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Politik

Steinmeier zeigt Verständnis für Ärger über globale Impfstoffverteilung

Mittwoch, 9. Juni 2021

/picture alliance, Robert Bonet

Berlin – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Verständnis für den Ärger in Afrika über die massive Ungleichheit zwischen armen und reichen Ländern bei der Versorgung mit Coronaimpfstoffen gezeigt. „Ich weiß, dass viele Menschen in Afrika das als ungerecht empfinden – und ich teile dieses Empfinden“, sagte Steinmeier heute bei einer Videokonferenz zur europäisch-afrikanischen Zusammen­arbeit, an der auch Senegals Präsident Macky Sall und die Chefin der Welthandelsorganisation (WTO), Ngozi Okonjo-Iweala, teilnahmen.

„Wir alle wissen, dass Regierungen zuallererst ihrer eigenen Bevölkerung verpflichtet sind“, sagte Steinmeier. Es sei deshalb „verständlich, wenn Regierungen zunächst die Menschen im eigenen Land impfen lassen wollen“. Die Hälfte der Weltbevölkerung lebe aber in Staaten, „die nicht über die Mittel verfügen, sich den Herstellern der Impfstoffe als Vorzugskunden anzudienen“, sagte der Bundes­präsident. „Und Impfstoffe gegen COVID-19 werden bis heute in Afrika nicht produziert.“

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Die vorhersehbare Folge sei, dass „in ärmeren, aber nicht weniger bedürftigen Ländern“ nur ein kleiner Teil der Bevölkerung geimpft werden könne, in reicheren Ländern hingegen ein ungleich größerer Teil. In Afrika drohten auch die ökonomischen und sozialen Folgen der Pandemie „ungleich größeren Schaden anzurichten“.

Steinmeier verwies auf schon unternommene Anstrengungen für eine gerechtere Impfstoff-Verteilung, hinter denen sich Europa „wahrlich nicht verstecke“. Ohne die „tatkräftige Initiative“ der EU und ihrer Mitglieder wäre die internationale Impfinitiative Covax „kaum Realität geworden“, sagte er. Es exportiere auch kein Kontinent mehr Impfstoff als Europa.

Es sei auch ein „großer Schritt“, dass europäische und andere G7-Staaten sich nun verpflichteten, noch in diesem Jahr Impfdosen abzugeben, um Gesundheitspersonal und gefährdete Gruppen in Afrika und anderen Teilen der Welt impfen zu lassen. „Zugleich bleibt die Frage, ob das nicht früher hätte geschehen müssen und in größerem Umfang.“

Umso wichtiger sei deshalb der Versuch, in der WTO einen gemeinsamen Weg zu finden, die weltweite Produktion von Impfstoffen so rasch wie möglich auszuweiten. Steinmeier verwies auch auf eine europäische Initiative, die Länder Afrikas beim Aufbau einer eigenen Impfstoffproduktion zu unterstützen.

„Erst dieser Schritt zur Produktion auf dem afrikanischen Kontinent wird Afrika aus der zu großen Abhängigkeit von anderen Lieferländern befreien“, sagte der Bundespräsident. © afp/aerzteblatt.de

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