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Intensivmediziner: „Wir gehen dem Ende der dritten Welle entgegen“

Dienstag, 15. Juni 2021

/picture alliance, HANS PUNZ

Berlin – „Wir gehen dem Ende der dritten Pandemiewelle entgegen.“ Das sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), Christian Karagiannidis, heute anlässlich der morgen beginnenden 52. Jahrestagung der DGIIN.

„In den kommenden Tagen wird die magische Grenze von 1.000 Intensivpatienten unterschritten. Ich glaube, dann fällt uns allen ein Stein vom Herzen“, so Karagiannidis. „Wir kommen jetzt heraus aus den Wellenbewegungen der Pandemie und treten ein in eine Phase, in der uns COVID-19 als chronische Erkrankung begleiten wird, wie die jährlich auftretende Grippe.

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Wir werden dabei auch weiterhin COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen sehen, aber die Krankheit wird den Schrecken der Pandemie verlieren.“

Die DGIIN plädierte dafür, nun die Lehren aus der COVID-19-Pandemie zu ziehen und dabei zu analysieren, „was wir gut und was wir schlecht gemacht haben“, so Karagiannidis. „Das ist wichtig, damit wir besser mit kommenden Infektionen umgehen können.“

Für eine solche Analyse brauche es eine breite akademische Unterstützung. Die DGIIN kündigte in diesem Zusammenhang die Erarbeitung eines Weißbuchs an, in dem die Lehren aus der Pandemie für die Notfallversorgung gezogen werden.

Personalschlüssel erhöhen

Karagiannidis betonte, dass die Arbeitsbelastung auf den Intensivstationen insbesondere während der zweiten und dritten Welle der Pandemie phasenweise deutlich zu hoch gewesen sei. „Wenn wir die Patienten weiterhin qualitativ hochwertig versorgen wollen, müssen wir die Arbeitslast auf den Intensivstationen reduzieren.

Dazu gehört die Verbesserung des Personalschlüssels“, sagte er. „Dafür müssen wir davon wegkommen, die Intensivmedizin aus ökonomischen Gesichtspunkten zu betrachten. Die Intensivmedizin ist wie die Polizei und die Feuerwehr ein Teil der Daseinsvorsorge und muss auch so finanziert werden.“

In Skandinavien und den Niederlanden liege der Personalschlüssel auf den Intensivstationen im Unterschied zu Deutschland bei 1:1. Dies berge allerdings den Nachteil, dass weniger Betten betrieben werden könnten. „Das hat sich auch beim durchschnittlichen Alter der COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen gezeigt“, sagte Karagiannidis. „In diesen Ländern lag es teils unter 60 Jahren, weil hier entschieden werden musste, wer ein Intensivbett bekommt.“

Psychologische Betreuung

Der DGIIN-Präsident wünschte sich für die Zukunft eine weitergehende Digitalisierung der Intensivstationen. „Es wäre extrem hilfreich, wenn wir in den Krankenhäusern rund um die Uhr in Echtzeit erfassen würden, wieviel Personal auf den Intensivstationen arbeitet, wie viele Intensivbetten dadurch betrieben werden können und wer in diesen Betten liegt“, sagte er. Eine solche Darstellung müsse aus dem Krankenhausinformationssystem heraus realisiert und nicht mehr individuell in jedem Krankenhaus ins System eingegeben werden.

Zudem sprach sich Karagiannidis für eine psychologische Betreuung der Mitarbeiter von Intensivsta­tionen aus. „Das ist extrem sinnvoll“, betonte er. „Denn viele Mitarbeiter sind während der Pandemie über ihre psychischen und physischen Belastungsgrenzen hinausgegangen. Im Moment wird eine solche Betreuung jedoch nicht aus den DRGs finanziert.“ Künftig müsse die Finanzierung auch eine psychologische Betreuung der Mitarbeiter von Intensivsta­tionen beinhalten.

„Wir brauchen einen wertschätzenden Umgang miteinander“

Der Sprecher der Sektion Pflege der DGIIN, Carsten Hermes, erklärte, was sich die Intensivpflegenden jetzt wünschen. „Zurzeit befinden wir uns in einer Phase, in der die Kolleginnen und Kollegen durchatmen. Ich glaube, das kann jeder nachvollziehen“, sagte er.„Wir müssen nun darüber nachdenken, wie wir künftig mit der Intensivpflege umgehen wollen.

Maßgeblich ist dabei, dass die Intensivpflegenden in ihrer Professionalität anerkennt und gesehen werden möchten.“ Die Personalschlüssel müssten so gestaltet sein, dass die Intensivpflegenden auch in die Lage versetzt würden, die gute Arbeit leisten können, die sie leisten wollen.

„Wir brauchen klare Dienstpläne und die klare Möglichkeit einer Karriereentwicklung“, forderte Hermes. „Wir brauchen eine gerechte Bezahlung. Wir brauchen Entwicklungsmöglichkeiten, bei denen Interessierte durch Praxisanleitungen und Mentorensysteme an die Intensivpflege herangeführt werden.“

In manchen Krankenhäusern werde das schon gelebt, aber nicht in der Fläche. „Und“, so Hermes, „wir brauchen etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte: einen wertschätzenden Umgang miteinander – und auch durch Vorgesetzte.“ © fos/aerzteblatt.de

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