NewsMedizinUSA: Erste SARS-CoV-2 Infektionen vielleicht schon Ende Dezember 2019
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

USA: Erste SARS-CoV-2 Infektionen vielleicht schon Ende Dezember 2019

Mittwoch, 16. Juni 2021

/Pavel, stock.adobe.com

Baltimore – Das neue Coronavirus, das heute als SARS-CoV-2 bezeichnet wird, könnte bereits im Dezem­ber 2019 in den USA aufgetreten sein, einen Monat früher als bisher angenommen. US-Forscher haben Antikörper bei Teilnehmern einer landesweiten Biobank-Studie nachgewiesen, wie sie in Clinical Infectious Diseases (2021; DOI: 10.1093/cid/ciab519) berichten.

Die „All of Us“-Initiative gehört zu den Biobank-Studien, die in den letzten Jahren in verschiedenen Län­dern begonnen wurden. Das bekannteste Beispiel ist die UK Biobank, die Blutproben zu einer halben Million Briten gesammelt hat. Die „All of Us“-Initiative, die unter der Obama-Administration geplant wur­de, strebt mehr als 1 Million Teilnehmer an. Das Forschungsprogramm wurde im Mai 2018 begonnen. Bis zum 18. März 2020, als die Teilnahme wegen des Lockdowns vorläufig gestoppt wurde, waren bereits mehr als 300.000 Blutproben archiviert worden.

Anzeige

Ein Team um Keri Althoff von der Bloomberg School of Public Health in Baltimore hat jetzt in den Blut­proben nach Antikörpern gegen SARS-CoV-2 gesucht. Die Forscher begannen mit Blutproben aus den ersten beiden Märzwochen und arbeiteten sich langsam in die Vergangenheit zurück. Die Studie sollte gestoppt werden, wenn keine positiven Antikörpertests mehr gefunden wurden. Dieses schrittweise Vorgehen sollte dazu beitragen, falsch-positive Ergebnisse zu vermeiden, deren Wahrscheinlichkeit mit der Zahl der untersuchten Blutproben ansteigt.

Eine weitere Maßnahme war, dass alle positiven Tests durch einen 2. Test überprüft wurden. Der 1. Test war ein ELISA-Test der Firma Abbott, die Kontrolle erfolgte mit einem Test der Firma EUROIMMUN. Beide sind von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassen und zeichnen sich durch eine hohe Zuverlässigkeit aus. Sie weisen außerdem Antikörper gegen unterschiedliche Epitope von SARS-CoV-2 nach, was eine weitere Sicherung gegen falsch-positive Ergebnisse ist.

Der Abbott-Test fiel bei 147 von 24.079 Proben positiv aus. Nur 9 waren auch im Bestätigungstest von EUROIMMUN positiv. Wie Althoff berichtet, waren 7 der 9 doppelt-positiven Blutproben zu einem Zeit­punkt entnommen worden, in denen es in den Bundesstaaten noch keine offiziell bestätigten Fälle gab.

Die früheste positive Blutprobe war am 7. Januar in Illinois entnommen worden, die nächste am 8. Januar in Massachusetts. In Illinois gab 2 weitere Fälle am 20. und 22. Januar. Die anderen Blutproben wurden am 3. Februar in Wisconsin, am 15. Februar in Pennsylvania und am 6. März in Mississippi entnommen.

Sollten die beiden ersten Proben nicht doch falsch-positiv sein, was Althoff für äußerst unwahrschein­lich hält, dann könnten die ersten Infektionen bereits Ende Dezember 2019 in den USA aufgetreten sein. Denn von der Infektion bis zur Bildung von Antikörpern vergehen in der Regel 1 bis 2 Wochen.

Die Forscher haben die betroffenen Personen nicht kontaktiert. Sie wissen also nicht, ob sie sich zuvor in China aufgehalten hatten oder ob sie Kontakt zu anderen Infizierten hatten, wie dies bei den bisher früh­es­ten 12 Infizierten der Fall war, bei denen zwischen dem 20. Januar und dem 5. Februar eine Infektion im PCR-Test aufgefallen war, also während der aktiven Phase der Infektion (Nature Medicine, 2020; DOI: 10.1038/s41591-020-0877-5)

Die neuen Ergebnisse passen zu anderen Berichten und Studien von früheren Untersuchungen. So hatten phylogenetische Analysen, die aus den genetischen Unterschieden im Erbgut von SARS-CoV-2 unter der Annahme einer bestimmten Mutation das Alter des gemeinsamen Vorfahren berechnen, den Beginn der Epidemie in China zwischen Oktober und Dezember 2019 datiert. In dieser Zeit hätte es angesichts des intensiven Flugverkehrs zahlreiche Gelegenheiten gegeben, um das Virus in den USA einzuschleppen.

Weitere Hinweise auf einen früheren Beginn der Epidemie sind die Todesfälle von 2 Personen aus Kali­for­nien, die am 6. und 17. Februar 2020 vermutlich an COVID-19 gestorben waren, ohne dass bei ihnen eine frühere Reise nach China bekannt war (MMWR, 2020; 69; 680-684).

Auch eine aktive Infektion bei einem Passagier oder Besatzungsmitglied eines Kreuzfahrtschiffs, das am 11. Februar 2020 San Francisco verließ, deutet darauf hin, dass die Epidemie bereits eine Weile im Hin­ter­grund schwelte, bevor ein Anstieg mit den Tests nachgewiesen wurde, an denen damals noch ein Man­gel bestand.

In einer weiteren Studie waren vereinzelt Antikörper gegen SARS-CoV-2 in Blutspenden entdeckt wor­den, die zwischen dem 13. Dezember und dem 17. Januar bei Einwohnern von 9 Bundesstaaten gesam­melt wurden (Clinical Infectious Diseases 2020; DOI: 10.1093/cid/ciaa1785). © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER