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Coronaumfrage der EU: Deutsche trotz wenig Angst vor Einbußen besonders unzufrieden

Donnerstag, 3. Juni 2021

/picture alliance, Rupert Oberhäuser

Berlin – Ein knappes Drittel der Europäer hat in der Coronapandemie Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. Das geht aus dem heute veröffentlichten Euro-Barometer hervor - einer vom Europäischen Parlament in Auftrag gegebenen Umfrage unter allen EU-Mitgliedern. Dennoch wünscht sich fast jeder zweite EU-Bürger stärkeres Engagement im Bereich Public Health, deutlich vor der Bekämpfung von Armut, Hilfen für die Wirtschaft und Maßnahmen gegen den Klimawandel.

Deutschland zählt zu Ländern, in denen eine Mehrheit keine finanziellen Schäden durch Corona fürchtet. Zugleich beschreiben sich im europäischen Vergleich besonders viele Deutsche als frustriert und unzufrieden mit den Pandemiemaßnahmen der EU, wie die Umfrage zeigt.

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Auch bei den Themen, die die EU aus Sicht der befragten stärker angehen sollte, scheren die Deutschen aus. Während die Mehrheit der Mitglieder die öffentliche Gesundheit als wichtigsten Punkt auf der Agenda sehen, liegt in der Bundesrepublik das Thema Klimawandel auf Platz eins.

Klimawandel in finanziell weniger betroffenen Ländern am wichtigsten

Auffällig: Besonders bei den Ländern, in denen die Bürger wenig persönliche finanzielle Verluste fürchten, werden Maßnahmen gegen den Klimawandel als besonders wichtig wahrgenommen – etwa auch in den Niederlanden, Schweden und Dänemark.

In den Ländern, in denen die Bürger nach eigenen Angaben bereits stark durch die Pandemie geschädigt wurden, stehen die Themen Wirtschaftshilfen und die Schaffung neuer Jobs an vorderster Stelle. Die stärkste Zustimmung kam hier aus Griechenland, Portugal und Lettland. Aber auch die Österreicher, die nach eigenen Angaben weniger stark persönlich finanziell betroffen sind, wünschen sich vor allem mehr Einsatz für die Wirtschaft.

Immerhin 56 Prozent der Deutschen gaben an, dass die Pandemie keinen Einfluss auf ihr persönliches Einkommen haben wird. Im EU-Durchschnitt glaubten das nur 42 Prozent der Befragten. Besonders optimistisch waren in dieser Frage die Dänen, 76 Prozent fürchten keine Einbuße. Auch die Bürger der Niederlande, Schweden und Finnland liegen hier weit über Durchschnitt. Die Hälfte der befragten Griechen erklärte hingegen, bereits persönlich finanziell durch die Pandemie getroffen worden zu sein, ebenso wie 48 Prozent der Bulgaren und 45 Prozent der Italiener.

43 Prozent der Deutschen frustriert

In den meisten der 27 Mitgliedsländer beschrieben die Befragten ihre Gefühlslage mit dem Wort Unsicherheit. Sechs Länder nannten vorwiegend Hoffnung, die meisten in Estland, Dänemark und den Niederlanden. In Deutschland war das meist gewählte Wort mit 43 Prozent „Frustration“.

Im Gesamtvergleich aller Mitglieder sind Deutschland und Frankreich den Angaben zufolge am unzufriedensten mit den Maßnahmen, die von der EU in der Pandemie ergriffen wurden. 63 Prozent der befragten Deutschen gaben an gar nicht oder nicht zufrieden zu sein und damit merklich mehr als der EU-Schnitt von 50 Prozent.

Gleichzeitig erklärten in Deutschland die meisten Befragten, dass die Stimme ihres Landes in der EU zählt. 42 Prozent stimmten dem sehr zu. Kein anderes Land war davon vergleichbar überzeugt, auf Platz zwei folgen die Niederlande mit 27 Prozent in diesem Punkt, der EU-Durchschnitt liegt bei 19 Prozent. Am schwächsten repräsentiert fühlt sich den Angaben zufolge Zypern.

Insgesamt beurteilen die Deutschen die EU eher positiv, die jeder zweite gab an ein positives oder sehr positives Bild zu haben. Den schlechtesten Eindruck des Staatenverbundes haben der Umfrage nach die Österreicher. 27 Prozent gaben an ein eher oder sogar sehr negatives Bild von der EU zu haben.

Eine deutliche Mehrheit der EU-Bürger wünscht sich der Umfrage zufolge, dass die EU langfristig mehr Kompetenzen im Bereich Gesundheit erhält. Auch in Deutschland stimmten dem 65 Prozent eher oder voll zu.

Das Eurobarometer wird bereits seit 1973 regelmäßig von der Europäischen Kommission in Auftrag gegeben. Dabei werden stets Standardfragen zur EU sowie wechselnde Fragen zu aktuellen Themen gestellt. Seit 2007 veröffentlicht das EU-Parlament ein eigenes Eurobarometer. In diesem Jahr wurden die Europäer schwerpunktmäßig zur Bewältigung der Coronakrise durch die EU befragt.

Zwischen März und April beantworteten knapp 27.000 Menschen über 15 Jahren in den 27 Mitgliedsstaaten die Fragen. Die Antworten aus den Ländern wurden nach Bevölkerungsgröße gewichtet, wodurch bevölkerungsstarke Ländern wie Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien den EU-Durchschnitt wesentlich beeinflussen. © alir/aerzteblatt.de

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