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OECD-Bericht: Corona hat Alkoholgewohnheiten verändert

Mittwoch, 19. Mai 2021

/Friends Stock, stock.adobe.com

Paris – Die Coronapandemie könnte die Trinkgewohnheiten vieler Menschen einer Untersuchung zufolge verändern. Erfahrungen aus früheren Krisen ließen vermuten, dass es mittelfristig eine Zunahme des problematischen Alkoholkonsums geben könnte, hieß es in einem heute veröffentlichten Bericht der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) mit Sitz in Paris.

Übermäßiger Alkoholkonsum sei nach traumatischen Ereignissen zur Stressreduzierung durchaus üblich – das erhöhe das Risiko zum Griff zur Flasche. Zweifellos habe COVID-19 Menschen und Gemeinschaften auf der ganzen Welt erschüttert und die Voraussetzungen für langfristige physische und psychische Probleme geschaffen, hieß es weiter.

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„Die Pandemie hat auch die Probleme aufgezeigt, die mit schädlichem Alkoholkonsum verbunden sind – insbesondere im familiären Umfeld“, schreiben die Fachleute. Insgesamt hätten die meisten Menschen ihre Alkoholtrinkmenge nicht verändert – aber von denen, die es taten, habe ein größerer Anteil den Konsum erhöht, hieß es in einem Papier zum Thema. Außerdem habe sich die Trinkhäufigkeit erhöht.

Dem OECD-Bericht zufolge hat Deutschland einen der höchsten Alkoholkonsumwerte. Es würden 12,9 Liter reiner Alkohol pro Kopf und Jahr getrunken, was ungefähr 2,6 Flaschen Wein oder 5 Liter Bier pro Woche pro Person ab 15 Jahren entspricht.

Gut ein Drittel der Erwachsenen (34 Prozent) trinkt mindes­tens einmal im Monat viel – das heißt mehr als 80 Prozent einer Flasche Wein oder 1,5 Liter Bier pro Anlass. Dem Bericht nach sind in Deutschland 3,5 Prozent der Erwachsenen alkoholabhängig.

Schädlicher Alkoholkonsum ist ein führender Risikofaktor für vorzeitige Sterblichkeit, Verletzungen und viele Krankheiten wie Krebs oder Leberzirrhose. In Deutschland, Großbritannien oder den Vereinigten Staaten sei der Gesamtalkoholabsatz nach vorläufigen Schätzungen im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 leicht um 3 bis 5 Prozent gestiegen, schreiben die Experten.

Die Pandemie hat dabei auch die Orte verändert, an denen getrunken wird: Während Bars und Restau­rants stark von den Schließungen betroffen waren, haben Einzelhandel und Onlineshops ihre Umsätze deutlich gesteigert. Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass sich die Wahrscheinlichkeit von Saufge­lagen durch die Pandemie nicht stark verändert hat.

Den Analysen zufolge könnte die Lebenserwartung in den nächsten 30 Jahren aufgrund von Krankheiten und Verletzungen, die durch einen Alkoholkonsum von mehr als einem alkoholischen Getränk pro Tag bei Frauen und anderthalb Getränken für Männer verursacht werden, um knapp ein Jahr sinken.

Diese Krankheiten und Verletzungen verursachen dann im Schnitt medizinische Kosten in Höhe von et­wa 2,4 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben pro Jahr - in einigen Ländern ist dieser Wert durch­aus höher. Außerdem beeinträchtigen sie die Produktivität der Arbeitskräfte. Der Bericht konzentriert sich auf 52 Staaten aus der OECD, Europäischen Union und der G20.

Die Fachleute der OECD sind der Ansicht, dass es eine Kombination politischer Maßnahmen im Kampf gegen schädlichen Alkoholkonsum brauche. Dazu zählten etwa Kommunikationskampagnen und Preis­politik, aber auch Ansätze, die sich direkt an Personen richten, die große Mengen Alkohol konsumieren. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #720508
e.ne
am Montag, 24. Mai 2021, 16:56

Fehleinschätzungen

Ob überhaupt getrunken wird oder nicht - hängt von der Umgebung ab.
Trinkt niemand im Bekanntenkreis, trinken alle nicht oder nur ab und zu.
Wer gewöhnt ist Tee zu trinken, fängt auch wegen einem Shutdown nicht an.
M.E. muß man schon s e h r verletzt werden, persönlich angegriffen, mit
dem Gefühl innerlich zu verbrennen d.h. nichts stimmt mehr ... und dann
trinkt man oder auch nicht, oder bekommt Tabletten verschrieben - genauso sinnlos in solchen Fällen.
Nach meiner Einschätzung trinken die Leute wenn sie sich relativ sicher
fühlen, familiär sozial gebunden/geborgen.
Aus Gründen von "Schocks" Traumata dürfte man kaum anfangen. Weil in dem Fall die körperliche Verfassung insgesamt zu durcheinander ist um sich auf sowas wie Alkohol einlassen zu können. Dazu braucht man eine
gewisse psychische und physische Stabilität, bzw man muss sich selber
gut kennen. z.B. Heute ist der Blutdruck höher/niedriger kann ich dann und
wenn ja was trinken? Die Niere - ein Bier wäre ganz gut aber wie ist es sonst? usw. -
Manche holten/holen sich auch manchmal etwas aus der Apotheke - ob das gesünder ist, als ein Wermut/Whisky, Cognac, o.ä. bleibt dahin gestellt.
Gründe: Waren schon immer: Alleinsein und Einsamkeit - die innere Leere.
Wer "Feste feiern" konnte, konnte auch in aller Regel damit umgehen.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 20. Mai 2021, 10:27

