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Medizin

Längeres EKG-Monitoring nach Schlaganfall sinnvoll

Dienstag, 8. Juni 2021

/Rade Lukovic, stockadobecom

Berlin/Würzburg – Ein verlängertes Elektrokardiogramm-(EKG-)Monitoring bei stationär behandelten Schlaganfallpatienten kann sinnvoll sein, um ein intermittierendes Vorhofflimmern (VHF) aufzudecken.

Das berichten Wissenschaftler des Centrums für Schlaganfallforschung Berlin unter Beteiligung des Instituts für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Julius-Maximilian-Universität Würzburg im Fachmagazin Lancet Neurology (DOI: 10.1016/S1474-4422(21)00067-3).

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VHF ist bekanntlich ein bedeutsamer Schlaganfallrisikofaktor. Patienten mit einem Schlaganfall ohne bis dato bekanntes VHF erhalten daher stationär auch mindestens ein 24-Stunden-Langzeit-EKG. Leitlinien empfehlen nunmehr eine EKG-Aufzeichnung über 72 Stunden, um ein intermittierendes VHF zu ent­decken und die Betroffenen leitliniengerecht zu behandeln.

Viele Betroffene haben allerdings initial keine VHF-spezifischen Symptome, sondern nur ein sogenan­ntes intermittierend bestehendes VHF – dies kann der Standarddiagnostik entgehen.

Die „MonDAFIS-Studie“ („The Impact of MONitoring for Detection of Atrial Fibrillation in Ischemic Stroke“) untersuchte daher den Einfluss eines EKG-Monitorings über bis zu 7 Tage auf die Rate der oralen Antikoagulation nach 12 Monaten. Außerdem erfassten die Forscher die Rate an stationär neu diagnosti­zier­tem VHF. Ein weiterer sekundärer Endpunkt war die Summe aus Schlaganfallrezidiven, Myokard­infark­te, schweren Blutungen und Gesamtmortalität nach 24 Monaten.

Zwischen Dezember 2014 und September 2017 wurden insgesamt 3.465 Schlaganfallpatienten in 38 zertifizierten deutschen Stroke Units in die Studie eingeschlossen und randomisiert. 1.730 Patienten erhielten die stationäre Standarddiagnostik, 1.735 wurden in den Interventionsarm randomisiert und erhielten zusätzlich ein EKG-Monitoring über bis zu 7 Tage. Nach 12 Monaten zeigte sich, dass 13,7 % der Patienten in der Interventionsgruppe und 11,8 % der Patienten in der Kontrollgruppe eine orale Antikoagulation erhielten, dieser Unterschied zwischen den Gruppen war jedoch nicht signifikant (p=0,134).

Die Rate der Patienten, bei denen stationär ein VHF diagnostiziert wurde, war jedoch in der Interven­tions­gruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe (5,8 % vs. 4,0 %, p=0,024). Die anderen sekundä­ren Endpunkte unterschieden sich nicht signifikant.

Wolf-Rüdiger Schäbitz, Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), sieht in den Studiendaten ein Qualitätsmerkmal der Schlaganfallversorgung in Deutschland. „Die Tatsache, dass es auch in der Kontrollgruppe nicht zur Untertherapie kam und Rezidivereignisse zwischen den Gruppen nicht unterschiedlich waren, demonstriert die hohe Versorgungsqualität auf unseren Stroke-Units“, sagte er.

Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft Neurologie (DGN), folgert aus der Studie, das EKG-Monitoring zumindest bei älteren Schlaganfallpatienten über 65 Jahre bis zur statio­nären Entlassung fortzuführen.

„Die Intervention führt bei Risikopatienten zu einer höheren Diagnoserate von VHF – und ist darüber hinaus relativ kostengünstig“, betonte er. © hil/aerzteblatt.de

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