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Medizin

Kardiologie: Forscher finden erstmals Bluttest zur Diagnose der Myokarditis

Mittwoch, 9. Juni 2021

/alexlmx, stock.adobe.com

Madrid – Eine microRNA, die offenbar von bestimmten T-Zellen beim entzündlichen Angriff auf Herz­muskelzellen freigesetzt wird, könnte zukünftig die häufig schwierige Unterscheidung zwischen einem Herzinfarkt und einer Myokarditis erleichtern.

Dies zeigt eine erste klinische Anwendung an mehreren Kohorten, deren Ergebnisse jetzt im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2003608) vorgestellt wurden.

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Eine akute Myokarditis hat häufig dieselben Symptome wie ein Herzinfarkt. Auch die klinischen Zeichen und Laborwerte sind ähnlich. Bei einer Schädigung von Herzmuskelzellen sind unabhängig von der Ursache der Troponinwert und andere kardiale Enzyme erhöht, bei denen es sich ja um Bestandteile von untergegangenen Herzmuskelzellen handelt, die über den Blutkreislauf abtransportiert werden. Dies hat zur Folge, dass bei vielen Patienten eine Koronarangiografie durchgeführt wird.

In etwa 10 bis 20 % werden keine Verschlüsse oder Stenosen gefunden. Die Diagnose lautet dann MINOCA („myocardial infarction with nonobstructive coronary arteries“). Mit der Magnetresonanz­tomografie kann die Diagnose einer Myokarditis zwar bestätigt werden. Diese Untersuchung ist jedoch nicht überall vorhanden und in der Akutsituation wird sie in der Regel nicht durchgeführt.

Unterschiede zwischen beiden Erkrankungen bestehen in der Reaktion des Immunsystems. Bei der Myo­karditis sind die Abwehrzellen der Angreifer. Beim Herzinfarkt kommt es eher zu einer entzündlichen Folgereaktion auf die Zerstörung.

Dies hat ein Team um Pilar Martín um Centro Nacional de Investigaciones Cardiovasculares in Madrid bewegt, zunächst bei Mäusen nach Unterschieden in der Immunreaktion zwischen beiden Krankheiten zu suchen. Bei den Tieren wurde 1 Mal durch Injektion eines starken Antigens eine Autoimmunreaktion ausgelöst. In der Vergleichsgruppe wurde eine Koronararterie abgebunden.

Wie erwartet kam es beim künstlich erzeugten Herzinfarkt sofort zu einer Funktionsstörung des Herzens, während die Autoimmunreaktion etwa 3 Wochen bis zum Angriff auf die Herzzellen benötigte. Zum Zeit­punkt der Erkrankung bestanden zunächst jedoch keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.

Erst die genaue Untersuchung der Th17-Zellen führte dann zur Entdeckung eines Biomarkers, mit dem bei den Tieren klar zwischen beiden Erkrankungen unterschieden werden konnte. Es handelt sich um die microRNA miR-721. Sie wird von Th17-Zellen beim autoimmunen Angriff auf die Herzmuskelzellen produ­ziert (laut den Forschern erkennen sie bestimmte Antigene auf Proteinen wie Alpha-Myosin).

Im nächsten Schritt haben die Forscher mit einer Genomanalyse nach einer ähnlichen microRNA beim Menschen gesucht. Sie stießen dabei auf verschiedene Sequenzen. Diese wurden dann in Kohorten auf ihre Eignung für die Differenzialdiagnose von Myokarditis und Myokardinfarkt hin untersucht.

Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend. Das humane Homolog mit der Bezeichnung hsa-miR-Chr8:96 konnte klar zwischen beiden Erkrankungen unterscheiden. In der ROC-Analyse („receiver operating characteristic“), die Sensitivität und Spezifität kombiniert, wurde ein AUC-Wert („area under the curve“) von 0,927 erreicht (95-%-Konfidenzintervall 0,879 bis 0,975).

Wenn Alter, Geschlecht, Troponin und linksventrikuläre Ejektionsfraktion hinzugenommen wurden stieg der AUC-Wert sogar auf 0,951 (0,904 bis 0,997). Das ist nicht weit vom Idealwert von 1,0 entfernt, bei dem Sensitivität und Spezifität 100 % betragen und eine sichere Diagnose möglich wäre.

Die spanischen Mediziner planen jetzt weitere Studien, in denen sie den klinischen Wert hsa-miR-Chr8:96 bei der Diagnose und zur Verlaufskontrolle der Myokarditis untersuchen wollen. © rme/aerzteblatt.de

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