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Medizin

Studie: Sport am Abend senkt nächtlichen Blutzucker

Donnerstag, 3. Juni 2021

/picture alliance, Oliver Berg

Melbourne – Übergewichtige Männer mit einem erhöhten Diabetesrisiko konnten in einer randomi­sierten Studie ihre nächtlichen Blutzuckerwerte senken, wenn sie die verordneten Sportübungen in den Abendstunden statt am Morgen absolvierten. Die Auswirkungen einer fettreichen Diät wurden laut der Publikation in Diabetologia (2021; DOI: 10.1007/s00125-021-05477-5) durch die abendliche Aktivität ebenfalls besser abgemildert.

Der Tag-Nacht-Rhythmus regelt nicht nur die Schlafzeiten, sondern eine Vielzahl von Körperfunktionen. Dazu gehört auch der Energiestoffwechsel, der nach den Mahlzeiten die zugeführten Nährstoffe auf die Zellen verteilt. Tierexperimentelle Studien haben gezeigt, dass der Tag-Nacht-Rhythmus durch sport­liche Aktivitäten beeinflusst werden kann.

Forscher des Mary MacKillop Institute for Health Research an der Australian Catholic University in Melbourne haben die Auswirkungen an einer Gruppe von 25 jungen Männern im Alter von 30 bis 45 Jahren untersucht, die mit einem Body-Mass-Index von 27 bis 35 übergewichtig oder adipös waren und einer sitzenden Tätigkeit nachgingen.

Die Probanden erhielten über 10 Tage eine fettreiche Diät mit einem Fettanteil von 65 %. Die Kohlen­hydrate wurden auf 15 % reduziert, die übrigen 20 % bestanden aus Proteinen. Die Teilnehmer erhielten ihre Nahrung gestellt, die sie um 7:30, 13:00 und 19:30 Uhr zu sich nehmen sollten.

Ab dem 6. Tag wurden die Probanden auf 3 Gruppen randomisiert. Die ersten beiden Gruppen führten täglich ein Ausdauertraining durch. Es bestand an 2 Tagen aus einem Ergometertraining bei 60 bis 65 % der maximalen Leistung. An den 3 anderen Tagen wurde ein hochintensives Intervalltraining durchge­führt, bei dem die Teilnehmer 10 Mal an ihre Leistungsgrenzen gingen und sich dazwischen bei einem leichteren Radeln erholten. Eine der beiden Gruppen absolvierte das Training am frühen Morgen um 6:30 Uhr, die anderen am Abend um 18:30 Uhr. Die 3. Gruppe führte kein Training durch.

Das Team um John Hawley hat den Stoffwechsel nach 5 Tagen fettreicher Ernährung (Tag 5) und am Ende des Sportprogramms (Tag 11) untersucht. Neben den üblichen Laborwerten wurden auch ausführ­liche Metabolomtests zum Stoffwechsel durchgeführt.

Am Tag 5 waren in allen Gruppen die Belastungen des Stoffwechsels durch die fettreiche Ernährung erkennbar. Dies zeigte sich weniger in einem leichtem Anstieg des LDL-Cholesterins als bei den Meta­boliten. Von 792 untersuchten Substanzen waren 303 in den morgendlichen Blutproben und 316 in den abendlichen Blutproben verändert. Die Auswirkungen der Diät betrafen vor allem den Fett- und den Aminosäurestoffwechsel, die Zufuhr von Kohlenhydraten war ja gesenkt worden.

Nach dem 5-tätigen Training unter fortgesetzter fettreicher Diät verbesserten sich die Stoffwechselpara­meter – allerdings nur in der Gruppe, die am Abend trainiert hatte. Hier kam es jetzt nicht nur zu einer Verbesserung im Fett- und Aminosäurestoffwechsel mit niedrigeren Cholesterin und Triglyzeriden.

Auch der Nüchternblutzucker verbesserte sich. Besonders günstig war nach Einschätzung von Hawley der Einfluss auf die nächtlichen Glukosewerte. Hier kommt es bei Prädiabetikern und Diabetikern häufig zu Blutzuckerspitzen, die durch das abendliche Training gemildert werden konnten. Die Forscher raten Diabetikern deshalb, ihre sportliche Aktivität auf die Abendstunden zu verlegen. © rme/aerzteblatt.de

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