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Medizin

Denguefieber: Mit Wolbachia infizierte Mücken senken Erkrankungszahlen deutlich

Dienstag, 27. Juli 2021

/picture alliance, RealityImages

Melbourne – Das Aussetzen von Stechmücken, die aufgrund einer Infektion mit dem intrazellulären Bak­terium Wolbachia pipientis seltener mit Dengue-Viren infiziert sind, hat die Häufigkeit der Tropener­kran­kung in einer Stadt in Indonesien deutlich gesenkt. Die Ergebnisse der randomisierten Studie, die im letzten Jahr bereits in einer Pressemitteilung vorgestellt wurden, sind jetzt im New England Journal of Medicine (NEJM 2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2030243) erschienen.

Am Dengue-Fieber erkranken weltweit jährlich 50 bis 100 Millionen Menschen. Verursacher ist das Dengue-Virus, das in tropischen Ländern von der Ägyptischen Tigermücke Aedes aegypti übertragen wird. Alle Versuche, die Mückenpopulation in menschlichen Siedlungen durch Insektizide oder andere Maßnahmen zu begrenzen, sind gescheitert. Aedes aegypti hat sich im Gegenteil in den letzten Jahren weiter ausgebreitet und droht, sich in gemäßigteren Klimazonen etwa im Süden der USA festzusetzen.

Die Beobachtung, dass eine Infektion mit dem Bakterium Wolbachia pipientis Aedes aegypti unemp­findlicher für eine Infektion mit dem Dengue-Virus macht, hat zu einer neuen Idee der Vektorkontrolle geführt. Sie besteht darin, Aedes aegypti im Labor mit dem Stamm wMel zu infizieren und die Mücken dann in den Ortschaften auszusetzen. Sie sollen dort andere Mücken verdrängen und auf diese Weise das Infektionsrisiko für die Bevölkerung senken.

Es versteht sich von selbst, dass diese Idee zunächst skeptisch aufgenommen wurde. Einem Team um Cameron Simmons von der Monash University in Melbourne ist es zusammen mit dem World Mosquito Program jedoch gelungen, eine randomisierte Studie zu organisieren und die Methode in der Stadt Yogyakarta auf der zu Indonesien gehörenden Insel Java zu erproben.

Die 24 Distrikte der Stadt mit 311.700 Einwohnern wurden nach dem Zufallsprinzip auf 2 Gruppen verteilt. In einer Hälfte wurden über 18 bis 28 Wochen alle 2 Wochen Behälter mit wolbachiatragenden Mückeneiern aufgestellt. Wie von den Forschern erhofft, breiteten sich die Mücken rasch aus: 10 Monate nach Beginn der Freisetzung war die A. aegypti-Population zu 95 % mit wMel infiziert.

Die Auswirkungen auf die Dengue-Erkrankungen in der Bevölkerung haben die Forscher in einer testnegativen Fallkontrollstudie untersucht. Dazu wurden alle Personen im Alter von 3 bis 45 Jahren, die sich wegen einer fieberhaften Erkrankung in einer von 18 Ambulanzen vorstellten, auf eine Infektion mit dem Dengue-Virus untersucht. Von den 2.905 Patienten, die in den Distrikten lebten, in denen wMel-Mücken freigesetzt wurden, waren 67 (2,3 %) mit dem Dengue-Virus infiziert.

In den Kontrolldistrikten wurden die Dengue-Viren bei 318 von 3.401 Patienten (9,4 %) gefunden. Die Forscher ermittelten eine Odds Ratio von 0,23, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,15 bis 0,35 signifikant war. Die protektive Wirksamkeit betrug damit 77,1 % (65,3 % bis 84,9 %), wobei keine Unterschiede zwischen den vier Dengue-Virus-Serotypen bestanden.

Auch die Zahl der schweren Dengue-Fiebererkrankungen, die zu einer Krankenhauseinweisung führten, gingen zurück. In den Distrikten mit freigesetzten wMel-Mücken wurden nur bei 13 von 2.905 Erkrank­ten (0,4 %) Dengue-Viren als Verursacher schwerer Fieberanfälle gefunden. In den Kontrollclustern waren 102 von 3.401 Patienten (3,0 %) infiziert. Simmons ermittelte eine protektive Wirksamkeit von 86,2 % mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 66,2 bis 94,3.

Die Ergebnisse belegen, dass das Aussetzen der mit Wolbachia pipientis infizierten Mücken die Zahl der Erkrankungen und der schweren Fieberfälle senken kann. Die Forscher haben die Ergebnisse bereits im Dezember 2020 der Weltgesundheitsorganisation vorgestellt und hoffen, dass ihre Intervention demnächst auch für andere Regionen empfohlen wird.

Wieso die Infektion mit Wolbachia pipientis die Mücken „resistent“ gegen Dengue-Viren macht, ist nicht genau bekannt. Die Bakterien vermehren sich in denselben Zellen der Mücken wie die Viren. Sie könnten dort eine Abwehrreaktion auslösen, die sich auch gegen die Dengue-Viren richtet. Denkbar ist auch, dass die Infektion mit Wolbachia pipientis die Lebenszeit der Mücken verkürzt und sie sterben, bevor sich die Dengue-Viren in ihnen ausbreiten können. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #114602
Brech
am Dienstag, 27. Juli 2021, 17:29

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