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Politik

Anstieg der Delta-Variante in Baden-Württemberg

Mittwoch, 16. Juni 2021

/studio11japan, stock.adobe.com

Berlin/Stuttgart – Die als hoch ansteckend geltende Delta-Variante des Coronavirus SARS-CoV-2 breitet sich in Baden-Württemberg aus. Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes in Stuttgart gab es in den vergangenen zwei Wochen einen leichten Anstieg der Delta-Variante.

Aktuell habe sie einen Anteil an den besorgniserregenden Virus-Varianten von 2,73 Prozent, teilte Gott­fried Roller, Leiter des Landesgesundheitsamtes, heute mit. „Das ist noch moderat, jedoch gehen wir der­zeit davon aus, dass der Anteil noch steigen wird“, fügte er hinzu. Deshalb sei es auch weiterhin wichtig, sich an die geltenden Coronaregeln zu halten.

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Im Zusammenhang mit der Delta-Variante wurde außerdem bekannt, dass sich seit gestern alle etwa 150 Kinder sowie 45 Mitarbeiter einer Kita in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) in Quarantäne begeben haben. Wie eine Sprecherin des Landkreises auf Anfrage mitteilte, waren zwei Gruppen der Kita nach ersten po­sitiven Tests bereits seit 7. Juni in Quarantäne. Weil zunächst unklar war, ob womöglich Infektionen mit der Delta-Variante vorliegen, seien damals die Mädchen und Jungen sowie einige ihrer Familienmitglie­der in Quarantäne gegangen.

Nachdem inzwischen ein Verdacht auf die Delta-Variante vorliegt und weitere Coronainfektionen in dem Kinderhaus festgestellt wurden, beschlossen Gesundheitsamt und Stadt, für alle Kinder und Mitarbeiter Quarantäne anzuordnen. Es könne auch bei den jüngsten Fällen nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei den Infektionen um die Delta-Variante handele, sagte die Sprecherin des Landkreises. Ein Ergeb­nis der Sequenzierung lag zunächst nicht vor. Zuvor hatte der SWR über die Fälle in dem Kinderhaus berichtet.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach rechnet damit, dass die Delta-Variante des Coro­navirus SARS-CoV-2 im Herbst auch in ganz Deutschland wieder zu mehr Ansteckungen führen wird. „Ich bin ganz sicher, dass wir in Deutschland auch noch die Delta-Variante bekommen werden“, sagte der Epide­mi­ologe gestern Abend in der Fernsehsendung „rbb Spezial“.

Das werde im Herbst zu Problemen führen. Zwar sei die Saisonalität dieser Variante viel ausgeprägter als ursprünglich angenommen, wie eine neue Studie der Oxford Universität bestätigt habe. Das bedeute, im Sommer sei das Risiko, sich anzustecken viel geringer.

Dennoch ist die Variante laut Lauterbach in dreifacher Hinsicht problematisch: Sie sei deutlich ansteck­ender, führe zu einem schwereren Verlauf und sei zum Teil resistent gegen die Impfung, insbesondere wenn nur einmal geimpft wurde. „Aber ich hoffe, dass dann bei uns eben schon so viele doppelt geimpft sein werden, dass es keine so große Welle mehr gibt“, so der SPD-Gesundheitsexperte.

Die Herdenimmunität könne zwar bei den Erwachsenen bis September erreicht werden, betonte Lauter­bach. Doch wenn 80 Prozent immunisiert seien, heiße das nicht, dass die restlichen 20 Prozent sich nicht mehr anstecken könnten.

Der SPD-Politiker sprach sich deshalb dafür aus, dass auch Kindern ein Impfangebot gemacht wird. „Ge­rade bei der Delta-Variante haben wir in England gesehen, dass von den infizierten Kindern ein Pro­zent so schwer erkranken, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Das ist keine Kleinigkeit.“

Auch Long COVID spiele eine Rolle, so der SPD-Gesundheitspolitiker. Von daher finde er es problema­tisch, „wenn wir uns Erwachsene schützen durch eine Impfung, und überlassen die Kinder der Krankheit“, sagte Lauterbach. „Das ist nicht richtig.“

Wegen der Ausbreitung der zuerst in Indien aufgetretenen Delta-Variante wollen die Bundesländer einem Bericht zufolge strengere Einreisevorschriften durchsetzen. Dies geht aus einem Beschlussentwurf für die heute tagende Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz (GMK) hervor. © afp/dpa/aerzteblatt.de

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