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Medizin

AML: MRD-Status nach Venetoclax/­Azacitidin prädiktiv für Überleben

Freitag, 11. Juni 2021

/David A Litman, stock.adobe.com

Alexandria – In der Phase-III-Studie VIALE-A hat sich die Kombination aus dem BCL-2-Inhibitor Venetoclax und der hypomethylierenden Substanz Azacitidin bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) der Azacitidin-Monotherapie überlegen gezeigt, was das Erzielen tiefer Remissionen, insbesondere einen deutlichen Rückgang einer minimalen Resterkrankung (MRD) angeht.

Was speziell der MRD-Status tatsächlich für die Prognose der Erkrankung bedeutet, wurde in einer gesonderten Analyse untersucht, die nun bei der virtuellen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) präsentiert wurde (JCO 2021; DOI: 10.1200/JCO.2021.39.15_suppl.7018).

Erwachsene Patienten mit neu diagnostizierter AML, die nicht für eine intensive Chemotherapie geeignet sind, können mit hypomethylierenden Substanzen wie Azacitidin behandelt werden. In der VIALE-A-Studie hatte die Kombination aus Azacitidin und Venetoclax gegenüber einer Azacitidin-Monotherapie die Rate an kompletten Remissionen mit (CR) oder ohne vollständige hämatologische Erholung (CRi) deutlich erhöht; insbesondere war der Anteil von Patienten mit niedriger MRD (< 10-3) von 7,6 % auf 23,4 % mehr als verdreifacht worden (p < 0,001) (NEJM 2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2012971)

Auf der Grundlage solcher Daten wurde Venetoclax in Kombination mit einer hypomethylierenden Substanz zur Behandlung erwachsener Patienten mit neu diagnostizierter AML zugelassen, die nicht für eine intensive Chemotherapie geeignet sind. Um die klinische Bedeutung des MRD-Status für die Prognose von Patienten mit AML, die weniger intensive Therapien erhalten, noch schärfer herauszuarbeiten, wurden die Daten der VIALE-A-Population im Hinblick auf diese Problematik noch einmal gesondert evaluiert; die Analyse stellte Keith Pratz, Philadelphia, beim ASCO-Kongress vor.

Die Patienten im Verumarm hatten 400 mg/d Venetoclax und 75 mg/m2 Azacitidin an den Tagen 1–7 eines jeden 4-wöchigen Zyklus erhalten. Zu Beginn, nach Ende des 1. Zyklus und danach alle 3 Zyklen wurde in Knochenmarkproben aller Patienten durchflusszytometrisch und unabhängig vom hämatologischen Ansprechen die MRD analysiert.

Ein MRD-Ansprechen war definiert als Rückgang auf eine Konzentration von weniger als 1 Blasten pro 1.000 Leukozyten (< 10-3). Das Vorliegen einer kombinierten Komplettremission (mit oder ohne vollständige hämatologische Wiederherstellung) wurde anhand der Response-Kriterien der International Working Group for AML bestimmt (JCO 2003; DOI: 10.1200/JCO.2003.04.036), ebenso wurden Dauer des Ansprechens, ereignisfreies und Gesamtüberleben ausgewertet.

Von den insgesamt 286 Patienten im Venetoclax/Azacitidin-Arm waren etwa 3/4l (n = 211) bezüglich des MRD-Status auswertbar. Von ihnen erzielte ein gutes Drittel (n = 78; 37 %) einen MRD-Wert von < 10-3, bei den übrigen lag er höher. Bezüglich des Alters unterschieden sich diese beiden Gruppen nicht, aber diejenigen Patienten mit niedriger MRD hatten im Median etwa doppelt so viele Zyklen Venetoclax/Azacitidin erhalten (14,5 vs. 7,0 Zyklen).

Von den Patienten mit Komplettremission und MRD < 10-3 waren nach 12 Monaten 81,2 % noch in Remission, 83,2 % noch ereignisfrei und 94,0 % überhaupt noch am Leben; bei den Patienten mit MRD ≥ 10-3 waren es 46,6 %, 45,4 % bzw. 67,9 %. Die mediane Dauer von Ansprechen, ereignisfreiem und Gesamtüberleben war bei den Patienten mit niedriger MRD (< 10-3) noch gar nicht erreicht, bei denen mit höherer MRD lag sie bei 9,7, 10,6 bzw. 18,7 Monaten.

Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher waren überwiegend hämatologischer Natur: Eine febrile Neutropenie trat bei den Patienten mit MRD < 10-3 in 50 %, bei denen mit MRD ≥ 10-3 in 43 % der Fälle auf; Neutropenien dieser Schwergrade wurden in den beiden Gruppen bei 50 % bzw. 35 % und Thrombozytopenien bei jeweils 44 % gesehen.

Eine hämatologische Komplettremission alleine, so Pratz, ist also noch nicht das beste denkbare Ansprechen auf eine niedrig-intensive Therapie der AML: Das Absenken der MRD auf Werte unter 10-3 ist in jedem Fall wünschenswert, weil damit auch die Dauer des Ansprechens sowie das ereignisfreie und das Gesamtüberleben verlängert werden gegenüber den Patienten, die mit der MRD nicht unter ein Niveau von 10-3 kommen. © jfg/aerzteblatt.de

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