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Medizin

Checkpoint-Inhibitor und Anti-Tumor-­Therapien bei indolenten Non-Hod­gkin-Lymphomen

Dienstag, 15. Juni 2021

/David A Litman, stock.adobe.com

Alexandria – Indolente Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) sind, wie der Name suggeriert, langsam wachsend, aber im Gegensatz zur Mehrzahl der aggressiven NHL noch nicht heilbar. Während sie auf die initiale Therapie in den meisten Fällen gut und lange ansprechen, wird es schwierig, sobald sich ein Rezidiv einstellt oder die Erkrankung refraktär ist.

Die französische Lymphom-Studiengruppe LYSA hat sich für diese Situation eine neue Strategie überlegt und in einer Phase-II-Studie getestet, deren erste Ergebnisse bei der virtuellen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt wurden.

Als B-Zell-Lymphome exprimieren indolente NHL das CD20-Antigen und sprechen auf CD20-Antikörper an; ebenso sind alle bisher getesteten Lymphome empfindlich gegenüber Venetoclax, einen Inhibitor des anti-apoptotischen BCL-2-Proteins.

Außerdem wollten die französischen Forscher versuchen, die Aktivität von zytotoxischen T-Lymphozyten gegen die Tumorzellen zu steigern, indem sie ihre Hemmung durch das PD-1-/PD-L1-Immuncheckpoint-System mithilfe des PD-L1-Antikörpers Atezolizumab außer Kraft setzten. Die Studie schloss Patienten mit verschiedensten rezidivierten oder refraktären NHL ein; beim ASCO-Kongress stellte Charles Herbaux, Lille, die ersten Ergebnisse für indolente Varietäten, d.h. follikuläre und Marginalzonen-Lymphome vor (JCO 2021; DOI: 10.1200/JCO.2021.39.15_suppl.7544).

Bei den insgesamt 58 Patienten mit follikulären und den 20 mit Marginalzonen-Lymphomen hatte zuvor mindestens eine Therapie versagt. Die Studienbehandlung war zeitlich limitiert: Der CD20-Antikörper Obinutuzumab wurde im ersten Zyklus mit 1.000 mg an den Tagen 1, 8 und 15 gegeben und danach 7 weitere Male im Abstand von 3 Wochen.

Den PD-L1-Inhibitor Atezolizumab erhielten die Patienten 24-mal im Abstand von jeweils 3 Wochen in einer Dosierung von 1.200 mg, und der BCL-2-Inhibitor Venetoclax wurde ebenfalls über 24 3-wöchige Zyklen verabreicht, aber täglich oral in einer Dosierung von 800 mg. Primärer Endpunkt war die Gesamtansprechrate nach Ende der Induktionstherapie, d. h. nach 8 Zyklen oder 6 Monaten, als die Obinutuzumab-Gabe beendet wurde.

Die Kohorte von Patienten mit follikulärem Lymphom wurde median 14,5 Monate lang nachbeobachtet. Etwa 1/3 von ihnen hatte bereits mehr als 2 Therapielinien erhalten, und ein knappes Drittel eine autologe Stammzelltransplantation. Die per Positronenemissions-Tomographie festgestellte Ansprech­rate nach Ende der Induktionsbehandlung lag bei 53,6 % mit 30,4 % kompletten Remissionen. Knapp 2/3 der Patienten (63 %) hatten die vollständige Induktionstherapie erhalten.

Bei den Patienten mit Marginalzonen-Lymphomen lag das mediane Follow-up bei 1 Jahr. Nach Ende der Induktionsphase hatten 2 von 3 Patienten (66,8 %) angesprochen, 16,7 % mit einer kompletten Remission. Gut die Hälfte der Patienten hatten die gesamte Induktionstherapie erhalten.

Zum Analysezeitpunkt, so Herbaux, waren die Remissionen relativ stabil: Nur 21,4 % der Responder wiesen ein Rezidiv oder eine Progression auf. Bei gut 2/3 aller Patienten (70,5 %) wurden Nebenwir­kungen vom Grad 3 oder 4 registriert, vor allem solche hämatologischer Natur; nur in einem Fall wurde eine febrile Neutropenie beobachtet, und ein Patient musste wegen Nebenwirkungen sämtliche Medikamente absetzen.

Bei 3 Patienten traten immunbedingte Toxizitäten auf, wie sie von Checkpoint-Inhibitoren bekannt sind (eine Myositis vom Grad 2 und zwei Kolitiden vom Grad 3), ein Tumorlyse-Syndrom, das vor allem von Venetoclax bekannt ist, gab es in keinem Fall.

Die Dreierkombination aus Obinutuzumab, Atezolizumab und Venetoclax ist gut verträglich, so Herbaux, und die Wirksamkeit scheint ausweislich der Ansprechraten ebenso gut zu sein wie mit anderen innovativen Protokollen. © jfg/aerzteblatt.de

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