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Medizin

COVID-19: Seroprävalenz erreicht in Stockholm vor Impfbeginn 20 %

Freitag, 21. Mai 2021

/Myst, stock.adobe.com

Stockholm – In der schwedischen Hauptstadt hat sich im 1. Jahr der Pandemie jeder 5. Erwachsene mit SARS-CoV-2 infiziert und dabei vermutlich ausreichend neutralisierende Antikörper gebildet, um vor einer weiteren Infektion (vorerst) geschützt zu sein. Dies zeigen Untersuchungen des Karolinska Instituts im Journal of Internal Medicine (2021; DOI: 10.1111/joim.13304).

Schweden hat bekanntlich weitgehend auf staatliche Maßnahmen gegen COVID-19 verzichtet und auf die freiwillige Initiative der Bevölkerung gesetzt. Erst während der 2. Welle im Winter wurden die Öff­nungszeiten einiger Geschäfte verkürzt. Die Folge war eine deutlich höhere Zahl von Erkrankungen und Todesfällen an COVID-19 als in den benachbarten skandinavischen Ländern. Falls hinter der Strategie die Hoffnung stand, auch ohne Impfungen eine Herdenimmunität zu erreichen, ist die Rechnung nicht aufgegangen. Auch in der Hauptstadt Stockholm hat nur eine Minderheit eine Immunität entwickelt.

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Das Karolinska Institut hat im Verlauf des letzten Jahres immer wieder Seroprävalenzstudien bei Blut­spendern und Schwangeren durchführen lassen. Die jetzt von Xaquin Castro Dopico und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass die Seroprävalenz langsam, aber stetig anstieg.

Bei der ersten Untersuchung Anfang April 2020 wurden bei 2,4 % der Bevölkerung Antikörper gegen SARS-CoV-2 gefunden. Während der 1. Welle nahm die Prävalenz bis Ende Juni auf 8,3 % zu. Ende Okto­ber war sie trotz zurückgehender Erkrankungszahlen auf 12,7 % gestiegen. Während der 2. Welle kam es noch einmal bis Ende Februar zu einer Zunahme auf 19,2 %.

Zu diesem Zeitpunkt hatten in Schweden außer im Gesundheitswesen und bei älteren Personen (die nicht zu den Blutspendern gehören) kaum Menschen eine Impfung erhalten. Die Prävalenz von etwa 20 % dürfte demnach der natürlichen Immunität entsprechen, zu der es bei einer wenig gebremsten Epide­mie in der Metropole Stockholm mit 2,37 Millionen Einwohnern gekommen ist. Von einer Herdenimmu­nität war Schweden auch in der Hauptstadt weit entfernt.

Die Forscher haben zu Beginn der Epidemie zwischen März und Mai 2020 bei 56 seropositiven Personen, die neutralisierende Wirkung der Antikörper prüfen lassen. Bei den relativ aufwändigen Tests wird unter­sucht, ob das Serum sogenannte Pseudoviren, die mit dem S-Protein von SARS-CoV-2 ausgestattet sind, von der Infektion von Zellen abhalten kann. Dies gelang in den meisten Fällen. Dopico geht davon aus, dass 96 % der seropositiven Bewohner der Hauptstadt vor einer weiteren Infektion mit SARS-CoV-2 geschützt wären. © rme/aerzteblatt.de

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