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Politik

Organspende: Appell an Entscheidungs­bereitschaft der Deutschen

Donnerstag, 27. Mai 2021

Jens Spahn (CDU), Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter, äußert sich im Bundesministerium für Gesundheit zum Tag der Organspende am 5. Juni und zeigt seinen Organspendeausweis. /picture alliance, Bernd von Jutrczenka

Berlin – Anlässlich des Tages der Organspende haben Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) und Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), heute noch­mals an alle Menschen in Deutschland appelliert, eine eigene, selbstbestimmte Entscheidung für oder gegen eine Organspende zu treffen.

„Ob man Organe spenden würde oder nicht – das ist eine sehr persönliche Entscheidung. Aber eine Ent­scheidung, die Leben retten kann“, betonte Spahn. Darum sollte sich jeder diese Frage stellen und den eigenen Willen dokumentieren, schriftlich im Organspendeausweis oder künftig im Online-Register. „9.000 Menschen in Deutschland warten auf ein Spenderorgan. Sie haben verdient, dass wir uns ent­schei­den", so der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter.

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Mit zahlreichen Aktionen wird deshalb trotz der Pandemie auch in diesem Jahr der bundesweite „Tag der Organspende“ am 5. Juni von vielen Patientenverbänden, Institutionen und Organisationen begangen – zum zweiten Mal ausschließlich virtuell. Der Tag steht diesmal unter dem Motto „Entscheide Dich“, mit dem alle Veranstaltungspartner ein Zeichen für die Wichtigkeit der Entscheidung setzen wollen.

Als positiv bewertete Spahn, dass anders als in anderen Ländern die Organspendezahlen in Deutschland während der Pandemie stabil geblieben sind. „Das ist nicht selbstverständlich“, sagte er. „Ich bin dank­bar, dass trotz der Pandemie in den Kliniken die Aufmerksamkeit für die Organspende geblieben ist.“ Im letz­ten Jahr habe jeder der 913 Spender durchschnittlich mehr als drei schwerkranken Patienten die Chance auf ein neues Leben ermöglicht.

Situation nicht zufriedenstellend

„Die Situation kann uns aber nicht zufriedenstellen“, erklärte Spahn weiter. Ziel sei, die Organspende­zah­len zu steigern. „Da ist noch viel Luft nach oben“, meinte auch Rahmel. Die Pandemie sei nicht die „idea­le Voraussetzung“ zur die Umsetzung des neuen Strukturgesetzes bei der Organspende gewesen, aber es gebe gute Ansätze. So seien im Vergleich zum Vorjahr die organspendebezogenen Kontakte leicht ge­stiegen.

„In 1.080 Fällen nahmen die Kliniken unsere Unterstützung als Koordinierungsstelle für die Organ­spen­de in Anspruch, die von der allgemeinen Beratung bis zur eigentlichen Organspende reicht“, berichtete der DSO-Vorstand. Dies zeige, dass das Denken an die Organspende in den Krankenhäusern immer mehr zur gelebten Normalität werde. Es sei ein in wichtiger Schritt in die richtige Richtung, die vom am 1. April 2019 in Kraft getretenen „Gesetz zur Verbesserung der Strukturen und der Zusammenar­beit bei der Organspende“ eingeschlagen wurde.

Das Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende, das zum März nächsten Jahres in Kraft tritt, soll die Bürger zusätzlich dabei unterstützen, eine Entscheidung zu treffen. Die Ent­scheidung für oder gegen eine Organspende bleibt danach jedoch weiterhin freiwillig.

Ein Vorstoß von Spahn zur Einführung der Widerspruchslösung, mit der jeder als Spender gelten sollte, sofern er nicht widerspricht, scheiterte. „Wir müssen nun die Entwicklungen abwarten und diesem Ge­setz die Chance geben zu wirken“, sagte Spahn. Beispielsweise würden künftig die Ausweisstellen von Bund und Ländern Aufklärungsmaterial und Organspendeausweise aushändigen und bei elektronischer Antragsstellung elektronisch übermitteln.

Hausärzte sollen bei Bedarf ihre Patienten alle zwei Jahre ergebnisoffen zur Organspende beraten. Zusätzlich wird ein bundesweites Online-Register eingerichtet, in dem die persönliche Entscheidung zur Organspende selbstständig dokumentiert werden kann.

Am Tag der Organspende wolle man aber nicht nur zur Entscheidung aufrufen, sondern auch allen Or­gan­spendern und ihren Familien für dieses großartige Geschenk danken, sagte Bettina Lange, Vorsitz­ende der Selbsthilfegruppe „Niere“ Potsdam, die selbst seit mehr als zwölf Jahren mit einer Spender­niere lebt und weiß, wie belastend die Wartezeit auf eine Transplantation für viele Patienten ist.

Der Tag der Organspende sei ein wichtiger Tag im Jahreskalender der Selbsthilfegruppen, Patientenver­eine und der überregionalen Verbände wie dem Bundesverband Niere, Lebertransplantierte Deutschland, dem Bundesverband Organtransplantierte und zahlreichen anderen Organi­sationen.

„In Deutschland sind allein 90.000 Menschen auf die Dialyse angewiesen, aber nur rund 7.000 davon befinden sich auf der Warteliste für ein Spenderorgan“, so Lange weiter. Zum Teil ließen sich einige gar nicht mehr auf die Warteliste setzen, da sie wegen der langen Wartezeit keine Hoffnung haben, über­haupt eine postmortale Organspende zu erhalten. Die Auseinandersetzung mit der Organspende müsse deshalb zu einer Selbstverständlichkeit werden. „Organspende ist lebenswichtig und keiner sollte ver­gessen: Es kann jeden treffen“, so Lange.

Am 5. Juni werden zahlreiche Live-Sendungen, Direktschaltungen und Videos auf tagderorganspende.de das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln aufgreifen. Begleitet werden sie von virtuellen Kampagnen, wie die Aktion „Geschenkte Lebensjahre“, deren Schirmherrschaft erneut der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter übernommen hat. In den sozialen Netzwerken wird die Challenge #EntscheideDich die persönliche Entscheidung des Einzelnen aufgreifen. © ER/aerzteblatt.de

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