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Medizin

Adjuvante Therapie des NSCLC durch Checkpoint-Inhibitor verbessert

Donnerstag, 17. Juni 2021

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Alexandria – Die adjuvante Therapie früher Stadien des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms ist bislang auf die Chemotherapie angewiesen, die nur einen bescheidenen Überlebensvorteil bringt. Eine zusätz­li­che Immuntherapie mit einem PD-L1-Immuncheckpoint-Inhibitor könnte hier einen deutlichen Fort­schritt bringen, wie eine bei der virtuellen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellte Phase-III-Studie zeigt.

Patienten mit frühen Stadien eines NSCLC, das vollständig reseziert werden konnte, profitieren von einer adjuvanten Chemotherapie auf Platinbasis, die deshalb in der S3-Leitlinie auch empfohlen wird. Aller­dings ist der Nutzen relativ bescheiden – sowohl beim krankheitsfreien Überleben (Hazard Ratio 0,84; 95 %-Konfidenzintervall 0,78–0,91) als auch beim Gesamtüberleben (HR 0,89; 95 %-KI 0,82–0,96); die Überlebensraten nach 5 Jahren werden durch die Chemotherapie um 4–5 % verbessert.

Beim frühen NSCLC mit EGFR-Mutationen wurde neuerdings ein erheblicher krankheitsfreier Überle­bens­vorteil durch den EGFR-Inhibitor Osimertinib festgestellt (NEJM 2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2027071), aber für alle übrigen Formen dieses Tumors ist die adjuvante Situation noch sehr unbefriedigend.

Deshalb wurden in der Phase-III-Studie IMpower010 über 1.200 Patienten mit NSCLC in den Stadien IB (Tumor ≥ 4 cm)–IIIA und einem ECOG-Performancestatus von 0 oder 1 randomisiert, nach maximal 4 Zyklen einer platinbasierten Chemotherapie entweder 16 Zyklen des PD-L1-Inhibitors Atezolizumab (1.200 mg alle 3 Wochen) oder die beste verfügbare Supportivtherapie zu erhalten.

Der statistische Plan sieht vor, dass der primäre Endpunkt des krankheitsfreien Überlebens und der sekundäre Endpunkt des Gesamtüberleben in einer hierarchischen Reihenfolge getestet werden sollen: Das krankheitsfreie Überleben wird zunächst in der Subgruppe von Patienten mit Stadium II–IIIA und einer PD-L1-Expression von ≥ 1 % ermittelt; sollte sich hier ein signifikanter Vorteil ergeben, werden alle randomisierten Patienten mit Stadium II–IIIA ausgewertet, danach die gesamte Intention-to-treat-Popu­lation (Stadium IB–IIIA), und zum Schluss, wenn diese Parameter positiv ausfallen, soll das Gesamt­überleben in der Gesamtpopulation folgen.

Beim ASCO-Kongress stellte Heather Wakelee, Stanford, die Resultate zu den beiden ersten Endpunkten vor (JCO 2021; DOI: 10.1200/JCO.2021.39.15_suppl.8500; ClinicalTrials.com: NCT02486718): Beim krankheitsfreien Überleben in der PD-L1-positiven Subgruppe (PD-L1 ≥ 1 %) mit Stadium II–IIIA war der Medianwert im Atezolizumabarm noch nicht erreicht, im Kontrollarm betrug er 35,3 Monate (HR 0,66); der Unterschied war signifikant (p = 0,004).

In der Gesamtpopulation mit Stadium II–IIIA, unabhängig von der PD-L1-Expression, fiel der Vorteil durch den Antikörper mit median 42,3 versus 35,3 Monaten weniger hoch aus (HR 0,79; p = 0,02). Der Subgruppenanalyse zufolge schien der PD-L1-Expressionstatus tatsächlich eine wichtige Rolle zu spielen: Patienten ohne jede Expression (< 1 %) hatten keinen Vorteil von Atezolizumab (HR 0,97; 95 %-KI 0,72–1,31), während er bei denen mit PD-L1 ≥ 50 % noch höher ausfiel (HR 0,43; 95 %-KI 0,27–0,68) als bei denen mit PD-L1 ≥ 1 % (HR 0,66; 95 %-KI 0,49–0,87).

In der 3. Stufe der Analyse, bei der gesamten ITT-Population (Stadien IB–IIIA) war der Medianwert des krankheitsfreien Überlebens im Atezolizumabarm noch nicht erreicht, im Kontrollarm betrug er 37,2 Monate; mit einer Hazard Ratio von 0,81 und einem p-Wert von 0,04 ist die Grenze zur Signifikanz in dieser Interimsanalyse formal noch nicht überschritten, so Wakelee.

Die Daten zum Gesamtüberleben sind in diesem Stadium noch nicht reif und wurden daher nicht formal berechnet; eine informelle Analyse ergab für die PD-L1-positiven (≥ 1 %) Patienten mit den Stadien II–IIIA lediglich einen Trend zu einer Überlegenheit des Atezolizumab-Arms (HR 0,77; 95 %-KI 0,51–1,17).

Das Sicherheitsprofil von Atezolizumab bot keine neuen Aspekte: Etwa doppelt so viele Patienten wie im Kontrollarm erlebten hier Grad-3/4-Nebenwirkungen (21,8 % vs. 11,5 %); immunvermittelte Nebenwir­kungen vom Grad 3 oder 4 waren unter Atezolizumab mit 7,9 % versus 0,6 % deutlich häufiger. 4 Patien­ten im Verumarm verstarben an immunvermittelten Toxizitäten.

Die Ergänzung der adjuvanten Therapie eines NSCLC im Stadium II–IIIA über die Chemotherapie hinaus um den PD-L1-Inhibitor Atezolizumab verlängert signifikant den primären Endpunkt des krankheits­freien Überlebens, insbesondere für die Patienten mit PD-L1-positiven Tumoren.

Für diese Patienten könnte sich die zusätzliche Immuntherapie damit als praxisverändernde Neuerung in der adjuvanten Behandlung erweisen. Krankheitsfreies und Gesamtüberleben in der Gesamtpopulation einschließlich der Patienten mit Stadium IB sind noch nicht reif für die Analyse, werden aber weiterver­folgt. © jfg/aerzteblatt.de

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