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Politik

Bund fördert Erforschung von COVID-­Spätsymptomen mit 5 Millionen Euro

Montag, 31. Mai 2021

/Mara Ohlsson, stock.adobe.com

Berlin – Der Bund will die Erforschung des Long-COVID-Syndroms vorantreiben und fördert Forschungs­vorhaben zu Spätsymptomen von COVID-19 mit rund 5 Millionen Euro. Dies gab Bundesforschungs­ministerin Anja Karliczek (CDU) heute in Berlin bekannt. „Mittlerweile haben 3,5 Millionen Menschen in Deutschland eine Infektion mit SARS-CoV-2 überstanden und schätzungsweise kämpft jeder 10. mit Spätfolgen von COVID-19“, berichtete sie. Für Deutschland bedeute dies, dass mindestens 350.000 davon Menschen betroffen seien.

Das Tückische an Long-COVID sei, so die Ministerin weiter, dass die Beschwerden unabhängig vom Krankheitsverlauf aufträten. So würden Ärzte und Ärztinnen von Fällen berichten, in denen der Patient oder die Patientin überhaupt nicht bemerkt hätten, dass sie mit COVID-19 infiziert gewesen seien. „Und plötzlich klagen die Betroffenen dann über wiederkehrende Kopfschmerzen, Mattigkeit und können nicht mehr zur Arbeit gehen“, so Karliczek. Dies sei auch für Ärztinnen und Ärzte eine schwierige Situation, hier auch sogleich die richtige Diagnose zu stellen.

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Im Netzwerk Universitätsmedizin, das vom BMBF gefördert wird, beschäftigt sich schon jetzt das Kohortenprojekt NAPKON mit den Spätfolgen von COVID-19. Eine erste Zwischenauswertung zeige, dass „nach 6 bis 9 Monaten zweistellige Prozentsätze an ehemals Infizierten an schweren Symptomen leiden, die nicht COVID-Folgen sind, aber irgendwie damit zu tun haben“, berichtete Stefan Schreiber, Direktor der Klinik für Innere Medizin I und des Instituts für Klinische Molekularbiologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

„Die Betroffenen sind so schwer krank, dass sie teilweise nicht mehr arbeiten können, und das nicht selten. Und selbst wenn sie noch arbeiten, dann arbeiten sie nicht effektiv und die Lebensqualität ist deutlich eingeschränkt“, ergänzte er.

Eine klare Definition fehlt noch

Eine klare Definition für Long-COVID gibt es bislang nicht. „Die Symptome von Long-COVID sind sehr individuell und sehr unterschiedlich“, sagte Karliczek. Häufig auftretende Symptome seien Kopfschmer­zen, Erschöpfung, Atemnot und Konzentrationsschwierigkeiten. Insgesamt sind mittlerweile 50 Symp­tome im Zusammenhang mit Long-COVID bei Patienten aufgetreten.

Das neue Förderprogramm habe man nun ins Leben gerufen, um herauszufinden, welche Ursachen die Long-COVID-Erkrankung habe und wie betroffene Patientinnen und Patienten künftig besser therapiert werden könnten, so die Ministerin. Insbesondere sollen Projekte gefördert werden, die auf bestehenden Forschungsarbeiten aufbauen und sie ergänzen. Zudem sollen die Ergebnisse der Projekte Aufschluss darüber geben, wo weitere Forschungsbedarfe im Zusammenhang mit Long-COVID liegen.

Post-COVID-Syndrom ist ein eigenständiges Krankheitsbild

Schreiber betonte derweil, dass er es vorziehe, von einem Post-COVID-Syndrom zu sprechen, da es sich „nicht nur um eine Verlängerung von COVID handele, sondern um ein eigenständiges Krankheitsbild, dass sich nach einer COVID-Erkrankung entwickelt“.

„Vielleicht werden wir eines Tages sogar sehen, dass ein schwerer Virusinfekt wie COVID-19 hinterher auch auf unseren normalen Alterungsprozess und diese ganzen schicksalsgegebenen Funktionsverluste Einfluss nehmen kann“, sagte er. Darum sei die Forschung so wichtig, zum einen für die Betroffenen jetzt und zum anderen für das generelle Verständnis von Viruserkrankungen.

Durch Coronalangzeitfolgen könnte sich die Zahl der Patienten mit chronischer Erschöpfung nach Einschätzung des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach verdoppeln. Es gebe zahlreiche Formen von Long-COVID, sagte Lauterbach dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/ heutige Ausgaben). Besonders schwerwiegend sei das Chronic Fatigue-Syndrom (CFS), das sich durch Schmerzen, Schwäche, extreme Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten äußere. Auch die Arbeitswelt werde dieses Krankheitsbild zu spüren bekommen.

„Es handelt sich um eine völlig unnormale physische und psychische Erschöpfung schon nach kleinsten körperlichen Anstrengungen“, sagte Lauterbach. Menschen, die darunter litten, könnten oft nur wenige Stunden am Tag funktionieren. „Gleich, wie viel man schläft – die oft quälende totale Erschöpfung geht nicht weg.“ Betroffene seien so verzweifelt, dass oft sogar Suizidgefahr bestehe, gab er zu bedenken.

„Wir brauchen eine Langzeitbeobachtung und gute Versorgungskonzepte für diese Patienten und Prognosen für die Volkswirtschaft“, forderte der SPD-Politiker. Vor Corona habe die Zahl der CFS-Kranken bei 250.000 gelegen. „Mit der Pandemie könnte sich diese Zahl verdoppeln.“

Mitunter blieben die Beschwerden viele Jahre bestehen. „Die Betroffenen werden womöglich lange nicht so leistungsfähig wie früher sein, sie werden mehrfach im Jahr ausfallen. Manche werden ganz ausscheiden.“ © nec/dpa/aerzteblatt.de

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