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Medizin

COVID-19: 1 Million zusätzliche Todesfälle in 29 OECD Ländern in 2020

Donnerstag, 20. Mai 2021

/Jaroslav Moravcik, stock.adobe.com

Oxford – Im letzten Jahr sind in 29 Mitgliedsländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammen­arbeit und Entwicklung (OECD) zusammen etwa 1 Million mehr Menschen gestorben als im Durchschnitt der Jahre zuvor.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Zeitreihenanalyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ, 2021; DOI: 10.1136/bmj.n1137). Von einer Übersterblichkeit verschont blieben nur Norwegen und Dänemark. In Neuseeland ist die Mortalität sogar gesunken.

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Während der Pandemie sind nicht nur viele Menschen an COVID-19 gestorben. Die Belastung des Gesund­heitswesens und auch die Meidung von Arztkontakten aus Angst vor einer Infektion könnten die Sterblichkeit auch an anderen Erkrankungen erhöht haben. Andererseits könnten die Abwehrmaßnah­men wie die soziale Distanzierung auch Todesfälle durch andere Erkrankungen, etwa der Grippe verhin­dert haben.

Die Untersuchung der Übersterblichkeit, die durch die Analyse der Todesstatistiken relativ leicht möglich ist, könnte deshalb ein objektiveres Bild von den Folgen der Pandemie liefern als die von den Gesund­heits­behörden veröffentlichten Zahlen zu den Coronatodesfällen.

Nazrul Islam von der Universität Oxford und Mitarbeiter (unter anderem vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock) haben hierzu die wöchentlichen Mortalitätsdaten aus 29 Mit­glieds­ländern der OECD, alles Länder mit einem mittleren oder höheren Einkommen, für die Jahre 2016 bis 2020 ausgewertet.

Aus der Entwicklung in den Jahren 2016 bis 2019 wurde in einer Zeitreihenanalyse die für 2020 zu erwar­tende Zahl von Todesfällen errechnet und mit den tatsächlichen Werten verglichen. Die Differenz dürfte in 2020 in erster Linie eine Folge der Coronapandemie sein, die die Länder unterschiedlich stark getroffen hat.

Die 5 Länder mit der höchsten absoluten Zahl an Todesfällen waren die USA (458.000), Großbritannien (94.400), Italien (89.100), Spanien (84.100) und Polen (60.100). Deutschland folgt nach Frankreich (43.500) auf Position 7 der Rangliste mit 25.900 zusätzlichen Todesfällen.

Aussagekräftiger ist die Rate der zusätzlichen Todesfälle bezogen auf 100.000 Einwohner. Hier führt Litauen mit 249,42 die Liste der am stärksten betroffenen Länder an vor Polen (204,01), Ungarn (187,8), Slovenien (168,7), Spanien (160,6) und den USA (160,28). Deutschland steht mit 29,09 zusätzlichen Todesfällen auf 100.000 Einwohner an Position 24 relativ gut da.

Schweden, das auf einen staatlichen Lockdown verzichtet hat (aber auf freiwillige Maßnahmen setzte), liegt mit 91,18 auf Rang 15 noch hinter Italien 117,11), das im Frühjahr als erstes OECD-Land von der Pandemie erfasst wurde. In Dänemark und Norwegen hat es laut der Untersuchung keine signifikante Übersterblichkeit gegeben. In Neuseeland kam es mit minus 63,22/100.000 sogar zu einem deutlichen Rückgang.

In den meisten Ländern war die Übersterblichkeit in der Altersgruppe der über 75-Jährigen am höchsten, gefolgt von den 65- bis 75-Jährigen. Einzige Ausnahme waren die USA, wo die Übersterblichkeit im erwerbstätigen Alter (15 bis 64 Jahre) am höchsten war.

In vielen Ländern gab es bei Kindern unter 15 Jahren weniger Todesfälle als erwartet. Dies könnte laut Islam auf weniger Verletzungen (etwa durch Autounfälle) und/oder Änderungen des Lebensstils und der Umweltfaktoren während der Sperrung (etwa der geringeren Luftverschmutzung) zurückzuführen sein.

Die Daten bestätigen die Beobachtung, dass Männer stärker betroffen waren als Frauen: In Litauen betrug die Übersterblichkeit pro 100.000 Einwohner bei Männern 360 gegenüber nur 152 bei Frauen.

Die Übersterblichkeit liegt in den meisten Ländern deutlich über den von den Gesundheitsämtern erfass­t­en Todesfällen. In Polen und Slowakei war sie mehr als doppelt, in Estland mehr als 3 Mal und in Süd­korea sogar mehr als 4 Mal so hoch.

In Belgien, Deutschland, Frankreich, Israel und der Schweiz wurde dagegen eine höhere Anzahl von COVID-19-Todesfällen gemeldet als die geschätzte Übersterblichkeit erwarten lassen würde (in Deutschland 30.297 gemeldete COVID-19-Todesfälle gegenüber einer Übersterblichkeit von 25.900 Personen). © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #877205
Wasweißichdennschon
am Freitag, 21. Mai 2021, 08:00

Weltbevölkerung und Sterberate

Da die Weltbevölkerung von 2019 auf 2020 um 80 Millionen angestiegen ist, sind 1 Million Tote mehr zu erwarten. So schlimm sich das auch anhört. In Deutschland mit seinen ca. 83 Millionen Einwohner sterben jährlich auch fast eine Million Menschen.
Avatar #803438
SInteresse
am Donnerstag, 20. Mai 2021, 19:55

Zahl der Covid-19 Todesfälle

In Deutschland wird der Todesfall "an oder mit Covid-19 gestorben" statistisch erfasst, der somit statistisch höher sein muss als die tatsächliche Anzahl mit hauptsächlicher Todesursache "Covid-19". Dies kann in anderen Ländern anders sein.
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