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Medizin

COPD: Deutlich weniger Exazerbationen im Lockdown

Mittwoch, 16. Juni 2021

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

Baltimore – Mit dem Rückgang von Atemwegserkrankungen hat im Lockdown auch die Zahl der Hospita­li­sierungen von Menschen mit chronisch-obstruktiven Atemwegserkrankungen (COPD) abgenommen.

Der Kollateralnutzen der Maßnahmen gegen die COVID-19-Pandemie war laut einer Studie im American Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1016/j.amjmed.2021.05.008) jedoch auf leichte Fälle beschränkt. Die Zahl der Intensivbehandlungen und Todesfälle ist gleich geblieben.

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Bei einem Patienten mit COPD kann bereits ein leichter Infekt zu einer schweren Atemkrise führen. Viele Patienten müssen regelmäßig stationär behandelt werden, was das Gesundheitswesen erheblich belas­tet (die Krankheit ist die vierthäufigste Todesursache).

Nach dem Lockdown, der im US-Staat Maryland am 30. März 2020 mit einer „Stay-at-home“-Order begann, am 18. April folgte eine allgemeine Maskenpflicht, ist die Zahl der Krankenhausbehandlungen von COPD-Patienten in dem US-Staat schlagartig zurückgegangen.

Waren in den Vorjahren zwischen April und September an den 13 Kliniken der University of Maryland in Baltimore noch 13.695 Patienten behandelt worden, waren es 2020 in den gleichen Monaten nur noch 4.892 Patienten.

Ein Team um den Pneumologen Robert Reed ermittelt in einer „Differenz-von-Differenzen“-Analyse einen Rückgang um 53 %. Ein Teil war sicherlich darauf zurückzuführen, dass Patienten aus Angst vor COVID-19 den Kontakt zu Ärzten und Krankenhäusern mieden. Tatsächlich wurden ab April auch weniger Patienten mit dekompensierter Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus oder Herzinfarkt im Krankenhaus behandelt. Der Rückgang fiel mit 36 % jedoch deutlich geringer aus.

Dass bei der COPD andere Faktoren eine Rolle spielten, zeigte sich in einer engen Korrelation mit der zurückgegangenen Zahl der positiven Labortests auf Influenzaviren, Parainfluenzavirus, respiratorisches Synzytialvirus, Nicht-SARS-Coronaviren und das humane Metapneumovirus, die den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) aus Maryland gemeldet wurden.

Auffallend war, dass die wenigen COPD-Patienten, die im Lockdown wegen einer Exazerbation in der Klinik behandelt werden mussten, mit 62,7 Jahren versus 55,3 Jahren deutlich älter waren. Reed vermu­tet deshalb, dass Patienten mit fortgeschrittener COPD keinen Nutzen vom Lockdown hatten. Tatsächlich hatte es bei den schweren COPD-Exazerbationen, die einen Aufenthalt auf der Intensivstation erforder­lich machten, und bei den Todesfällen keinen Rückgang gegeben.

Reed geht davon aus, dass mit dem Ende des Lockdowns auch die Zahl der COPD-Exazerbationen und damit der Klinikbehandlungen wieder zunehmen wird. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #766774
Wolff-B-HH
am Donnerstag, 17. Juni 2021, 07:55

@ BB-DD

Danke für die Anmerkung - dieses "entgegengesetzt-parallel" war auch deutlich bei Influenza zu erkennen. Auch etwas, was im Zuge der Evaluation verschiedener Aspekte unter die Lupe gehört.
Avatar #831974
BB-DD
am Mittwoch, 16. Juni 2021, 15:18

COPD vs. Corona

Das Phänomen gab es in Deutschland ebenfalls (siehe "Analysen zur Erlössituation und zum Leistungsgeschehen von Krankenhäusern in der Corona-Krise" Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium). Erstaunlicherweise verlief der Rückgang der COPD-Diagnosen gegenüber 2019 und der Anstieg der Coronadiagnosen entgegengesetzt parallel. Die ähnliche Größenordnung ist auch erstaunlich. Gleiches Krankheitsbild, andere Diagnose, weil positiver Coronatest???
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