NewsMedizinCOVID-19: Kardio-MRT findet Myokarditis bei asymptomatischen Sportlern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

COVID-19: Kardio-MRT findet Myokarditis bei asymptomatischen Sportlern

Montag, 31. Mai 2021

/Tyler Olson, stock.adobe.com

Columbus/Ohio – Bei einer obligatorischen Reihenuntersuchung von Sportlern an US-Universitäten wurden im Kardio-MRT etliche Fälle einer Myokarditis gefunden, die in den meisten Fällen asymptoma­tisch war.

Die in JAMA Cardiology (2021; DOI: 10.1001/jamacardio.2021.2065) veröffentlichten Ergebnisse werfen Fragen zu langfristigen Folgen von Coronaerkrankungen für das Herz auf.

Anzeige

Nachdem es im letzten Jahr zu mehreren Berichten über kardiale Komplikationen von COVID-19 bei Leistungssportlern gekommen war, hat die sogenannte „Big Ten Conference“, der vor allem staatliche Universitäten im Nordosten der USA angehören, im September beschlossen, alle positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Elitewettkämpfer auf kardiale Schäden hin zu untersuchen.

Hintergrund ist die Sorge vor plötzlichen Todesfällen, die bei den durchtrainierten Sportlern zwar selten sind (Häufigkeit: 1 auf 50.000 pro Jahr), die jedoch stets für Aufsehen sorgen, vor allem, wenn sie wäh­rend eines Wettkampfes auftreten.

Die 13 Universitäten richteten ein „Big Ten COVID-19 Cardiac Registry“ ein, das bisher die Daten von 2.461 Athleten gesammelt hat. Bei 1.597 Wettkampfsportlern wurde nicht nur der Troponinwert bestimmt, ein EKG abgeleitet und eine Echokardiografie durchgeführt. Die Teilnehmer wurden auch zur kardialen Magnetresonanztomografie (Kardio-MRT) geschickt, in der sich entzündliche Läsionen des Herzmuskels gut darstellen lassen.

Bei 37 Athleten (2,3 %) stellten die Radiologen die Diagnose einer Myokarditis. Allerdings waren nur 9 Athleten zum Zeitpunkt der Untersuchung symptomatisch: 8 litten an Brustschmerzen, 3 an Luftnot und/oder 3 an Palpitationen. Von den 28 asymptomatischen Patienten wiesen 8 auch Verände­rungen in EKG, Echokardiografie oder erhöhte Troponinwerte auf. Die übrigen 20 Sportler hatten nur im kardialen MRT Zeichen einer Myokarditis.

Obwohl sie völlig beschwerdefrei waren, befürchten Curt Daniel von der Ohio State University in Columbus und Mitarbeiter, dass die Sportler gefährdet sein könnten. Bei einer Schädigung des Reizlei­tungssystems könne es zu tödlichen Herzrhythmusstörungen kommen, schreiben sie. Eine Myokarditis sei ein signifikanter Risikofaktor für einen plötzlichen Herztod, vor allem im jungen Alter.

Die Sportler wurden deshalb angewiesen, für 3 Monate zu pausieren. Erst wenn bei einer Folgeunter­suchung keine Hinweise auf eine Myokarditis mehr gefunden werden, dürfen sie ihren Wettkampfsport wieder aufnehmen. Nach Angabe der Mitautorin Saurabh Rajpal hat sich inzwischen ergeben, dass die Myokarditis bei einigen Sportlern nach 4 Wochen abgeklungen ist. Bei anderen seien jedoch narbige Veränderungen am Herzmuskel entdeckt worden, die die Wiederaufnahme der sportlichen Tätigkeit und auch die langfristige Gesundheit der jungen Menschen infrage stellen.

Die Studie ist nicht die erste, in der bei Sportlern im Anschluss an eine Infektion mit SARS-CoV-2 eine Myokarditis diagnostiziert wurde. James Udelson vom Tufts Medical Center in Boston listet in einem Editorial einschließlich der aktuellen Publikation 9 Studien mit 6.673 Teilnehmern auf, deren Herzfunk­tion nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 untersucht wurde.

Bei 2.214 Sportlern war ein Kardio-MRT durchgeführt worden, bei dem in 63 Fällen (2,8 %) Hinweise auf eine Myokarditis gefunden wurden. Bei wie vielen Patienten die Erkrankung folgenlos ausheilt und wie viele von einem plötzlichen Herztod bedroht sind, wird sich erst in Zukunft zeigen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #55321
jc.ulshoefer
am Montag, 31. Mai 2021, 21:29

BNT/Pfizer

Das Risiko durch den Impfstoff wird dadurch wieder etwas relativer..
Avatar #707660
PatrickR
am Montag, 31. Mai 2021, 19:50

Eine sehr sinnvolle Studie

Eine Myokarditis verläuft meistens und glücklicherweise asymptomatisch. Um eine echte Ausssage treffen zu können müssen regelmäßige Studien bei möglichst vielen viralen Infekten und dem Myokarditisauftreten erfolgen. Erst dann kann man eine wirkliche Aussage treffen ob es durch Covid-19 eine erhöhtes Risiko gibt. Die Studie reicht natürlich für die These und weiterführende Untersuchungen, eine abschliesende Aussage ist so aber noch nicht möglich.
LNS
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER