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Europas Plan gegen Krebs wird in Deutschland umgesetzt

Montag, 14. Juni 2021

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

Berlin – In Deutschland soll die europäische Strategie zur Krebsbekämpfung eng mit der nationalen Gesundheitspolitik verzahnt werden. „Wir können im Kampf gegen Krebs nur besser sein, wenn wir auf europäischer Ebene zusammenarbeiten“, sagte heute Ilka Wölfle, Direktorin der Europavertretung der Deutschen Sozialversicherung, bei der gemeinsamen Online-Veranstaltung des GKV-Spitzenverbandes und der Deutschen Sozialversicherung Europavertretung.

„Für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) stehen dabei Prävention, Krebsfrüherkennung und Arzneimitteltherapie im Vordergrund“, erläuterte Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes. Viele Krankerkrankungen seien vermeidbar, deshalb engagiere sich die GKV in diesen Bereichen besonders. Dies gelte auch für den Ausbau der Krebsregister.

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Die gemeinsame Verantwortung unterstrich auch der gesundheits­poli­ti­sche Sprecher der EVP-Christdemokraten im Europäischen Parlament, Peter Liese. „Ohne die Zusammenarbeit in Europa werden wir den Krebs nicht besiegen“, sagte er. Dies gelte ins­be­­­­sondere für die Bekämpfung von seltenen Krebsformen und von Krebs bei Kindern. Aufgrund einer immer spezialisierteren Behandlung im Be­reich der personalisierten Medizin und von niedrigen Fallzahlen sei eine europäische Zusammen­arbeit bei der Forschung und der Therapie dringend notwendig, erklärte der Arzt. Besonders Augenmerk müsse auf die Möglichkeit der Datennutzung für die Forschung gerichtet werden. „Wir werden sicher keine europäische Superbehörde haben, aber eine gemeinsame Forschung“, meinte er.

Helfen könnte bei den gemeinsamen Anstrengungen in der Krebsbekämpfung das inzwischen größere Gesundheitsprogramm in der EU, berichtete Stefan Schreck von der Generaldirektion Gesundheit der Europäischen Kommission. Vier Milliarden Euro könnten künftig für Implementierung des Krebsplans aufgebracht werden, sagte er. Investitionen seien gerade im Bereich der Prävention nötig. Generell gelte jedoch: „Es braucht den „Gesundheit in allen Politikfeldern“-Ansatz - dann sind qualitative Verbesserungen zu erwarten“, betonte Schreck.

Die Kommission der Europäischen Union (EU) hatte im Februar dieses Jahres europäischen Plan zur Krebsbe­kämpfung vorgelegt. Er umfasst in 42 Punkten den gesamten Krankheitspfad von der Vorsorge über die Diagnostik und Behandlung bis hin zur Förderung der Lebensqualität von Krebskranken und -überleben­den sowie den Aufbau eines Krebswissenszentrums (Knowledge Centre on Cancer) auf EU-Ebene, um künftig wissenschaftliche und technische Initiativen besser zu koordinieren. Der Fokus der vier Aktionsbereiche liegt dabei auf Maßnahmen, bei denen die EU den größten Mehrwert erbringen kann.

Erster Hauptaktionsbereich ist die Prävention. Dazu gehört der Tabakkonsum. Bis 2040 soll zum Beispiel erreicht werden, dass weniger als fünf Prozent der Bevölkerung Tabak konsumieren. Zudem sollen durch Infektionen verursachte Krebserkrankungen verhindert werden. Bis 2030 sollen mindestens 90 Prozent der Mädchen-Zielpopulation in der EU gegen HPV geimpft werden.

Ein weiterer Hauptbereich ist die Früherkennung. Ziele sind ein besserer Zugang zu Früherkennungs­maßnahmen und mehr Qualität bei den Verfahren. Die EU will die Mitgliedstaaten dabei unterstützen, bis 2025 für 90 Prozent der für eine Brustkrebs-, Gebärmutterhalskrebs- beziehungsweise Darmkrebs­früherkennung infrage kommenden EU-Bürger Vorsorgeuntersuchungen anzubieten.

Die Diagnostik und Therapie ist der dritte Aktionsbereich. Bis 2030 sollten zum Beispiel 90 Prozent der betroffenen Patienten Zugang zu nationalen onkologischen Spitzenzentren haben, die über ein neues EU-Netz vernetzt sind. Darüber hinaus soll noch in diesem Jahr die neue Initiative „Krebsdiagnostik und Behandlung für alle“ eingeleitet werden, die dazu beitragen soll, den Zugang zu innovativen Krebsdiagnosen und -behandlungen zu verbessern.

Ein vierter Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Lebensqualität von Krebskranken und Krebs­über­lebenden. Zu diesem Bereich gehören die Themen Rehabilitation, wiederauftretende Tumore, me­tas­tasierte Erkrankung sowie Maßnahmen zur Förderung der sozialen Integration und der Wieder­einglie­derung am Arbeitsplatz. Es wird eine Initiative „Besseres Leben für Krebskranke“ ins Leben gerufen, de­ren Schwerpunkt auf der Nachsorge liegt.

Mit dem Start der Initiative „Hilfe für Kinder mit Krebs“ wird zudem ein besonderes Augenmerk auf Kinder gerichtet. Es soll sichergestellt werden, dass sie Zugang zu einer schnellen und optimalen Früherkennung, Diagnose, Behandlung und Versorgung haben.

Zum Hintergrund: Im Jahr 2020 wurde bei 2,7 Millionen Menschen in der Europäischen Union Krebs diagnostiziert, und 1,3 Millionen Menschen sind dieser Krankheit erlegen. Aufgrund von Versäumnissen bezüglich Früherkennung und Diagnostik von Krebserkrankungen während der COVID-19-Pandemie könnte nach Ansicht von Experten die Zahl der Krebsfälle bis 2035 schätzungsweise um 25 Prozent ansteigen, sodass Krebs zur häufigsten Todesursache in der EU wird. © ER/aerzteblatt.de

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