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Medizin

Studie: Ernährung beeinflusst Verlauf von COVID-19

Mittwoch, 9. Juni 2021

/Melinda Nagy, stock.adobe.com

New York – Ärzte und Pflegepersonal, die in einer Umfrage ihre Ernährung als pflanzenbasiert oder pescetarisch eingestuft hatten, erkrankten in einer Fall-Kontroll-Studie in BMJ Nutrition Prevention & Health (2021; DOI: 10.1136/bmjnph-2021-000272) seltener schwer an COVID-19. Eine kohlenhydrat­arme Kost erwies sich dagegen als ungünstig.

Adipositas, Typ-2-Diabetes, atherosklerotische Erkrankungen und eine Hypertonie gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren für einen schweren Verlauf von COVID-19. Alle diese Risikofaktoren sind auch Folge eines ungesunden Lebensstils, der durch Bewegungsmangel und Ernährungsfehler gekennzeich­net ist.

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Es liegt deshalb nahe, den Einfluss der Ernährung auf den Verlauf von COVID-19 zu untersuchen. Ein Team um Sara Seidelmann vom Vagelos College of Physicians and Surgeons der Columbia University in New York hat hierzu 2.884 Personen aus dem Gesundheitswesen befragt, die durch ihre Patienten­kontakte ein erhöhtes Infektionsrisiko hatten. Die Kontaktdaten hatten die Forscher von „Survey Healthcare Globus“, einem Markforschungsunternehmen im Gesundheitswesen erhalten, das in den USA und in Europa aktiv ist. Die Studienteilnehmer stammten aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und den USA.

Die Teilnehmer füllten einen webbasierten Fragebogen zu ihren demografischen Merkmalen, zu Erkran­kungen in der Vorgeschichte, zu aktuell eingenommenen Medikamenten und zu ihrem Lebensstil aus. Insgesamt 47 von 100 Fragen betrafen ihre aktuelle Ernährung. Sie wurden außerdem gebeten, ihren Ernährungsstil 1 von 11 Kategorien zuzuordnen.

Die Umfrage fand zwischen Juli und September 2020 statt. Aufgrund ihres beruflichen Risikos waren 568 Teilnehmer an COVID-19 erkrankt: 430 stuften die Erkrankung als sehr mild oder mild ein. Die anderen 138 waren mittelschwer bis schwer erkrankt.

Seidelmann setzte den Ernährungsstil mit dem Erkrankungsrisiko in Verbindung. Auf das Infektionsrisiko und die Dauer der Erkrankung hatte die Ernährung keinen Einfluss. Doch Personen, die ihre Ernährung als „pflanzenbasiert“ beziehungsweise „pflanzenbasiert oder pescetarisch“ eingestuft hatten, waren zu 73 % beziehungsweise 59 % seltener mittelschwer bis schwer an COVID-19 erkrankt.

Die Assoziationen waren signifikant, wenn auch mit weiten 95-%-Konfidenzintervallen. Die Odds Ratio für eine pflanzenbasierte Ernährung betrug 0,27 (0,10 bis 0,81). Für den pflanzenbasierten oder pescetarischen Ernährungsstil betrug die Odds Ratio 0,41 (0,17 bis 0,99).

Seidelmann hat bei diesen Berechnungen die Unterschiede in Alter, Geschlecht, ethnischer Herkunft und Land, medizinisches Fachgebiet, Raucherstatus und körperliche Aktivität berücksichtigt.

In einem weiteren Modell wurden auch Body-Mass-Index (BMI) sowie das Vorliegen von zahlreicher Erkrankungen (Diabetes, Prädiabetes, hoher Cholesterinspiegel, Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit oder Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Krebs, frühere Lungenerkrankung, frühere Lungeninfektion, Übergewicht, Asthma oder Autoimmunerkrankung) berücksichtigt, ohne dass sich an den Zahlen etwas änderte.

Dennoch lassen sich die Ergebnisse leicht in Frage stellen. Die vom Science Media Center befragten Experten kritisierten, dass die Angaben zur Ernährung auf der Selbsteinschätzung der Befragten beruhten, die immer sehr subjektiv sei. Ein weiterer Schwachpunkt aller epidemiologischen Studien ist, dass sie selten alle Aspekte der Lebensführung berücksichtigen. Es ist denkbar, dass Menschen, die sich vermehrt pflanzenbasiert oder auch pescetarisch ernähren, auch in anderen Bereichen gesünder leben oder zu einer durch Bildung oder Einkommen privilegierten Gruppe gehören (auch wenn dies bei den Ärzten, zu denen 95 % der Befragten gehörten eigentlich immer der Fall sein sollte).

Interessant war, dass Personen, die ihre Ernährung als kohlenhydratarm einstuften, ein tendenziell höheres Risiko auf einen schweren Verlauf von COVID-19 hatten. Gegenüber den Personen mit einer pflanzenbasierten Diät erkrankten sie fast 4 mal so häufig schwer (Odds Ratio 3,86: 1,13 bis 13,24).

Eine pflanzenbasierte Ernährung war übrigens nicht mit einer streng vegetarischen Kost gleichzusetzen. Die Personen, die sich so eingestuft hatten, gaben ebenfalls den Verzehr von Fleisch an, wenn auch deutlich seltener.

Angesichts der etablierten Risikofaktoren (Adipositas, Typ 2-Diabetes, atherosklerotische Erkrankungen und Hypertonie), die auf frühere Ernährungsfehler hinweisen, dürfte die Frage nach dem Einfluss der aktuellen Ernährung auf das Erkrankungsrisiko legitim sein. Eine protektive Wirkung ließe sich durch die geringere Entzündungsbereitschaft beim Verzicht auf Fleisch und die bessere Versorgung mit Omega-3—Fettsäuren plausibel erklären. © rme/aerzteblatt.de

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