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Medizin

Rheuma: MTX könnte Wirksamkeit von Coronaimpfung vermindern

Mittwoch, 26. Mai 2021

/molekuul.be, /stock.adobe.com

New York – Der Wirkstoff Methotrexat (MTX), der bei vielen rheumatischen Erkrankungen heute das be­vorzugte krankheitsmodifizierende Medikament ist, könnte die Wirksamkeit einer Impfung gegen SARS-CoV-2 herabsetzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie in den Annals of Rheumatic Diseases (2021; DOI: 10.1136/annrheumdis-2021-220597), die an zwei Kohorten aus den USA und Deutschland die Im­munität nach der Gabe von Comirnaty (BNT162b2) von Biontech/Pfizer untersucht hat.

Die meisten Patienten mit rheumatischen Erkrankungen erhalten eine Basistherapie mit immunsuppri­mie­renden Medikamenten, die das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten soll. Der Folsäure-Antagonist Methotrexat ist aufgrund seiner guten Wirksamkeit und der geringen Kosten heute das bevorzugte Medi­kament.

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Die Hemmung der Immunabwehr macht die Patienten jedoch anfälliger für Infektionen und setzt gleich­zeitig die Wirksamkeit von Impfstoffen herab. Vor Grippe-Impfungen wird deshalb manchmal die Unter­brechung der Behandlung erwogen.

Ein Team um Jose Scher von NYU Langone Health in New York hat die Auswirkungen auf die Impfung mit BNT162b2 jetzt in zwei Kohorten in New York und an der Universitätsklinik Erlangen untersucht. In bei­den Kliniken wurde die Antikörper-Antwort auf den Impfstoff bei Gesunden und bei Rheumapatienten verglichen, die mit MTX oder anderen Basistherapeutika beziehungsweise Biologika behandelt wurden. In New York wurde auch ein einfacher Test zur T-Zell-Antwort des Immunsystems durchgeführt.

Die Zahl der Teilnehmer war in beiden Gruppen klein. In New York wurden 51 Patienten untersucht, von denen 25 mit MTX behandelt wurden, in Erlangen erhielten 20 Rheuma-Patienten MTX und 11 weitere Patienten andere krankheitsmodifizierende Medikamente. Die Studie wurde zudem retrospektiv durch­geführt, was die Aussagekraft weiter einschränkt.

Beidseits des Atlantiks zeigen die mit MTX behandelten Patienten eine abgeschwächte Impfstoffwirkung auf die Impfung mit BNT162b2. Die für eine ausreichende Immunität erforderlichen Antikörper-Titer wurden in New York nur bei 18 von 25 Patienten (72,0 %) erreicht. In Erlangen waren es sogar nur 10 bei 20 Patienten (50 %).

Interessanterweise erreichten Patienten, die mit anderen Basistherapeutika oder mit Biologika behandelt wurden, eine bessere Immunität. In New York stiegen die Antikörper-Titer bei 24 von 26 Patienten (92,3 %) und in Erlangen bei 10 von 11 Patienten (90,9 %) auf das erforderliche Maß an. Die Impfreaktion war genauso gut wie in einer (nicht randomisierten) Kontrollgruppe von gesunden Probanden.

Die Untersuchungen zur T-Zell-Immunität zeigten, dass nach der Gabe von BNT162b2 der erhoffte An­stieg der aktivierten CD8-T-Zellen ausblieb. Die Flowzytometrie, die die Blutzellen nach Oberflächenmar­kern sortiert, bietet allerdings nur eine grobe Orientierung zur T-Zell-Antwort.

Eine weitere Einschränkung ist, dass die Patienten, die mit MTX behandelt wurden, mit 63 Jahren deut­lich älter waren als in der Vergleichsgruppe (49 Jahre). Ein höheres Alter kann mit einer verminderten Immunantwort einhergehen (auch wenn dies nach bisherigen Erfahrung bei den Coronaimpfungen nicht der Fall ist). Unklar ist auch, welche Antikörpertiter (im Kontext mit einer T-Zell-Antwort) für einen sicheren Schutz vor COVID-19 benötigt werden.

Dennoch erscheint für Scher und Mitautor Georg Schett vom Universitätsklinikum Erlangen die Sorge vor einer unzureichenden Immunantwort bei Rheuma-Patienten, die mit MTX behandelt werden, berechtigt.

Die Autoren verweisen auf eine Studie aus Südkorea, in der eine Unterbrechung der MTX-Behandlung für 2 Wochen vor und 2 Wochen nach einer Grippe-Impfung die Impfreaktion deutlich verbessert hatte. Ob dies bei der Impfung gegen SARS-CoV-2 der Fall ist, und wie dies bei der notwendigen zweifachen Impfdosis praktisch umgesetzt werden könnte, ist offen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #888122
Silentium1978
am Donnerstag, 17. Juni 2021, 14:25

Guter Artikel

Danke, für diesen sachlich guten Artikel.
Gibt es eine Anlaufstelle, an welche sich Menschen mit MTX-Verabreichung wenden können, wenn sie als Probanten für medizinische Studien zur Verfügung stehen möchten?
LNS
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