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Politik

Wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser weiter verschlechtert

Mittwoch, 16. Juni 2021

/zenstock, stock.adobe.com

Berlin – Die wirtschaftliche Lage der deutschen Krankenhäuser hat sich im Jahr 2019 weiter verschlech­tert. Das geht aus dem Krankenhaus Rating Report hervor, der heute auf dem Hauptstadtkongress in Berlin vorgestellt wurde.

Demnach lagen 13 Prozent der Krankenhäuser im „roten Bereich“, der in dem Report eine erhöhte Insol­venzgefahr darstellt. In den Jahren 2017 und 2018 waren es noch elf Prozent gewesen, im Jahr 2016 vier Prozent. Auch die Zahl der Krankenhäuser mit einem negativen Jahresergebnis ist von 17,6 Prozent im Jahr 2016 auf 33,3 Prozent im Jahr 2019 angestiegen.

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Die Zahl der Krankenhäuser im „grünen Bereich“ sank von 82 Prozent im Jahr 2016 auf 60 Prozent im Jahr 2019. „Ausschlaggebend für die schlechte wirtschaftliche Lage dürfte die seit 2017 anhaltende Stagna­tion der Leistungsmenge gewesen sein“, heißt es in dem Report.

„Aufgrund der COVID-19-Pandemie sank im Jahr 2020 die stationäre Fallzahl zudem um dramatische 13 Prozent, in den ersten Monaten der Pan­de­mie vorübergehend sogar um 30 Prozent. Auch im Jahr 2021 dürfte die Ausnahmesituation mit deut­lich geringerer Leistungsmenge als 2019 bestehen bleiben.“

Krankenhäuser: Fallzahlen bleiben niedrig

Die Fallzahlen in den deutschen Krankenhäusern stagnierten im Jahr 2019. Auch deshalb hatten mehr Häuser als im Vorjahr ein erhöhtes Insolvenzrisiko. Dabei hatten kommunale Krankenhäuser weiterhin die größten Probleme und private Träger die geringsten. Die wirtschaftliche Lage der deutschen Krankenhäuser hat sich auch im Jahr 2019 weiter verschlechtert. Das geht aus dem aktuellen Krankenhaus

„Große Krankenhäuser haben typischerweise ein besseres Rating als kleine“, schreiben die Autoren des Reports. „Dabei erreichen Krankenhäuser mit einer Bettenzahl zwischen 600 und 900 beziehungsweise mit Umsatzerlösen zwischen 140 und 190 Millionen Euro die beste Ertragslage – ausgenommen Fach­kliniken.“

Ein hoher Grad an Spezialisierung beeinflusse das Rating ebenso positiv wie die Zugehörigkeit zu einer Kette. Kliniken in freigemeinnütziger und privater Trägerschaft schnitten zudem im Allgemeinen beim Rating und der Ertragslage deutlich besser ab als öffentlich-rechtliche Kliniken.

Investitionskosten bleiben zu niedrig

Die Investitionskosten, die die Bundesländer den Krankenhäusern überweisen, bleiben weiterhin niedrig. Im Jahr 2019 lagen sie dem Report zufolge bei 3,16 Milliarden Euro. Das ist zwar ein Plus von 3,8 Pro­zent im Vergleich zum Vorjahr, aber deutlich weniger als im Jahr 1991. Damals machten die Investitions­kosten bezogen auf die Krankenhauserlöse einen Anteil von zehn Prozent aus. 2019 war es noch ein Anteil von 3,5 Prozent.

„Zum Erhalt der Unternehmenssubstanz sollten jährlich sieben bis acht Prozent der Erlöse in Investi­tio­nen fließen“, heißt es im Report. „Der jährliche förderfähige Investitionsbedarf der Plankrankenhäuser zum Substanzerhalt liegt bei mindestens 5,5 Milliarden Euro, zuzüglich Universitätskliniken bei 6,3 Milliarden Euro. Krankenhäuser schließen diese Lücke teilweise aus eigener Kraft, was ihnen aufgrund der sich verschlechternden Ertragslage, aber auch aufgrund der Ausgliederung von zweckgebundenen Pflegebudgets inzwischen weniger gut gelingt.“

Umschichtungen in den Krankenhäusern

Boris Augurzky vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, einer der Autoren des Reports, kriti­sierte die Herausnahme der Pflegepersonalkosten aus den diagnosebezogenen Fallpauschalen (DRG).

„Die Installation eines Selbstkosten­deckungssystems in einem Unternehmen ist eine tolle Sache für das Management. Man kann sagen: Ich stelle ein und jemand anderes zahlt die Löhne“, sagte Augurzky. „Das hat aber zur Folge, dass das Pflege­budget wie ein schwarzes Loch wirkt, das alles einsaugt, was sich in seiner Nähe befindet. Entsprechende Umschichtungen innerhalb der Belegschaft haben bereits 2019 begonnen.“

Zahlen des Statistischen Bundesamts zufolge gab es im pflegerischen Dienst zwischen 2014 und 2018 kontinuierlich einen Zuwachs von einem Prozent. Im Jahr 2019 lag der Zuwachs hingegen bei 4,2 Pro­zent. Im selben Jahr gab es im Funktionsdienst 1,4 Prozent weniger Vollkräfte als im Vorjahr, während der Zuwachs in diesem Bereich zwischen 2014 und 2018 bei etwa zwei Prozent lag.

Fluktuation in der Pflege steigt

„Das ist nicht verwunderlich und es wird nur die Vorhut sein der Entwicklungen des Jahres 2020 sein“, so Augurzky. „Aus Sicht des Krankenhauses ist eine solche Umschichtung auch ein völlig richtiges Verhalten. Es ist also nicht die Frage, ob die Krankenhäuser in diesem Bereich Mist bauen, sondern ob die Politik Mist gebaut hat.“ Augurzky mutmaßte, dass das Pflegebudget in den kommenden zwei bis drei Jahren wieder gesetzlich modifiziert wird.

Dem Report zufolge nimmt auch der Wettbewerb um die Pflegekräfte am Arbeitsmarkt zu. „Die jährliche Fluktuationsrate sank im ärztlichen Dienst von 24 Prozent in den Jahren 2004 bis 2006 auf 23 Prozent in den Jahren 2014 bis 2016“, erklärte Adam Pilny vom RWI, einer der Autoren des Reports. „Im Pflegedienst stieg die Fluktuationsrate im selben Zeitraum hingegen von 14 auf 17 Prozent an.“ Jede sechste Pflege­kraft wechsle insofern in einem Jahr den Job.

Mehr Ärzte in Teilzeit

Im ärztlichen Dienst arbeiten zudem immer mehr Ärzte in Teilzeit. „Im vertragsärztlichen Bereich stieg der Teilzeitanteil von acht Prozent im Jahr 2009 auf 38 Prozent im Jahr 2020“, heißt es in dem Report. „Überdies arbeiten immer mehr ambulant tätige Ärzte in einem Angestelltenverhältnis. Im Jahr 2008 waren es sechs Prozent, im Jahr 2020 schon 24 Prozent.“

Datengrundlage des Krankenhaus Rating Reports sind 550 Jahresabschlüsse von Krankenhäusern aus dem Jahr 2018 und 547 aus dem Jahr 2019. Sie umfassen insgesamt 951 Krankenhäuser. Der Report wird gemeinsam vom RWI und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit der Bank im Bistum Essen und der Healthcare Information and Management System Society (HIMSS) erstellt. © fos/EB/aerzteblatt.de

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