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Medizin

Inoperables Ösophaguskarzinom: Initiale Checkpointinhibition ist effektiver als Chemotherapie

Samstag, 12. Juni 2021

/nerthuz, stockadobecom

Alexandria – Für die Erstlinienbehandlung von Patienten mit inoperablem fortgeschrittenem oder metatastasierten Ösophaguskarzinom ist die Immuntherapie mit einem Checkpointinhibitor oder mit einer Kombination zweier Checkpointinhibitoren wirksamer als der bisherige Standard, die Chemotherapie. „Erstmals ist in einer großen, aussagekräftigen Studie ein klinisch relevanter Vorteil der Immuntherapie gegenüber der Zytostatikabehandlung in der Erstlinie für diese Gruppe von Patienten belegt worden“, kommentierte Julie R. Gralow von der University of Washington, Generalsekretärin und Vizepräsidentin der American Society of Clinical Oncology (ASCO), die entsprechenden Daten.

Sie wurden bei der virtuellen Jahrestagung der ASCO präsentiert. „Die Botschaft für die klinische Praxis ist: Die Checkpointinhibition mit Nivolumab, eventuell auch kombiniert mit Ipilimumab, sollte als Erstlinientherapie für Patienten mit inoperablen, rezidivierten oder metastasierten Ösophagus­karzinomen erwogen werden“, so Gralow bei einer Pressekonferenz.

Nivolumab ist ein monoklonaler IgG4-Antikörper gegen das Checkpointprotein PD1. Er ist in der EU beim Ösophaguskarzinom für zytostatikavorbehandelte Patienten mit inoperablem, fortgeschrittenem oder metatastasiertem Tumoren zugelassen. Grundlage für die Zulassung waren die Daten der ATTRACTION-3-Studie. Sie hatte eine klinisch signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens durch Nivolumab ergeben (Kato K, et al., Lancet Oncol 2019; 20: 1506–17).

Duale Hemmung zweier Checkpointsignalwege

Nun gibt es Daten zur Erstlinientherapie beim inoperablen, fortgeschrittenen oder metatastasierten Plattenepithelkarzinom des Ösophagus mit Nivolumab oder mit einer Kombination aus dem PD1-Antagonisten und dem CTLA4-Inhibitor Ipilimumab. Die Ergebnisse der Checkmate-648-Studie stellte Prof. Ian Chau vom Royal Marsden Hospital in London vor (Chau I, et al., J Clin Oncol 39, 2021 [suppl 15; abstr LBA4001] DOI: 10.1200/JCO.2021.39.15_suppl.LBA4001).

Einschlusskriterien waren unresektable fortgeschrittene Ösophaguskarzinome, rezidivierte Tumore oder eine metastasierte Erkrankung. Die Teilnehmer mussten in diesen Krankheitsstadien systemisch unvorbehandelt sein. 970 Patienten wurden in die internationale Studie eingeschlossen und zu gleichen Anteilen in 3 Gruppen randomisiert:

  • Nivolumab (Nivo; 240 mg alle 2 Wochen) plus Chemotherapie (Chemo; Fluorouracil + Cisplatin alle 4 Wochen),
  • Nivo (3 mg/kg alle 2 Wochen) plus Ipilimumab (Ipi; 1 mg/kg alle 6 Wochen) und
  • Chemo alleine (Fluorouracil + Cisplatin alle 4 Wochen).

49 % der Teilnehmer hatten Tumore mit einer PD-L1-Expression ≥ 1 %. Primärer Endpunkte waren das progressionsfreie Überleben (PFS) und das Gesamtüberlebern (OS). Zum Analysezeitpunkt betrug das Follow-up mindestens 13 Monate. Die Kombinationen Nivo plus Chemo und Nivo plus Ipi waren im Vergleich zur Zytostatikatherapie allein mit statisisch signifikanten und klinisch relevanten höheren Gesamtüberlebensraten assoziiert.

Chemotherapiefreie Erstlinienbehandlung möglich

In der Subgruppe mit einer PD-L1-Expression ≥ 1 % der Tumorzellen lag das mediane OS unter Nivo plus Ipi bei 13,7 Monaten, unter Nivo plus Chemo bei median 15,4 Monaten und unter Chemo allein bei 9,1 Monaten (Hazard Ratio [HR] für Tod Nivo + Ipi vs. Chemo: 0,64; p = 0,001; HR Nivo + Chemo vs. Chemo: 0,54; p < 0,0001). Blieb die PD-L1-Expression unberücksichtigt, betrug das mediane OS unter Nivo plus Ipi 12,8 Monate, unter Nivo plus Chemo 13,7 Monate und unter Chemo allein median 10,7 Monate. „Auch dies waren statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen“, berichtete Chau.

Für das PFS bestand ein klinisch relevanter Vorteil durch eine Immuntherapie nur in der Subgruppe mit PD-L1-Expression ≥ 1 % und nur für Nivo plus Chemo gegenüber Chemo allein, nämlich median 6,9 Monate (Nivo plus Chemo) vs. median 4,4 Monate (Chemo; HR: 0,65; p = 0,0023). Bei Nivo plus Ipi gab es keine statistisch signifikanten Differenzen (medianes PFS 4,0 vs. 4,4 Monate). Die Dauer der Response unterschied sich ebenfalls an deutlichsten in der Subgruppe mit PD-L1-Expression ≥ 1 % für Nivo plus Chemo: medianes Ansprechen für 8,4 Monate (Nivo pls Chemo) vs. 5,7 Monate (Chemo allein).

„Nivolumab ist der erste PD1-Inhibitor, für den nachgewiesen werden konnte, dass er Patienten mit inoperablen, fortgeschrittenen oder metastasierten Ösophaguskarzinomen in der Erstlinie einen klinisch bedeutenden Überlebensvorteil bringt“, resümierte Chau. „Beim progressionsfreien Überleben gilt dies für die Kombination Nivo plus Chemo bei Patienten mit PD-L1-Expression im Tumor. Es gab keine neuen Sicherheitsaspekte bei den Immuntherapien, das Nebenwirkungsprofil ist akzeptabel und lässt sich bei den meisten Patienten managen. Nivolumab plus Chemotherapie oder kombiniert mit Ipilimumab könnte zu einem neuen Behandlungsstandard in der Erstlinie für die Patientengruppe werden.“ © nsi/aerzteblatt.de

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