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Medizin

Monoklonale Antikörper senken Sterberisiko von seronegativen COVID-19-Patienten

Donnerstag, 17. Juni 2021

/Siarhei, stock.adobe.com

Oxford – Die monoklonalen Antikörper Casirivimab und Imdevimab sind offenbar in der Lage, bei hospi­ta­­lisierten Patienten mit schwerem COVID-19-Verlauf, die selbst keine ausreichende Antikörper­antwort aufbauen, das Sterberisiko zu senken. Dies zeigen vorläufige Ergebnisse aus der COVID-19-Therapiestudie RECOVERY, die auf dem Preprintserver medRxiv veröffentlicht wurden (DOI: 10.1101/2021.06.15.21258542v1).

Laut Seniorautor Martin Landray, Professor für Medicine and Epidemiology an der University of Ox­ford, ist es „das erste Mal, dass für eine antivirale Therapie gezeigt wurde, dass sie das Leben von hospi­ta­lisierten COVID-19-Patienten retten kann“.

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Künftig könnten Patienten, die wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt werden müssen, basierend auf ihrem Antikörperstatus in 2 Gruppen eingeteilt werden, kommentierte Fiona Watt, Executive Chair des britischen Medical Research Council. Bildeten sie keine eigenen Antikörper gegen SARS-CoV-2, könne eine Behandlung mit dem Antikörperpräparat ihr Sterberisiko senken. Hätten sie dagegen eigene Anti­kör­per, dann wisse man jetzt, dass sie nicht von den Antikörpern profitieren würden. „Angesichts der Kos­ten für diese Medikamente ist das eine wichtige Information“, so Watts.

Verglichen wurden 9.785 Krankenhauspatienten mit COVID-19, die randomisiert entweder nur die Stan­dardtherapie oder zusätzlich zur Standardtherapie das Antikörperpräparat (Casirivimab 4g plus Imdevi­mab 4g per Infusion) erhalten hatten.

Seronegativität mit erhöhter Mortalität assoziiert

Etwa 1/3 der eingeschlossenen Patienten war zu Studienbeginn seronegativ, hatte also keine eigenen Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet. Die restlichen Studienteilnehmer hatten eine eigene Antikörper­antwort aufgebaut oder ihr Serostatus war unbekannt.

In der Gruppe mit alleiniger Standardtherapie lag die 28-Tage-Mortalität bei denjenigen, die zu Studien­beginn seronegativ gewesen waren, mit 30 % doppelt so hoch wie bei den anfangs seropositiven Studien­teilnehmern (15 %).

In der Gruppe, die zusätzlich mit den monoklonalen Antikörpern behandelt worden war, waren diese in der Lage, die 28-Tage-Mortalität um 1/5 zu reduzieren – im Vergleich zur Gruppe mit alleiniger Standard­therapie (24 vs. 30 %; Rate Ratio [RR] 0,80 [95-%-KI 0,70-0,91]; p=0,001.

Aus diesen Zahlen lässt sich ableiten, dass sich durch die Gabe der Kombination aus Casirivimab und Im­de­vimab pro 100 behandelte Patienten 6 Todesfälle verhindert lassen könnten.

Nutzen nur bei Patienten ohne eigene Antikörper

Die Autoren der Studie heben hervor, dass wahrscheinlich nur Patienten ohne eigene Antikörperantwort von der Behandlung mit dem Antikörperpräparat profitieren. Wurden alle Patienten – seronegativ, sero­positiv und unbekannter Status – gemeinsam analysiert, war nämlich kein signifikanter Effekt auf die 28-Tage-Mortalität mehr messbar: In der mit Antikörpern behandelten Gruppe verstarben 20 % der Patien­ten, in der Gruppe mit alleiniger Standardtherapie waren es 21 % (RR 0,96 [95-%-KI 0,86-1,03]; p=0,17).

Über den positiven Effekt auf die Mortalität hinaus war die Behandlung mit dem Antikörperpräparat bei den seronegativen Patienten auch mit einer Verkürzung des Kranken­haus­auf­enthaltes um 4 Tage asso­ziiert (median 13 vs. 17 Tage). Außerdem war in der Antikörpergruppe der Anteil der an Tag 28 lebend aus dem Krankenhaus entlassenen Patienten höher (64 % vs. 58 %; RR 1,19 [95-%-KI 1,08-1,30]).

Bei den zu Studienbeginn nicht invasiv mechanisch beatmeten, seronegativen Patienten war darüber hinaus das Risiko, den zusammengesetzten Endpunkt aus invasiver mechanischer Beatmung oder Tod zu erreichen, niedriger, wenn sie zusätzlich mit den monoklonalen Antikörpern behandelt worden waren (30 % vs. 37 %; RR 0,83 [95-%-KI 0,75-0,92]).

Auch diese Vorteile der Antikörperbehandlung waren nicht mehr zu beobachten, wenn alle Patienten gemeinsam – unabhängig von ihrem Antikörperstatus – analysiert wurden.

Die Antikörperkombination aus Casirivimab und Imdevimab steht – trotz noch fehlender Zulassung – auch in Deutschland für die Behandlung von COVID-19-Patienten zur Verfügung. Der Bund hatte bereits im Januar mehrere 100.000 Dosen des Präparats der US-Firma Regeneron zentral beschafft, von denen bisher nur einige 1.000 abgerufen wurden. © nec/aerzteblatt.de

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