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Politik

Debatte um Impfzentren

Montag, 14. Juni 2021

/picture alliance, Christoph Soeder

Berlin – Vor den Beratungen der Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz übermorgen rückt die Debatte über die Zukunft der Impfzentren in den Fokus. „Impfzentren sind sehr teuer“, sagte der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, der Augsburger Allgemeinen (heute).

Eine Impfung dort sei siebenmal teurer als beim Hausarzt. Die Impfzentren seien geschaffen worden, um die Hausärzte von der Bürokratie – etwa der Priorisierung – zu entlasten und eine gerechte Verteilung des knappen Impfstoffs zu gewährleisten, sagte Montgomery. Wenn es genug Impfstoff gebe und die Bürokratie wegfalle, könnten in den meisten Regionen die niedergelassenen Haus- und Fachärzte die Impfungen „hervorragend übernehmen“. Alles stehe und falle mit ausreichenden Impfstoffmengen.

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Ähnlich sieht das die FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus. Die Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass die Ärzte mehr und zuverlässig Impfmittel erhalten. „Dann können die Impfzentren demnächst auch auslaufen“, sagte sie der Augsburger Allgemeinen.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach widersprach in derselben Zeitung. Deutschland könne sehr schnell wieder auf die Einrichtungen angewiesen sein. „Impfzentren sind auch eine Anlaufstelle für alle, die keinen Hausarzt haben“, argumentierte Lauterbach. Und sie seien eine sehr wichtige Säule, um eventuelle Nachimpfungen im Herbst zu bewältigen.

Für den längerfristigen Betrieb der Impfzentren hatte am Wochenende auch der Deutsche Städtetag geworben. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy verwies in der Passauer Neuen Presse darauf, dass von den Zentren aus die mobilen Impfteams in Pflegeeinrichtungen und soziale Brennpunkte starten. Der Chef des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, bezeichnete es im Redaktionsnetzwerk Deutschland hingegen als fraglich, Strukturen mit so hohen Kosten aufrechtzuerhalten.

Der Vorsitzende der Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz und bayerische Ressortchef Klaus Holetschek (CSU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Ich denke, die Impfzentren sollten auf jeden Fall bis Ende des Jahres beibehalten werden.“ Dafür sprächen gerade die Auffrischungsimpfungen, die ab Herbst notwendig sein könnten. Es gebe viele Gründe für die Forderungen der Länder, die Impfzentren weiter betreiben zu wollen, hatte auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach der jüngsten Konferenz mit den Länderchefs erklärt.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) wurden bisher etwa zwei Drittel aller Impfungen in den Zentren vorgenommen, ein Drittel in Arztpraxen. Die Hausärzte stiegen flächendeckend am 7. April in die Impfungen ein. Die Betriebsärzte folgten am 7. Juni. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #722321
Hennighausen
am Montag, 14. Juni 2021, 19:44

Impfzentren belassen, aber in der Zahl reduzieren

Auch wenn die Impfzentren teuer sind, man sollte sie als stabile Orte der Versorgung belassen, man kann sie aber voraussichtlich von der Anzahl her reduzieren, wenn der Großteil der Bevölkerung geimpft ist, vielleicht im Herbst???. So individuell patientennah auch die hausärztliche Impfung ist, niedergelassen ist man Freiberufler*in und Vertragspartner*in der GKV und kann nicht "dienstverpflichtet" werden. So möchte ich folgern: Die mit viel Mühe und Energie aufgebauten Strukturen der Impfzentren müssen erhalten bleiben, damit man in einem etwaigen erneuten Epidemie-/ Pandemiefall zügig und sachkundig zugleich reagieren kann. Auch wenn manche mit den Impfzentren die "Gefahr des Einstiegs in eine "Staatmedizin" fürchten mögen, die Impfzentren müssen, wenn auch reduziert, als Garanten f. ein "Seuchenmanagement" erhalten bleiben und in den öffentlichen Gesundheitsdienst integriert oder zumindest mit diesem assoziiert werden.
Avatar #643731
sunriver
am Montag, 14. Juni 2021, 19:15

Debatte um Impfzentren

Der Vorsitzende des Weltärztebundes sollte wissen und weiß auch, dass auch in Impfzentren geschulte Ärzte impfen. Die Bürokratie erledigen dort andere (u. a. die Bundeswehr) mit großer Professionalität. Es war ein Fehler, die Impfungen auf die Niederlassung auszurollen. Hier wurden zusätzliche Kosten generiert. Als die politische Entscheidung gefallen war, in den Zentren zu impfen, hätte man es dabei belassen sollen. Die Kosten pro Impfling wären bei größerer Auslastung gefallen. Leider ist der Ge­sund­heits­mi­nis­ter dem Ruf der Lobbyisten erlegen. Die Ärzte sollten jetzt nicht klagen wegen Überlastung. Das war vorherzusehen. Niemand ist gezwungen zu impfen. Also, bitte impfen ohne zu klagen.
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