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Medizin

Reseziertes Nierenzellkarzinom: Erstmals Effektivität einer adjuvanten Therapie belegt

Samstag, 12. Juni 2021

/SciePro, stock.adobe.com

Alexandria – Erstmals hat sich ein Checkpointinhibitor, nämlich Pembrolizumab, bei Patienten mit komplett reseziertem Nierenzellkarzinom und mit intermediärem oder hohem Rückfallrisiko als effektiv erwiesen. Damit wird eine adjuvante Behandlung für diese Patientengruppe möglich und der Anti-PD1-Antikörper vermutlich ein neuer Standard.

Das ist das Fazit aus den Daten der KEYNOTE-564-Studie, die bei der virtuellen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt worden sind (2021; DOI: 10.1200/JCO.2021.39.15_suppl.LBA5).

„Die deutliche und auch statistisch signifikante Verbesserung des krankheitsfreien Überlebens ist klinisch relevant und die unerwünschten Effekte des Checkpointinhibitors waren kontrollierbar und akzeptabel“, sagte Prof. Toni K. Choueiri vom Dana-Farber-Cancer Institute in Boston, Massachusetts, bei der Präsentation der Daten während der Plenary Session. „KEYNOTE-564 ist die 1. positive Phase-3-Studie einer adjuvanten Immuntherapie bei Patienten mit Nierenzellkarzinom.“

Pro Jahr werden in Deutschland circa 15.000 neue Nierenkrebsfälle diagnostiziert. Fast 110.000 Menschen, die in Deutschland leben, haben in den letzten 10 Jahren diese Diagnose erhalten. Die Operation mit kompletter Tumorentfernung ist die einzige kurative Option. Für die Tumortherapie in metastasierten Stadien wurden in den letzten 15 Jahren Angiogenese-, Tyrosinkinase- und Immun­checkpointinhibitoren als Mono- und Kombinationstherapien zugelassen. Für den Vorteil einer adjuvanten Standardtherapie zur Rückfallprophylaxe aber fehlte bislang die Evidenz (Onkopedia Leitlinien Nierenzellkarzinom; 2020)


Fast die Hälfte der Patienten bekommen nach Resektion des Tumors ein Rezidiv, erläuterte Choueiri den Hintergrund der Studie. Zu den Risikogruppen gehören bestimmte Patienten mit M0-Tumoren. Außerdem kommen für die adjuvante Behandlung auch Patienten mit Fernmetastasen bei Diagnose (M1) infrage, wenn nach Nephrektomie die Oligometastasen komplett entfernt werden können (in der Studie ≤ 1 Jahr nach Nephrektomie) und die Patienten keine erkennbare Erkrankung mehr haben (M1-NED).

Adjuvante Therapie für circa 12 Monate

In die multizentrische, randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde KEYNOTE-564-Studie sind 994 Teilnehmer mit histologisch gesichertem Klarzellkarzinom (M0 oder M1-NED) aufgenommen worden. Sie hatten ein intermediäres oder hohes Rückfallrisiko. Die Operation war ≤ 12 Monate vor Randomisierung (1 : 1) erfolgt, es gab keine systemische Vorbehandlung. Die Teilnehmer waren median 60 Jahre alt. Die Studie ist noch nicht komplett ausgewertet.

Die Verumgruppe (n = 496) erhielt alle 3 Wochen 200 mg Pembrolizumab für maximal 17 Zyklen (circa 1 Jahr lang), die 2. Gruppe entsprechend Placebo (n = 498). Der primäre Endpunkt ist das krankheitsfreie Überleben (DFS), sekundäre Endpunkte sind Gesamtüberleben und die Verträglichkeit.

Das mediane Follow-up liegt bei 24,1 Monaten. Die geschätzte Rate des DFS nach 24 Monaten beträgt 77,3 % im Verumarm und 68,1 % unter Placebo (Hazard Ratio [HR]: 0,68; p = 0,0010). Ein Vorteil im DFS war über alle Subgruppen hinweg nachweisbar, also zum Beispiel bei Teilnehmern jünger vs. älter als 65 Jahre, Status der PD-L1-Expression oder M0 vs. M1-NED.

Die vorläufig geschätzte Rate des Gesamt­überlebens nach 24 Monaten beträgt 96,6 % in der Verumgruppe und 93,5 % unter Placebo (p = 0,0164).
Unerwünschte Effekte von mindestens Grad 3 traten bei 32,4 % unter Pembrolizumabtherapie auf und bei 17,7 % in der Placebogruppe. In der Verumgruppe waren dies vor allem Fatigue, Pruritus und Hypothyreodismus. Es gab keine therapieassoziierten Todesfälle.

„Die Studienergebnisse sind ein klarer Erfolg“, kommentierte Julie R. Gralow von der University of Washington, Generalsekretärin und Vizepräsidentin der Fachgesellschaft, bei einer Pressekonferen. „Mit Pembrolizumab könnte sich ein Therapiestandard zur Adjuvanz für diese Gruppe von Patienten etablieren.“ © nsi/aerzteblatt.de

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