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Ärzteschaft

Wer Nichtraucher werden will, sollte Nichtdampfer bleiben

Mittwoch, 26. Mai 2021

/dpa

Berlin – Die Deutschen Lungenfachärzte warnen nachdrücklich davor, E-Zigaretten als Mittel zum Tabak­ausstieg zu nutzen. Es sei nicht nachgewiesen, dass das Dampfen die Entwöhnung von der Zigarette er­leichtere, zudem bergen E-Zigaretten eigene Gesundheitsrisiken.

Das war die Botschaft der Pneumologen auf ihrer Pressekonferenz anlässlich des 61. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) im Vorfeld zum diesjährigen Weltnichtrauchertag Ende Mai.

Wulf Pankow, ehemaliger Chefarzt der Pneumologie und Infektiologie am Vivantes Klinikum Neuköln in Berlin, verwies auf der Pressekonferenz auf die neue S3-Leitlinie. Diese empfehle ebenfalls das Dampfen ausdrücklich nicht als Methode, um vom Glimmstängel loszukommen, sagte Pankow, der jetzt Ärztlicher Leiter des Coronabehandlungszentrums Jafféstraße in Berlin ist.

Man müsse sogar befürchten, dass die E-Zigarette ihrerseits Abhängigkeit fördere, nämlich die von Niko­tin. Und es sei im Gegenteil sogar zu vermuten, dass der Versuch, sich mit Hilfe der E-Zigarette zu ent­wöhnen, das Rückfallrisiko eher erhöhe.

Dies legten jedenfalls die Erkenntnisse aus einer aktuellen Metaanalyse nahe, für die Daten von Rau­chern und Dampfern aus den USA, Großbritannien und Frankreich ausgewertet worden waren (DOI: 10.18332/tpc/132964). Danach hatte sich das Rückfallrisiko verdoppelt. Das ist die erste überzeugende Evidenz, die die zahl­reichen Verlautbarungen widerlegt, die E-Zigarette könne dabei helfen, vom tradi­tionellen Rauchen loszukommen.

Pankow gab zu bedenken, dass ein Großteil derer, die versuchten, vom Tabakrauch loszukommen, sich am Ende als sogenannte „Double-User“ wiederfänden: Als Doppelkonsumenten von E-Zigarette und her­kömmlicher Zigarette. „Rund 85 Prozent konsumieren hierzulande schließlich beides, in Österreich sind es 68 Prozent, in Frankreich 63 Prozent“, listete der Pneumologe auf. Daran lasse sich ablesen, dass dies vielerorts ein bekanntes Phänomen und damit eine reale Gefahr darstelle.

Es gebe Hinweise, dass dieser Doppelkonsum als noch gesundheitsschädlicher angesehen werden müsse als die isolierte Nut­zung einer der Varianten, so Pankow. Denn es addieren sich die Schadstoffe im Ta­bak­­rauch zu denen des Aerosols, worauf die neue Stellungnahme des Aktionsbündnisses Nicht­rauchen zu E-Zigaretten aufmerksam macht.

Die meisten Raucher, die aufhören wollten, setzten sich ein Datum, an dem sie fortan keine Zigarette mehr anrühren wollten. „Das ist natürlich die beste Methode“, urteilt Pankow. Allerdings sollten jene, die das einige Male vergeblich versucht hätten, sich professionelle Hilfe holen, empfiehlt er. Hier käme die Verhaltenstherapie in Frage, die auf das Einüben des Verzichts abzielt.

„Unterstützend können hier Nikotinersatzprodukte wie Nikotinpflaster hilfreich sein, aber auch Medika­mente“, erläuterte der Lungenfacharzt. Die zwei wichtigsten Präparate sind der partielle Agonist des nikotinischen Acetylcholinrezeptors α4β2, Vareniclin, und das Antidepressivum Bupropion.

Alle Ansätze sind geprüft effektiv, eine Kombination kann die Wirksamkeit sogar noch steigern, jedoch: „In Deutschland gelten diese Präparate als ‚lifestyle‘-Substanzen, nicht als Medikamente“, rügt Pankow. Denn das hat zur Folge, dass die Gesetzlichen Krankenkassen die Kosten dafür nicht tragen müssen, der Raucher muss seine Entwöhnung mithin selbst bezahlen. © mls/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #797534
random4734
am Donnerstag, 27. Mai 2021, 16:37

Hmmm?

