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COVID-19: Bei der Impfentscheidung für Kinder auch an die sozialen Folgen der Pandemie denken

Donnerstag, 10. Juni 2021

/smile23, stock.adobe.com

Berlin – Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, nur Kinder mit Vorerkrankungen gegen COVID-19 zu impfen. Bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des diesjährigen Kongresses für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2021) plädierte der Pädiater und Infektiologe Markus Knuf allerdings dafür, sich nicht nur auf den Individualschutz zu fokussieren, auch die sozialen Aspekte einer Impfung müssten bedacht werden: „Ein Jahr [im Lockdown] hat für Kinder eine ganz andere Bedeutung als für Erwachsene, Kinder machen in einem solchen Zeitraum enorme Entwicklungsschritte.“

Eine relevante Bevölkerungsgruppe, wie die mehr als 15 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland, dürften bei der Bekämpfung der Pandemie nicht unberücksichtigt bleiben, betonte das Mitglied im Vorstand der Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Auch wenn Kinder im Schnitt deutlich weniger schwer an COVID-19 erkrankten, liege am Ende durchaus eine Morbidität vor, so Knuf, der als Chefarzt an der Kinderklinik des Klinikums Worms tätig ist.

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Laut einer Erhebung, an der sich 178 deutsche Zentren beteiligten, sind bis 6. Juni 2021 insgesamt 1.603 Kinder zur stationären Aufnahme wegen COVID-19 gemeldet worden. Fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen mussten intensivmedizinisch betreut werden.

Auch zum Auftreten des „Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome“ (PIMS) liegen mittlerweile Daten vor: 154 Zentren meldeten 342 Fälle. Sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen wiesen Folgeprobleme auf. Im Gegensatz zu COVID-19 waren von PIMS vor allen Dingen Schulkinder und Jugendliche (7-15 Jahre) betroffen. Ebenfalls im Gegensatz zur COVID-19-Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen konnten lediglich 46,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit einer mutmaßlich vollständigen Gesundung entlassen werden, 42,8 Prozent wiesen Restsymptome auf.

Einer der Hauptgründe für die Empfehlung der STIKO war der Mangel an Daten zur Sicherheit der Impfung bei Kindern und Jugendlichen – in Relation zu dem bei ihnen eher niedrigen Risiko durch die Erkrankung. Der Zulassung des bislang einzigen für diese Altersklasse zugelassenen Impfstoff – Comirnaty von Biontech/Pfizer – liegen bislang die Daten einer Phase-II/IIIStudie mit 2.260 Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren zugrunde; 1.131 erhielten zwei Dosen des mRNA-Impfstoffs.

„Es konnte eine gute Immunogenität und befriedigende Verträglichkeit sowie Sicherheit für ein relativ kleines Kollektiv dokumentiert werden“, so Knuf. „Seltene unerwünschte Wirkungen sind in dem kleinen Studienkollektiv allerdings nicht ausreichend sicher zu erheben.“

Impfoption für Kinder unter 12 Jahren fehlt noch

Etwas besser fällt die Risiko-Nutzen-Abwägung bei den Kindern mit Vorerkrankungen aus, für die die STIKO die Impfung gegen COVID-19 empfiehlt. „Bedauerlicherweise ist die Impfung mit einem zugelassenen Impfstoff erst ab dem 12. Lebensjahr möglich. Die sehr große Gruppe der ebenfalls als gefährdet anzusehenden chronisch kranken Kinder im Säuglings-, Kleinkindes- und Schulalter müssen bislang ohne Impfangebot bleiben“, ergänzte Knuf.

Sein Fazit: „Die einfache Formel „Kinder erkranken nicht oder nur sehr leicht, deshalb ist eine Impfprävention nicht notwendig“, kann so nicht ausgeführt werden.“ Die Frage, ob Kinder und Jugendliche gegen COVID-19 geimpft werden sollten, sei dynamisch zu betrachten und bedürfe weiterer Entscheidungsschritte auf dem Boden von neuen Daten. © nec/aerzteblatt.de

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