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Medizin

COVID-19: Mehr Depressionen bei Jugendlichen, aber weniger Drogen

Montag, 7. Juni 2021

/New Africa, stock.adobe.com

Reykjavik – Die soziale Isolation, in die Jugendliche durch die Maßnahmen gegen SARS-CoV-2 geraten sind, hat mentale Spuren hinterlassen. Eine Umfrage unter isländischen Teenagern in Lancet Psychiatry (2021; DOI: 10.1016/S2215-0366(21)00156-5) zeigt, dass depressive Symptome zugenommen haben – während der Substanzmissbrauch zurückgegangen ist.

Die isländische Regierung lässt regelmäßig den Gemütszustand der Teenager untersuchen. Anlass ist vor allem die Sorge um den Substanzmissbrauch, der in allen Ländern höherer geografischer Breiten ein Problem ist. Das „Icelandic Centre for Social Research and Analysis“ führt regelmäßig Umfragen an Schulen durch, zu der nicht nur eine Stichprobe, sondern alle 13- bis 18-jährigen Schüler eingeladen werden und in der überwiegenden Mehrheit auch teilnehmen.

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In den Jahren 2016 und 2018 wurden die Fragebögen noch von den Lehrern verteilt, im Jahr 2020 musste die Umfrage teilweise ins Internet verlegt werden, weil auch in Island die Schüler im Online­unterricht waren. Betroffen waren allerdings nur die höheren Klassen (16 bis 18 Jahre), während bei den jüngeren (13 bis 15 Jahre) am Präsenzunterricht festgehalten wurde.

Die von einem Team um Thorhildur Halldorsdottir von der Universität Reykjavik vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass sich die mentale Verfassung der Jugendlichen im CoronjJahr 2020 verschlechtert hat und zwar deutlich stärker, als dies vom Trend her zu erwarten gewesen wäre: Schon zwischen 2016 und 2018 war es nämlich zu einer Zunahme von depressiven Symptomen gekommen, die auch Jugendforscher in anderen Ländern beobachten.

Die depressiven Symptome, die mit der Symptomcheckliste (SCL-90) ermittelt wurden, nahmen vor allem in den höheren Altersgruppen zu, in denen die Jugendlichen offenbar besonders stark unter den Ein­schränkungen litten – die nicht nur auf die schulischen Kontakte beschränkt waren, auch Treffen im Freundeskreis („peer group“) außerhalb der Schule waren nicht mehr möglich.

Bei den Mädchen war nach den von Halldorsdottir vorgestellten Daten die Zunahme der depressiven Symptome am stärksten. Bei den Jungen war sie schwächer ausgeprägt und in den unteren Jahrgängen war keine Zunahme festzustellen. In beiden Geschlechtern und bei Jungen auch in den unteren Jahr­gängen ist es jedoch zu einem Rückgang der mentalen Gesundheit gekommen, die mit der „Short Warwick Edinburgh Mental Wellbeing Scale“ erfasst wurde.

Gegenteilig war der Trend beim Substanzmissbrauch. Der Anteil der Teenager, die rauchen oder E-Zigaretten konsumieren, ist in Island 2020 gegenüber den beiden Voruntersuchungen deutlich zurück­gegangen. Beim Rauchen konnte ein Trend der letzten Jahre verstärkt werden, bei den E-Zigaretten wurde eine Zunahme in den letzten Jahren umgekehrt. Alkoholintoxikationen haben ebenfalls deutlich abgenommen. © rme/aerzteblatt.de

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