IST/WAR DIE OECD (VIEL)LEICHT ANGETRUNKEN?

Die OECD in Paris behauptet, die weltweite Sars-CoV-2-Pandemie mit COVID-19-Erkrankungen ginge mit einer globalen Zunahme des problematischen Alkoholkonsums einher, ohne dies valide zu belegen.

SARS-CoV-2/Covid-19 Zusammenhang?
Ausgangssperren/verschiedene Lockdowns/ Schließung von Gastronomie/Schank-/Gastgewerbe, Hotellerie/Beherbergungswesen 2020/21 haben den Alkoholkonsum durch den Wegfall dieser Branchen massiv einbrechen und nur teilweise durch privaten Mehrkonsum ausgleichen lassen. Weil massenhaft panikartig Toilettenpapier gehortet wurde, kam es ja auch nicht zu vermehrten Defäkationen in der Bevölkerung. Und auf die Idee, Klopapier beidseitig zu benutzen, ist aus Sparsamkeitsgründen glücklicherweise niemand gekommen.

Alte Zahlen
Die OECD operiert mit Zahlen von 2018, lange vor der CORONA-PANDEMIE: "In Deutschland wurden im Jahr 2018 pro Kopf 12,9 Liter purer Alkohol getrunken...Spitzenreiter im selben Jahr war Seychellen mit einem Durchschnittskonsum von 20,5 Liter Alkohol pro Kopf." Seit 1990, in ca. 30 Jahren, ist der Konsum um gut 2% Prozent/Jahr angestiegen. Der Konsum in Nordafrika/Naher Osten ist sozial-religiös am niedrigsten, in Zentral- und Osteuropa am höchsten. Steigerungsraten verzeichnen aufstrebende Volkswirtschaften wie Indien/China. "Global stieg der Durchschnittswert 2018 gegenüber 1990 von 5,9 auf 6,2 Liter puren Alkohols pro Kopf."
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/232485/umfrage/laender-mit-dem-hoechsten-alkoholkonsum-unter-erwachsenen/

Verwirrung komplett
Weltweiter Konsum an reinem Alkohol wurde für das Jahr 2005 aber schon auf 6,13 Liter pro Person/Jahr geschätzt. Erhebliche Anteile davon (28,6 %/1,76 Liter) entfielen auf außerhalb staatlicher Kontrolle hergestellte Alkoholika. WIKIPEDIA listet den Konsum an reinem Alkohol pro trinkender Person (>= 15 Jahre) im Jahr 2016 auf, wohlwissend, dass zumindest in Deutschland Abgabe/Verkauf erst ab 16 Jahren legal sind.
Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM
Avatar #803827
ralphjahn
am Donnerstag, 20. Mai 2021, 09:17

Fehlannahme

Aus suchtmedizinischer Sicht spielt die Quantität des Konsums nicht die Hauptrolle/ eine untergeordnete Rolle. Führend für die Entwicklung eines Missbrauchs/einer Abhängigkeit sind mentale Prozesse wie z.B. die Intention, aus der heraus der Alkohol konsumiert wird.
Da Alkohol "unsere Kulturdroge" ist, , neigen viele Menschen dazu, unkritisch und bagatellisierend Quantitäten zu beurteilen.
Was wäre nun, wenn die Studie nicht den Alkoholkonsum, sondern den Kokainkonsum erfasst hätte? Und das Ergebnis wäre, dass jeder Mensch im Erfassungszeitraum 0,1 Gramm Kokain pro Tag / 1 Gramm Kokain pro Woche konsumiert hätte? Das würde sicher nachdenklich stimmen.
Avatar #114602
Brech
am Mittwoch, 19. Mai 2021, 19:27

Alkoholkonsum

2, 6 Flaschen Wein /Woche sind täglich ungefähr 1 Glas, 5 Flaschen Bier sogar weniger als ein Bier/Tag. Das klingt für mich noch nicht nach Abusus. Fußen diese Daten auf der britischen Studie, bei der der Konsum durch Selbsteinschätzung ermittelt wurde?
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