NewsVermischtesUnternehmen tüfteln an Coronaimpfstoffen der nächsten Generation
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Unternehmen tüfteln an Coronaimpfstoffen der nächsten Generation

Mittwoch, 26. Mai 2021

/Tino Neitz, stock.adobe.com

Berlin – Während viele Menschen in Deutschland noch auf ihre Coronaimpfung warten, arbeiten Her­steller schon an der nächsten Impfstoffgeneration. Erste solche Präparate könnten nach Angaben des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa) im Erfolgsfall noch in diesem Jahr zugelassen werden.

Dabei werden einem vfa-Sprecher zufolge vor allem drei Strategien verfolgt: Erstens geht es um eine stärkere Immunisierung, indem die Immunabwehr etwa durch Antikörper noch mehr aktiviert wird. Im zweiten Fall wird an der Immunisierung gegen das Spikeprotein, das an der Außenhülle des Coronavirus sitzt, oder gegen mehrere solche Spikeproteine gearbeitet. Und schließlich wird an der Immunisierung auch gegen andere SARS-CoV-2-Bestandteile geforscht wie etwa dem Nukleokapsid. Dieser zentrale Teil des Virus besteht aus Proteinhülle (Kapsid) und viraler Nukleinsäure.

Anzeige

Die Gründe für derartige Forschung sind unterschiedlich. Zum einen gelten die bisherigen Impf­stoffe zwar als wirksam gegen die ursprüngliche Variante des Virus. Doch schon bei manchen Mutanten lässt die Wirkung nach. Und da sich das Virus weiter verändern wird, will man vorbereitet sein. Zum anderen ist nach wie vor unklar, ob und in welchem Zeitabstand Auffrischimpfungen – sogenannte Booster – notwendig sein werden.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) ist bisher auch nicht bekannt, ob solche Booster besser mit einem anderen Impfstofftyp erfolgen sollten als mit dem zuerst gespritzten Präparat. Die Beantwor­tung dieser Frage hänge von Faktoren ab wie der Dauer des Impfschutzes nach der ersten Impfserie oder der Wirkweise des Impfstoffs, heißt es beim RKI. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, hatte jüngst den Zeitungen der Funke Mediengruppe gesagt, dass wohl alle Geimpften im nächsten Jahr ihren Impfschutz auffrischen lassen müssten.

Hersteller wie Biontech/Pfizer oder Johnson & Johnson testen fortlaufend die Wirksamkeit ihrer Pro­dukte bei Mutanten und auch die Dauer des Impfschutzes. Nach ersten Ergebnissen wirken die Impf­stoffe nach einem halben Jahr noch einwandfrei. Moderna untersucht drei verschiedene Booster­impfungen, die Ende des Jahres auf den Markt kommen könnten, wie Europachef Dan Staner dem Handelsblatt sagte. Von Cure­vac, dessen erster Impfstoff noch nicht zugelassen ist, gab es trotz Nachfrage keine Informationen zu weitergehenden Forschungen.

Ferner arbeiten Biontech und Pfizer beispielsweise daran, dass ihr Impfstoff auch für 12- bis 15-Jährige und jüngere Kinder eingesetzt werden kann. Seit Ende März lassen die Unternehmen ebenso die Verab­reichung einer einzelnen Auffrischungsimpfung fünf bis sieben Monate nach Erhalt der zweiten Bion­tech-Dosis untersuchen. Dabei wird auch ein modifizierter Impfstoff getestet, der an das Spike­protein der aus Südafrika bekannten Variante B.1.351 angepasst wurde. Angelaufen ist zudem eine Schwan­ge­renstudie.

Der Biontech-Vorstandsvorsitzende Ugur Sahin hatte bei einer Veranstaltung des Science Media Centers gesagt, er wolle auch Studien durchführen bei Menschen, deren Immunabwehr unterdrückt ist. Das kann zum Beispiel infolge einer Erkrankung wie Aids passieren oder wenn man Medikamente nehmen muss, um die körpereigenen Reaktionen zu hemmen – etwa im Rahmen einer Krebstherapie.

Anders als bei den mRNA-Impfstoffen wie von Biontech/Pfizer muss das Vakzin von Johnson & Johnson wegen einer anderen Art der Anwendung bislang nur einmal gespritzt werden. Es würden aber auch Wirksamkeit und Sicherheit von zwei Dosen untersucht, erklärte eine Sprecherin der Janssen-Cilag GmbH, die zu Johnson & Johnson gehört. „Wir erwarten im Sommer 2021 erste Daten aus dieser Studie.“

Darüber hinaus erprobe das Unternehmen, ob andere am Schutz gegen SARS-CoV-2 beteiligte Immun­funktionen, wie die T-Zell-Immunantworten, auch gegen neuen Varianten wirksam sind. „Parallel dazu beschäftigen wir uns bereits mit der Entwicklung eines Impfstoffs der zweiten Generation und werden unsere Erkenntnisse aus unserem aktuellen COVID-19-Programm nutzen, um diese Bemüh­ungen zu beschleunigen“, teilte die Sprecherin mit.

Doch nicht nur die Hersteller selbst befassen sich mit solchen Forschungen. Der Verband der forsch­en­den Pharmaunternehmen hat eine ganze Reihe an Projekten aufgelistet, die im Moment an Impf­stoffen der zweiten Generation arbeiten. Dazu zählt die Entwicklung einer Schluckimpfung mit gentech­nisch veränderten, lebenden Typhus-Impfbakterien, die zwei verschiedene Proteine von SARS-CoV-2 tragen. An dem Vorhaben ist die Universität Würzburg beteiligt.

Inwiefern das alles nötig ist, kann man derzeit schwer abschätzen. Prognosen sind wegen vieler nicht zu beantwortender Fragen kaum möglich. Die Leiterin der Sektion Infektiologie am Zentrum für Innere Me­dizin des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf, Marylyn Addo, hatte beim Science Media Center gesagt, bei eingedämmtem Infektionsgeschehen gebe es auch weniger Mutationen. „Dann müssen wir uns diesem Thema der neuen Mutationen vielleicht gar nicht so dramatisch stellen.“

Und wenn das doch notwendig wird? Das für die Impfstoffzulassung zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat keinen Einfluss auf die Entwicklungen, verweist aber zumindest auf Aussagen der Hersteller der mRNA-Impfstoffe. Die gingen davon aus, innerhalb von sechs Monaten Anpassungen vornehmen zu können. Innerhalb weiterer sechs Monate wollten sie dann Millionen Impfstoffdosen produzieren können. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #664970
bbbio345
am Mittwoch, 14. Juli 2021, 20:34

Viele interessante Meldungen - bitte die Archivfotos weglassen!


Liebes Ärzteblatt, vielen Dank für die interessanten tagesaktuellen Nachrichten! - Sind sie sicher, dass die Leser die Archivfotos mit Injektionsflaschen, Oberarmen, die für die Spritze bereitgehalten werden, bunten Darstellungen des Coronavirus mit seinen Spikes und so weiter zum besseren Verständnis der Titelzeilen benötigen?? Ich persönlich wäre froh, wenn wir uns, ohne die Fotos nach oben zu rollen, gleich auf die eigentlichen Meldungen konzentrieren könnten.
LNS
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER