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Klimawandel: Studie zeigt mehr hitzebedingte Hospitalisierungen bei Älteren

Dienstag, 8. Juni 2021

/vladischern, stock.adobe.com

Berlin – Unter den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels, insbesondere zunehmenden Hitze­perioden, leiden in Deutschland vor allem die älteren Menschen. Sie müssen wegen der steigenden Hitzebelastung merklich häufiger ins Krankenhaus. Das zeigt der aktuelle Versorgungsreport „Klima und Gesundheit“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO).

Im Auftrag des WidO untersuchte das Klimaforschungsinstitut Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC), wie viele Krankenhauseinweisungen in den Jahren 2008 bis 2018 auf Hitze zurückzuführen waren. Ergebnis: An Hitzetagen mit über 30 Grad Celsius kam es hitzebedingt zu drei Prozent mehr Krankenhauseinweisungen in dieser Altersgruppe. Das sind 40 weitere Klinikein­weisungen je Million Älterer – zusätzlich zum normalen Tagesschnitt von 1.350.

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Die Studie zeigt zudem, dass ein Viertel der rund 18 Millionen Menschen im Alter 65 plus überdurch­schnittlich hitzevulnerabel sind. Bei diesen am stärksten Gefährdeten gibt es bis zu 550 weitere Klinikeinweisungen je Million. „Dies verdeutlicht, dass hitzebedingte Gesundheitsgefahren stark ungleich in der älteren Bevölkerung verteilt sind“, sagte Nicolas Koch, Leiter des Policy Evaluation Lab am MCC.

Als Risikofaktoren für eine erhöhte Hitzevulnerabilität bei Älteren stellten sich Koch zufolge das männliche Geschlecht und Vorerkrankungen wie Demenz, Niereninsuffizienz, Depressionen und andere psychische Erkrankungen, Diabetes mellitus sowie chronische Atemwegserkrankungen heraus.

Darüber hinaus ergab die Untersuchung, dass Hitzestress in Deutschland sehr ungleich verteilt ist: „Die am stärksten unter Hitze leidenden Menschen leben nicht zwangsläufig in den am stärksten durch Hitze geprägten Gebieten“, so Koch. Regional zeigen sich am Beispiel des Hitzejahres 2018 die Hotspots entlang zweier geografischer Bänder: eines zieht sich vom Weser-Ems-Gebiet zur Niederlausitz und ein zweites vom Rhein-Main-Gebiet nach Niederbayern.

Altersarmut mit mehr Hitzestress assoziiert

Wohngebiete, in denen besonders viele hitzegefährdete Menschen leben, zeichnen sich durch eine höhere Altersarmut, weniger Pflegepersonal bzw. einen geringeren Anteil professioneller Altenpflege, eine ländliche Lage und eine bislang geringere Betroffenheit von Hitze aus.

Auch einen Blick in die Zukunft wagt die Studie des MCC: Demnach könnte die Zahl der hitzebedingten Hospitalisierungen bis 2100 um das Sechsfache ansteigen, wenn keine weiteren Maßnahmen getroffen werden, um die Erderwärmung zu stoppen.

Die Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig es ist, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen. Außerdem müssen die Menschen besser über Risiken des Klimawandels informiert werden, um sich schützen zu können. Denn laut den Ergebnissen einer Befragung von 3.000 Menschen im September 2020 mangelt es an vielen Stellen noch an ausreichend Information.

Information über Gesundheitsgefahren reicht noch nicht aus

Bei Umweltereignissen wie Hitze oder Unwetter zeigte fast ein Drittel der Befragten (31 Prozent) klaren Informationsbedarf. Noch deutlicher zeigten sich Informationsdefizite aber bei Umweltereignissen, deren gesundheitliche Auswirkungen durch den Klimawandel verstärkt werden, wie erhöhte Belastung durch Luftverschmutzung, Pollenallergene oder durch Wasser und Lebensmittel übertragene Krankheits­erreger. 40 bis 50 Prozent der Befragten geben an, hier nicht ausreichend informiert zu sein.

„Erhöhte Schadstoffbelastungen in der Atemluft, UV-Strahlen- oder Pollenbelastungen werden seltener als besorgniserregend für die eigene Gesundheit wahrgenommen, obwohl sie aus umweltmedizinischer und epidemiologischer Sicht nicht weniger gesundheitsrelevant sind. Möglicherweise werden diese Gefährdungen weniger direkt erlebt“, sagte Christian Günster, Leiter des Bereichs Qualitäts- und Versorgungsforschung beim WIdO.

Bei der individuellen Anpassung des Verhaltens an die durch den Klimawandel beförderten Risikolagen Hitze, UV-Strahlung, Belastung durch Luftschadstoffe und Pollenflug zeigten sich deutliche Verbesse­rungspotenziale.

Schutzverhalten hängt von individueller Betroffenheit ab

Während die meisten Befragten ihr Trinkverhalten an heißen Tagen anpassen (87 Prozent), werden andere Schutzmaßnahmen vergleichsweise seltener umgesetzt. Ein gutes Sonnenschutzmittel zum UV-Schutz verwenden weniger als die Hälfte der Befragten (46 Prozent). Noch weniger Personen (32 Prozent) schützen sich mit hautbedeckender Kleidung. Nur 29 Prozent achten darauf, bei erhöhter Belastung der Atemluft, beispielsweise durch Feinstaub oder Ozon, körperliche Belastungen und Sport zu vermeiden. Das von Medizinern empfohlene Verhalten bei erhöhtem Pollenflug setzen nur zwischen 23 und 33 Prozent der Pollenallergiker um.

Außerdem werden die vorhandenen Informations- und Frühwarnsysteme zu Umweltbelastungen noch nicht intensiv genug genutzt. Dennoch sieht Günster diese Ergebnisse vor allem als Chance für Maßnahmen zur Prävention, Aufklärung und Information über die Gesundheitsrisiken der Hitze: „Da ist noch Luft nach oben.“ © nec/aerzteblatt.de

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