Die zitierte Metastudie basiert auf der Betrachtung von 3 Studien.

Gomjaee et. al:
Betrachtet werden Raucher, die zwischen 2010 und 2013 mit dem Rauchen aufgehört haben.

Der Effekt höherer Rückfallraten war nur bei den Umsteigern in 2010/2011 signifikant:
"However, levels of smoking relapse were not increased among former smokers who quit in recent years. Measures of plasma nicotine levels have showed that, compared with older models of ECs, the new generation delivers higher levels of nicotine to the bloodstream. This finding may be an explanation as to why smokers who recently quit smoking and switched to ECs are less likely to relapse than those who quit earlier"

Dai et. al:
Hier sieht man den Unfall schon im Abstract. Short-Term-Niemals-Dampfer haben eine Rückfallrate von 31,6%, Langzeit von 1,8%.

Die Diskrepanz zwischen 1,8% und 31,6% bei den Niemals-Dampfern lässt dann auch schon erahnen, was sich auch in den Daten (PATH-Studie, kann man sich herunterladen und selbst auswerten) zeigt: Die Vergleichsgruppe sind eben alle Ex-Raucher, die ohne E-Zigarette umgestiegen sind, irgendwann zwischen der letzten Eiszeit und heute. E-Zigaretten hingegen gab es damals erst wenige Jahre, so dass die "longterm" E-Zigaretten-Gruppe eben größtenteils aus frischen Ex-Rauchern besteht.

Wenig überraschend findet die Studie dann heraus, dass das Rückfallrisiko sich mit zunehmender Dauer des Rauchstopps reduziert. Der Zusammenhang mit der E-Zigarette ist also eine Scheinkorrelation, die hier, warum auch immer, als Kausalzusammenhang präsentiert wird.

Es gehört keine außerodentliche Kompetenz dazu, diese Umstände zu erkennen. Wie oben bereits erwähnt, sieht man eigentlich direkt im Abstract wo das Problem bei dieser Studie liegt.




Avatar #767798
Cryonix
am Donnerstag, 27. Mai 2021, 11:46

Die Cochrane-Gesellschaft

genauer die Cochrane-TAG (Tobacco Addiction Group) hat zum Glück einer mißweisenden Verwendung ihrer Evidenzanalysen einen Riegel vorgeschoben. Damit nicht – wie in der hier zitierten S3LL – durch ‚Cherry-Picking‘ deutlich veraltete Analysen mit geringerer Evidenz länger zur Untermauerung aufgestellter Behauptungen herangezogen werden können. Ruft man beispielsweise die darin enthaltene Ref 188 „Electronic cigarettes for smoking cessation“ aus 2016 auf https://doi.org/10.1002/14651858.CD010216.pub3 , erhält man sofort Warnhinweise, dass es sich um eine nicht aktuelle Version handelt!

Und wird weiter geleitet, die letzte, aktuelle Version zu benutzen.

Damit verhilft Cochrane diesem Kapitel zu dem, was es bereits bei Erscheinen der LL darstellte: Makulatur! Veraltet! Zu diesem Sujet lag in Oktober 2020 bereits eine neue Ausgabe vor, die den Evidenzgrad für die Rauchentwöhnung von ‚low‘ auf ‚moderate‘ anhob. Da mag vorausgegangener Redaktionsschluss als Entschuldigung angeführt werden, dies kann aber insoweit nicht gelten, da der letzte Zeitstempel auf den 15.12.2020 zeigt - der Tag, an dem Cytisin die Zulassung auf dem deutschen Arzneimittelmarkt erhalten hat. Cytisin wird in der LL als zugelassen abgehandelt.

Unter diesem Teilaspekt – der E-Zigarette - hat die soeben erschienen LL demnach keinerlei Aussagekraft, so sie sich auf die Cochrane-Gesellschaft bezieht!
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