertonie (54,1 % versus 45,4 % bei anderen Klinikpatienten) und chronische Nierenerkrankungen (22,4 % versus 16,7%).

Ein weiterer Risikofaktor ist ein männliches Geschlecht. Der Anteil der Männer unter den hospitalisierten Patienten mit Morbus Parkinson und COVID-19 war mit 60,5 % versus 54,3 % erhöht. Da der Morbus Parkin­son in der Regel im höheren Alter auftritt, war das Durchschnittsalter mit 80,8 versus 67,4 Jahren deutlich höher.

Alter ist bekanntlich einer der wichtigsten Risikofaktoren für einen tödlichen Ausgang von COVID-19. So ist es nicht verwunderlich, dass die Sterberate von Parkinsonpatienten mit COVID-19 im Krankenhaus mit 35,4 % deutlich erhöht war. Von den COVID-19-Patienten ohne Morbus Parkinson starben 20,7 % im Krankenhaus. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER