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Medizin

VITT: Berichte über Schlaganfälle nach Impfung mit Astrazeneca-Vakzine

Mittwoch, 26. Mai 2021

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

London – Die impfstoffinduzierte immune thrombotische Thrombozytopenie (VITT), eine seltene Kom­plikation von Vektor-basierten SARS-CoV-2-Impfstoffen, kann offenbar auch arterielle Thrombosen aus­lösen. Britische Mediziner berichten im Journal of Neurology Neurosurgery & Psychiatry (2021; DOI: 10.1136/jnnp-2021-326984) von drei jüngeren Patienten, die im Anschluss an die Impfung mit dem Impfstoff AZD1222 des Herstellers Astrazeneca einen Schlaganfall erlitten, der in einem Fall tödlich endete.

Die VITT wird nach derzeitigem Kenntnisstand durch Autoantikörper ausgelöst, die gegen einen Kom­plex aus dem Plättchenfaktor 4 (PF4) und einer noch unbekanntem Substanz gebildet werden. Die Er­krankung wurde vor allem bei jüngeren Frauen im Anschluss an eine Impfung mit den Vakzinen von Astrazeneca und Johnson & Johnson beobachtet, die beide ein Adenovirus nutzen, um das Gen für die Produktion des Spike-Antigens in die Zellen zu schleusen.

Die bisherigen Komplikationen betrafen den venösen Kreislauf. Die häufigste Manifestation waren zere­brale Sinusvenenthrombosen, gelegentlich wurden auch Verschlüsse der splanchnischen Venen, also Pfortader und/oder Mesenterialvenen beobachtet. Arterielle Thrombosen, die beispielsweise einen ischä­mischen Schlaganfall auslösen können, wurden bisher nicht mit der Impfung in Verbindung ge­bracht.

Ein Team um David Werring vom Stroke Research Centre am University College London stellt jetzt die Fallberichte von 3 Patienten vor, die nach einer Impfung mit AZD1222 einen Schlaganfall erlitten, der in bildgebenden Verfahren auf thrombotische Verschlüsse in Arteria cerebri media oder Arteriae carotis interna zurückgeführt wurde.

Die erste Patientin, eine 35-jährige Frau, hatte 6 Tage nach der Impfung über episodische Kopfschmer­zen im Bereich der rechten Schläfe und um die Augen herum geklagt. Fünf Tage später erwachte sie morgens mit einer Muskelschwäche in Gesicht, Arm und Bein auf der linken Körperhälfte.

In der CT-Angiografie wurde eine Blockade der rechten Arteria cerebri media gefunden. Später wurde noch eine Thrombose in der rechten Pfortader entdeckt. Eine teilweise Entfernung des Schädeldachs zur Minderung des Hirndrucks und eine Behandlung mit dem gerinnungshemmenden Medikament Fonda­parinux konnte die Frau nicht retten. Sie starb nach wenigen Tagen am Hirntod.

Die zweite Patientin, eine 37 Jahre alte Frau, entwickelte 12 Tage nach der Impfung Kopfschmerzen, Verwirrtheit, eine Schwäche im linken Arm und einen Sehverlust auf der linken Seite. Die CT-Angiografie deckte eine Blockade in beiden Arteriae carotis interna auf. Außerdem wurde im linken Sinus transversus eine Thrombose entdeckt.

Bei einer späteren Bildgebung wurden außerdem eine Lungenembolie sowie Thrombosen im linken Sinus transversus und sigmoideus, in der linken Vena jugularis, in der rechten Vena hepatica und in beiden Venae iliaca gefunden. Trotz der ausgedehnten Thrombosierungen überlebte die Patientin. Nach der Behandlung mit intravenösem Immunglobulin, der zweimaligen intravenösen Gabe von Methylpred­ni­solon und einer Plasmapherese sowie einer Behandlung mit Fondaparinux erholte sie sich von den Lähmungen.

Der dritte Patient, ein 43 Jahre alter Mann, stellte sich 3 Wochen nach der Impfung mit Problemen beim Sprechen und Verstehen der Sprache (Dysphasie) vor. Bei der Bildgebung wurde ein Gerinnsel in der linken Arteria cerebri media entdeckt. Venöse Thromben bestanden nicht. Der Patient stabilisierte sich nach der Transfusion von Thrombozyten (eigentlich kontraindiziert), einer intravenösem Immunglobu­lingabe und einer Antikoagulation mit Fondaparinux.

In allen 3 Fällen konnte die Diagnose einer VITT durch den Nachweis von PF4-Antikörpern gesichert werden. Bei allen 3 Patienten bestand außerdem eine Thrombozytopenie und als Hinweis auf die Throm­bosierungen ein erhöhter D-Dimer-Wert.

Werring rät den Ärzten, bei allen Personen, die nach einer Impfung mit AZD1222 einen Schlaganfall erleiden, an die Möglichkeit eines VITT zu denken und entsprechende Labortests (Thrombozytenzahl, D-Dimer, Fibrinogen und Anti-PF4-Antikörper) durchzuführen, um rechtzeitig eine Behandlung einzuleiten.

Die Komplikation dürfte angesichts der hohen Zahl der Impfungen insgesamt gering sein. Der Editorialist Hugh Markus von der Universität Cambridge weist darauf hin, dass es auch bei einer Erkrankung an COVID-19 zu einem Schlaganfall kommen kann. Die Inzidenz wurde jüngst in einer Meta-Analyse im International Journal of Stroke (2021; 16: 137-49) mit 1,4 % aller COVID-19-Patienten angegeben. Das mittlere Alter lag allerdings bei 65,3 Jahren höher als bei der Impfkomplikation VITT. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #977981
Pe.Bin
am Montag, 22. November 2021, 21:56

Gürtelrose nach Biontech Impfung

Habe mich vor 6 Tagen mit Biontech geimpft . Nach 3 Tagen hab ich am Rücken Bläschen bekommen und mein linkes Bein tut weh. Heut war ich beim Arzt und es wurde Gürtelrose bestätigt.
Avatar #889789
anonymusMitHZ
am Mittwoch, 21. Juli 2021, 09:48

Belege?

Wo lesen Sie das genau? Bitte um Belege, danke!
Avatar #889843
2021mila
am Mittwoch, 7. Juli 2021, 13:18

2. Comirnaty Impfung

Am 23. Juni habe ich meine 2. Biontech-Impfung erhalten. Am 3. Juli kam es dann zum Ausbruch von Herpes Zoster an der linken Hand, Innenseite und Handrücken, verbunden mit extrem starkem Juckreiz. Vereinzelt befinden sich auch Bläschen an beiden Unterarmen. 2 Tage nach der Impfung begann ein starkes Erschöpftsein, verbunden mit Schwindelgefühl. Diagnose: Herpes Zoster. Behandelt wird mit Anaesthesulf Lotio und Brivudin
Avatar #889789
anonymusMitHZ
am Dienstag, 6. Juli 2021, 18:36

Ebenso

Guten Tag, habe exakt 14 Tage nach 2. Impfung Biontech Herpes Zoster-Ausbruch erlitten. Keine Vorerkrankungen. Meldung ans PEI abgesetzt. Könnte kotzen...sorry.
Avatar #99356
salzburgersouvenir
am Montag, 28. Juni 2021, 16:14

Herpes Zoster

Auch ich habe 5 Tage nach der 1. Biontech /mRNA Impfung eine Gürtelrose im selben Dermatom entwickelt. Da ich Ärztin im Ruhestand bin und zuffällig zuhause ( es war Wochenende) einen Vorrat von Valaciclovir hatte, konnte ich die Therapie innerhalb 24 Stunden nach Ausbruch beginnen. Vielleicht wäre es schlimmer geworden ohne antivirale Therapie. Jedenfalls wurde ich nicht informiert, ob die 2. Biontech Impfung jetzt gestreckt werden muß oder ob ich mit einem Vektorimpfstoff geimpft werden soll. Man findet leider keine Hinweise - zu sehr Grauzone oder könnte mir hier einer der Forumleser einen Ratschlag geben?
Avatar #888976
Brotaufstrich
am Sonntag, 27. Juni 2021, 14:51

Zoster-Ausbruch nach Biontech -Schutzimpfung

Bei mir kam es zeitlich = ca. 14 Tage nach der ersten Biontech-Impfung zu einem Gürtelrosen-Ausbruch.
Seitdem versuche ich gelgentlich dieses Thema zu recherchieren. Ich habe dies auch dem Paul-Ehrlich-Institut als mögliche Nebenwirkungen vorsorglich gemeldet. Auf deren Webseite aber keine Hinweise gefunden. Eine Neurologin berichtete mir, dass sie von mehreren Fällen einer Gürtelrose im Zusammenhang mit der Schutzimpfung nun gehört habe.
Die 2. Impfung musste zeitlich gestreckt werden. Bislang kam es aber zu keinem neues Zoster-Ausbruch.
Avatar #888850
Stephan F.
am Freitag, 25. Juni 2021, 15:56

Schlaganfall nach C-Impfung mit AZ?

Hallo,
eine Angehörige ist am MIttwoch mit der Diagnose Schlaganfall in die Klinik eingeliefert worden, die erste AZ Impfung war Anfang Mai, die zweite steht noch aus. Linke Seite ist komplett gelähmt und das Sprachzentrum ist betroffen. Nun bin ich leider kein Mediziner und wüsste gerne, welche Fragen isch stellen muss, bzw. welche Indikatoren auf den Zusammenhang mit der Impfung hinweisen.
Der behandelnde Arzt verhält sich natürlich sehr neutral mit seinen Aussagen.
Vielleicht kann mir hier jemand weiter helfen. Ich würde mich über eine Antwort freuen! Viele Grüße, Stephan
Avatar #886319
Leavon
am Samstag, 29. Mai 2021, 13:53

2. Rote Handbrief Astra Zeneca

Ich möchte mal darauf Aufmerksam machen, dass Thrombozytopenie eine " häufige " Nebenwirkung bei Vaxzevria ist. Darauf hätte der Artikel auch noch aufmerksam machen können.
https://www.gelbe-liste.de/rote-hand-briefe/rote-hand-brief-vaxzevria-covid-19-vaccine-astrazeneca
Thrombozytopenie allein stellt bereits eine schwerwiegende Nebenwirkung dar. Dass dieses Medikament noch auf dem Markt ist, ist schier unglaublich.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Samstag, 29. Mai 2021, 09:37

Ich weiß nicht, ob ich weinen oder lachen soll,

angesichts des Unsinns einiger Kommentatoren. Die Proteinmengen, die nach i.m. Injektion eines mRNA-Impfstoffs lokal im Muskel produziert werden, reichen für eine Immunreaktion, sind aber viel zu gering, um z.B. auf einer Schleimhaut für Konzentrationen zu sorgen, die eine Freisetzung in die Umgebung ermöglichen.

Mit Verlaub, aber das hier ist das Ärzteblatt und nicht die Regenbogenpresse. Ein LK Biologie ist für medizinische Fachthemen einfach nicht ausreichend. Ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert und erschüttert, mit welcher Selbstverständlichkeit die eigene Unwissenheit öffentlich zur Schau gestellt wird. Und es ist extrem frustrierend, zuzusehen, wie die wenigen Beiträge mit Fachwissen hier vom digitalen Mob niedergeschrien werden.
Avatar #789658
2haeschen
am Freitag, 28. Mai 2021, 22:23

@T.N.

Den Hinweis von Wasweißichdennschon ergänze ich wie folgt:

"Derzeit wird untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen der Impfung und dem sehr selten auftretenden Kapillarlecksyndrom (auch: Clarkson-Syndrom oder Capillary-leak-Syndrom) besteht."

Leider war hier im ÄB davon noch nichts zu lesen.
Avatar #860401
T.N.
am Freitag, 28. Mai 2021, 21:26

Herpes zoster - Gürtelrose nach Covid Impfung

Ganz lieben Dank, für den Hinweis. Ich hatte das bisher noch nirgens gelesen. In meinem Umfeld gibt es auch einen Fall von Gürtelrose / Herpes Zoster unmittelbar nach der 2. Impfung. Wir werden mal eine Meldung an das Paul Ehrlich Institut geben.
Avatar #13
blatt
am Freitag, 28. Mai 2021, 19:55

Oh je, weiter Mutmaßungen

mRNA-Impfstoffe enthalten – genauso wie DNA- und Vektorimpfstoffe – keine vermehrungsfähigen Viren und sind somit nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Es birgt keine Gesundheitsgefahren, sich in der Nähe einer geimpften Person aufzuhalten. Da im Körper kein Virus produziert wird, findet auch keine Ausscheidung statt. Der Impfstoff kann nicht durch Ausscheidung eingeatmet werden und kann nur durch eine verabreichte Dosis (intramuskuläre Injektion) in den menschlichen Körper gelangen.
Avatar #13
blatt
am Freitag, 28. Mai 2021, 19:55

Oh je, weiter Mutmaßungen

mRNA-Impfstoffe enthalten – genauso wie DNA- und Vektorimpfstoffe – keine vermehrungsfähigen Viren und sind somit nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Es birgt keine Gesundheitsgefahren, sich in der Nähe einer geimpften Person aufzuhalten. Da im Körper kein Virus produziert wird, findet auch keine Ausscheidung statt. Der Impfstoff kann nicht durch Ausscheidung eingeatmet werden und kann nur durch eine verabreichte Dosis (intramuskuläre Injektion) in den menschlichen Körper gelangen.
Avatar #13
blatt
am Freitag, 28. Mai 2021, 18:31

Geimpfte

tragen wenn überhaupt viel weniger Virus in sich und was ist "bekanntermaßen".? Sie setzen wie immer hier Mutmaßungen in die Welt, die nicht oder nur halb stimmen, aber Ihr Fachgebiet ist auch ein anderes.

Das Robert Koch-Institut geht aufgrund der Datenlage aber davon aus, dass die Viruslast bei infizierten Geimpften "signifikant reduziert wird"

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Materialien/Faktenblaetter/COVID-19_Vektor.pdf?__blob=publicationFile

Avatar #13
blatt
am Freitag, 28. Mai 2021, 17:40

Die Zahlen finden Sie hier

https://www.pei.de/DE/newsroom/dossier/coronavirus/coronavirus-inhalt.html?cms_pos=6
Und wenn Sie sich nie impfen lassen ist das nicht nur fahrlässig, sondern Sie gefährden auch andere...
Avatar #830245
Hortensie
am Freitag, 28. Mai 2021, 17:33

@wasweißichdennschon

Mit Biontech also geimpft? Ich hätte auf AstraZeneca getippt. Aber beim Impfstoff von Biontech ist das auch möglich.
Leider erfährt man die genauen Zahlen nicht, weil man womöglich die Impfbereitschaft nicht gefährden will.
Andererseits lasse ich mich nicht impfen, wenn ich zuvor nicht die genauen Zahlen für jeden Impfstoff und jede schwere Komplikation kenne, was vermulich dazu führen wird, dass ich mich nie werde impfen lassen können.
Avatar #88255
doc.nemo
am Freitag, 28. Mai 2021, 15:37

@wasweißichdennschon

Könnte es sein, dass Patienten nach schwerem COVID-19-Verlauf momentan keinen Bedarf an einer podologischen Behandlung haben und deshalb seltener bei Ihnen auftauchen?
Avatar #830245
Hortensie
am Freitag, 28. Mai 2021, 14:41

@Wasweißichdennschon: Welche Impfstoffe ?

Wissen Sie, womit diese Betroffenen geimpft wurden?
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