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Medizin

Studie: Ultraverarbeitete Nahrungsmittel fördern Adipositas­entwicklung bei Kindern

Dienstag, 27. Juli 2021

/Brent Hofacker, stockadobecom

London – Je mehr sich Kinder von ultraverarbeiteten Nahrungsmitteln aus dem Supermarkt ernähren, desto dicker sind sie im jungen Erwachsenenalter. Dies zeigen die Ergebnisse einer prospektiven Be­obachtungsstudie aus England in JAMA Pediatrics (JAMA 2021; DOI: 10.1001/jamapediatrics.2021.1573).

Als ultraverarbeitet werden Nahrungsmittel bezeichnet, deren Zusammensetzung für den Verbraucher kaum noch erkennbar ist. Die Zutaten stammen aus einer hochindustrialisierten Landwirtschaft und Viehzucht, die auf maximale Erträge ausgerichtet ist. Die pflanzlichen und tierischen Bestandteile werden zerkleinert und dann chemischen Modifikationen unterzogen, um die Haltbarkeit zu verlängern.

Die gewünschte Konsistenz wird mit Emulgatoren erreicht. Der Geschmack wird durch viel Salz und Vorfrittieren sowie künstlichen Aromen erzeugt, die sich hinter zahlreichen E-Nummern der Zutatenliste verbergen. Den Fertigprodukten werden häufig Einmalzucker zugefügt, da die Kombination aus süß und fettig zu einer vermehrten Nahrungsaufnahme verleitet. Getränke enthalten viel Fruchtzucker, der sich günstig aus Maissirup herstellen lässt.

Die ultraverarbeiteten Nahrungsmittel werden häufig schnell verzehrt. Sie enthalten hohe Kalorien­men­gen, die den Energiebedarf decken, bevor die Sättigung eintritt. Kinder sind für ultraverarbeitete Nah­rungsmittel besonders empfänglich. In den USA und Großbritannien ist der Anteil der ultraver­arbeiteten Nahrungsmittel an der Ernährung von Kindern zuletzt auf 65,4 % und 66,2 % gestiegen.

Unter den Teilnehmern der „Avon Longitudinal Study of Parents and Children“ (ALSPAC) war der Anteil der ultraverarbeiteten Nahrungsmittel noch geringer. Die Studie begleitet seit Ende der 1990er-Jahre eine Kohorte von Kindern seit der Schwangerschaft ihrer Mütter. Im Alter von 7 Jahren hatten die Mütter die Ernährung ihrer Kinder über 3 Tage protokolliert. Nach den Berechnungen von Kiara Chang vom Imperial College London und Mitarbeitern lag der Anteil der ultraverarbeiteten Nahrungsmittel im unteren Quintil bei 23,2 % und stieg im oberen Quintil auf 67,8 % an.

Die Forscher haben den Anteil der ultraverarbeiteten Nahrungsmittel mit dem Körpergewicht bis zum Alter von 24 Jahren in Beziehung gesetzt. Es zeigte sich, dass die Ernährung im Alter von 7 Jahren die spätere Gewichtsentwicklung vorzeichnete.

Das Quintil mit dem höchsten Verzehr von ultraverarbeiteten Nahrungsmitteln hatte im Alter von 24 Jahren einen im Durchschnitt um 1,18 kg/m2 höheren Body-Mass-Index (BMI), einen um 1,53 % höheren Körperfettanteil, ein um 3,66 kg höheres Gewicht und einen um 3,1 cm größeren Taillenumfang.

Die vermehrte Zufuhr von ultraverarbeiteten Nahrungsmitteln könnte nach den Ergebnissen eine wichtige Ursache für die Zunahme der Adipositas bei Kindern und Erwachsenen sein. Laut der britischen Statistikbehörde sind mittlerweile 14,1 % der Kinder im Alter von 10 bis 11 Jahren übergewichtig und weitere 21,0 % adipös.

Im Alter von 25 bis 34 Jahren betragen die Anteile 35 % und 23 %. Sie nehmen im Verlauf des Lebens weiter zu. Ernährungswissenschaftler führen dies auf die Prägung der Essgewohnheiten zurück, die im Kindesalter erfolgt und sich später nur schwer ändern lässt. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #735550
rp__bt
am Dienstag, 27. Juli 2021, 21:58

Ja ja, die Ultraverarbeitung...

...die führt (ganz im Gegensatz zur Verarbeitung ohne Ultra!) in den Nahrungskalorien zu einem ähnlich erstaunlichen Gedächtnis wie das homöopathische Schütteln in den Globuli. Die Kalorien erinnern sich in unserem Körper noch, daß sie aus Gummibärchen, Cola, Milchschnitten oder Pizzaleberkäse stammen, und rächen die vergewaltigte Natur, indem sie für immer auf unseren Hüften sitzen und uns umbringen. Ganz bestimmt.
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