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Medizin

Ein ASCO mit Fokus auf den oberen Gastro­intestinaltrakt

Donnerstag, 10. Juni 2021

Köln – Im Rahmen des diesjährigen ASCO werden viele spannende Daten zu den Tumoren des gastroöso­phagealen Übergangs vorgestellt, wie Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor an der Klinik für Innere Medizin am Universitätsklinikum Ulm, erläutert. Hierzu zählen Neuigkeiten zu den Plattenepithelkarzinomen und Adenokarzinomen in allen Settings, sei es neoadjuvant, adjuvant, perioperativ als auch in der metastasierten Situation.

5 Fragen an Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor an der Klinik für Innere Medizin am Universitätsklinikum Ulm

DÄ: Welche Ergebnisse vom ASCO sind aus Ihrer Sicht spannend?
Thomas Seufferlein: Dieser ASCO ist ein Fachkongress mit vielen Neuigkeiten zu Tumoren des Gastrointestinaltraktes. Ein Beispiel dafür ist das ASCO Abstract 4013 in der metastasierten Situation. Hier wurde die Kombination aus Pembrolizumab plus Trastuzumab und Chemotherapie an HER2+ Patienten/-innen mit metastas­iertem Magenkrebs oder Tumoren am gastroösophagealen Übergang analysiert.

Die ersten Daten zeigen, dass HER2+ Patienten/-innen durch eine zusätzliche Therapie mit Pembrolizumab im Vergleich zur Standardtherapie (Trastuzumab + Chemotherapie) ein signifikant besseres Tumoransprechen aufweisen. Diese ersten Daten aus der Phase-3-Studie KEYNOTE-811 sind auch in der Hinsicht interessant, als dass sich die Personalisierung der Krebstherapie noch weiter steigern lässt, indem die Chemotherapie plus HER2-Antikörper plus Checkpoint-Inhibitor miteinander kombiniert werden. Ich bin schon gespannt auf die kommenden Daten zum Gesamt- und Progressionsfreien Überleben.

Weitere spannende Daten, die neue klinische Standards setzen, gibt es zur Kombination von Checkpoint-Inhibitoren mit Chemotherapie bei fortgeschrittenen Adenokarzinomen von Magen und Speiseröhre und bei fortgeschrittenen Plattenepitelkarzinomen der Speiseröhre. Bei letzteren Tumoren zeigen sogar Chemotherapie-freie Kombinationen aus Immuncheckpoint-Inhibitoren eine sehr überzeugende Wirkung.

DÄ: Lange nichtkodierende RNAs (lncRNAs) und microRNAs (miRNAs) spielen eine wesentliche Rolle bei der Pathogenese von Speiseröhrenkrebs. Wie schätzen Sie das Potenzial als diagnostische/prognostische Marker und ihre Relevanz für das therapeutische Ansprechen ein?
Seufferlein: lncRNAs und miRNAs können als Marker zur Prognose- und zum Teil sogar zur Therapieeffizienz-Abschätzung bei Speiseröhrenkrebs in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Die Datenlage ist im Augenblick noch nicht groß genug, um als Zusatzdiagnostik bereits im klinischen Alltag bei Speiseröhrenkrebs eine Rolle zu spielen. Die Etablierung prädiktiver Biomarker ist aber Gegenstand aktueller Forschungsaktivitäten.

: Welche neuen Erkenntnisse aus der Forschung waren in den letzten Jahren besonders spannend?
Seufferlein: Was in den letzten zwei Jahren besonders überraschend war, ist, dass viele Tumoren des oberen Verdauungstrakts, Plattenepithelkarzinome der Speiseröhre, aber auch Adenokarzinome von Speiseröhre und Magen mit Immuntherapien effektiv behandelt werden können. Die oben erwähnten Daten vom diesjährigen ASCO zeigen dies eindrucksvoll.

Diese Gruppe von Medikamenten hat das Potenzial bisherige Standardtherapien bei diesen Tumoren abzulösen. Die erfreuliche Nachricht ist, dass sich die Prognose auch bei fortgeschrittenem Speiseröhrenkrebs deutlich verbessert.

Auch bei den resektablen Tumoren gibt es große Fortschritte durch neue operative Techniken unter Einsatz von Robotern, die bei exzellenter chirurgischer Qualität weniger traumatisierend sind für die Patienten/-innen. In den letzten Jahren hat sich beim Speiseröhrenkrebs viel getan, und ich denke, diese Entwicklung geht weiter.

DÄ: Welchen Stellenwert hat die minimalinvasive Chirurgie bei Speiseröhrenkrebs?
Seufferlein: Das ist jetzt die Sicht des Internisten, der diese Eingriffe nicht durchführt. Mein Eindruck ist aber, dass die minimal invasive Chirurgie, vor allem die robotische Chirurgie, für den Patienten/-innen enorme Vorteile bezüglich des Operationstraumas und des chirurgischen Outcomes bietet.

Diese Entwicklungen in der Chirurgie bewegen sich derzeit schnell vorwärts und neue Verfahren gewinnen einen großen Stellenwert. Meines Erachtens sollte die Speiseröhrentumortherapie stets an spezialisierten Zentren erfolgen. Solche Zentren verfügen neben exzellenten Chirurgen/-innen über ein optimal eingespieltes Team aus Intensivmediziner/-innen, aber auch interventionellen RadiologInnen und GastroenterologInnen, dass beispielsweise unvermeidliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und behandeln kann, so dass es nicht zu einem „failure to rescue“ kommt.

DÄ: Warum sind bei Speiseröhrenkrebs die Risiken von Komplikationen höher als bei vielen anderen Operationen?
Seufferlein: Wiederum die Sicht des Internisten! Ösophagus-Resektionen sind komplexe Operationen, die sehr viel an der Anatomie verändern und daher auch mit vielen Komplikationen einher gehen können. Viele Eingriffe erfordern Zweihöhleneingriffe (Brustkorb und Bauchraum), was das Operationstrauma erhöht. © cw/aerzteblatt.de

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