NewsMedizinRECOVERY-Studie: ASS bei hospitalisierten COVID-19-Patienten ohne Nutzen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

RECOVERY-Studie: ASS bei hospitalisierten COVID-19-Patienten ohne Nutzen

Dienstag, 8. Juni 2021

/Corona Borealis, stock.adobe.com

Oxford – Eine Behandlung mit Acetylsalicylsäure (ASS), die bei anderen Erkrankungen die Bildung von Thrombosen erfolgreich verhindern kann, hat in der britischen RECOVERY-Studie die Mortalität von hospitalisierten COVID-19-Patienten trotz des bei der Erkrankung erhöhten Thromboserisikos nicht senken können. Die Ergebnisse wurden jetzt in einer Pressemitteilung vorgestellt. Eine Publikation in einer Fachzeitschrift steht noch aus.

Die Behandlung mit ASS gehört zu den bisher 15 Behandlungsoptionen, die in der RECOVERY-Studie untersucht wurden, an der insgesamt mehr als 40.000 Patienten teilnehmen, die wegen eines schweren Verlaufs der Erkrankung ins Krankenhaus überwiesen wurden. Zwischen November 2020 und März 2021 wurde eine Gruppe von etwa 15.000 Patienten auf eine Behandlung mit ASS oder eine Routine-Therapie randomisiert.

Anzeige

Die Tagesdosis von ASS betrug 150 mg und lag damit in einem Bereich, der auch zur Sekundärprä­vention nach einem Herzinfarkt eingesetzt wird. ASS kann dort – zusammen mit anderen Medikamenten – das Risiko auf einen erneuten Herzinfarkt senken. Die Wirkung wird dabei auf die Hemmung der Thrombozytenaggregation zurückgeführt, die die Bildung von Thromben in den Koronararterien verhindern soll. Da es auch bei COVID-19 zu einer erhöhten Thromboseneigung kommt, erschien ein Einsatz plausibel.

Zumindest bei hospitalisierten Patienten haben sich die Erwartungen jedoch nicht erfüllt. Wie Peter Horby und Martin Landray von der Universität Oxford jetzt berichten, konnten die mit ASS behandelten Patienten zwar etwas früher aus der Klinik entlassen werden (nach median 8 Tagen gegenüber 9 Tagen in der Vergleichsgruppe).

Auch der Anteil der Patienten, der innerhalb von 28 Tagen lebend aus dem Krankenhaus entlassen wurde, war mit 75 % versus 74 % geringfügig höher. Die Rate Ratio von 1,06 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,02 bis 1,10 statistisch signifikant. Der Unterschied war jedoch gering und im primären Endpunkt der Studie, der 28-Tage-Mortalität, war kein Unterschied zu erkennen: In beiden Gruppen starben 17 % der Patienten (Rate Ratio 0,96; 0,89 bis 1,04). Dabei waren die Ergebnisse in allen vordefinierten Untergruppen konsistent.

Auch im Endpunkt „Übergang zu einer mechanischen Beatmung oder Tod“ gab es keine wirklichen Unterschiede. Er trat in der ASS-Gruppe bei 21 % und in der Kontrollgruppe bei 22 % der Patienten auf (Risk Ratio 0,96; 0,90 bis 1,03).

Laut Horby und Landray halten sich die Vor- und Nachteile einer ASS-Behandlung die Waage. Von 1.000 mit ASS behandelten Patienten erlitten etwa 6 ein schwerwiegendes Blutungsereignis, dem etwa 6 weniger thromboembolische Ereignisse gegenüberstanden.

Die Studienergebnisse schließen nicht aus, dass die Behandlung in anderen Patientengruppen eine Wirkung erzielt. In der internationalen REMAP-CAP-Studie wird die Wirkung von ASS derzeit an COVID-19-Patienten untersucht, die wegen einer schweren Erkrankung auf Intensivstation behandelt werden. Es ist dort eine von mittlerweile 30 untersuchten Therapieoptionen. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
Avatar #657470
Assistenzarzt Innere
am Mittwoch, 9. Juni 2021, 21:10

Details beachten

Es handelt sich laut Protokoll um schwer erkrankte, hospitalisierte Patienten, die ASS zusätzlich zur Standardbehandlung erhielten. Die Standardbehandlung dürfte in jedem Fall eine Thromboseprophylaxe, eventuell auch eine halbtherapeutische oder volltherapeutische Antikoagulation beinhalten.
Eine zusätzliche Behandlung mit ASS ist hier also ohne signifikanten Nutzen.

Interessanter scheint mir aber der Nutzen einer frühen, ambulanten Behandlung bei Patienten mit erhöhtem Risiko sein. Hier kann die Umsetzung einer Behandlung mit (rezeptpflichtigen) Thrombosespritzen logistisch erschwert sein. ASS böte hier eindeutig Vorteile.
Avatar #853898
Zhou
am Mittwoch, 9. Juni 2021, 12:59

Covid 19/ ASS

Die früheren Hinweise auf einen Nutzen von ASS bezogen sich ausdrücklich auf Patienten, die bereits vor der Covid-19-Manifestation unter ASS-Therapie standen.
LNS
VG Wort
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER