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Medizin

SARS-CoV-2: Heterologe Impfung verbessert Immunität

Mittwoch, 16. Juni 2021

/ShDrohnenFly, stock.adobe.com

Homburg/Saar – Eine heterologe Impfung, bei der jüngere Patienten zuerst den Vektor-basierten Impfstoff Vaxzevria von Astrazeneca erhalten und die Auffrischung später mit einem mRNA-Impfstoff erfolgt, hat in einer labormedizinischen Studie in medRxiv (2021; DOI: 10.1101/2021.06.13.21258859) eine bessere Immunantwort erzielt als eine homologe Impfung mit Vaxzevria.

Die stärkere Immunogenität ging allerdings mit einem Anstieg der systemischen Nebenwirkungen ein­her. In beiden Punkten war die heterologe Impfung mit einer 2-maligen Impfung mit einem mRNA-Impfstoff vergleichbar. Das Auftreten einer Vakzine-induzierten prothrombotischen Immunthrombo­zytopenie (VIPIT) bei jüngeren Menschen hat die Ständige Impfkommission (STIKO) im Mai veranlasst, den Impfstoff Vaxzevria nur noch für Personen ab 60 Jahren zu empfehlen.

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Für viele jüngere Personen, die bereits eine 1. Dosis von Vaxzevria erhalten hatten, bedeutet dies einen Wechsel auf einen mRNA-Impfstoff und damit eine heterologe Impfung, über dessen Schutzwirkung es derzeit keine Evidenz aus klinischen Studien gibt.

Eine erste Abschätzung ermöglichen Labortests, die die Auswirkungen auf immunologische Parameter von B-Zellen und T-Zellen untersuchen. Ein Team der Berliner Charité hatte hierzu in den letzten Tagen bereits erste Ergebnisse vorgestellt. Sie zeigten, dass die heterologe Impfung die Antikörperproduktion der B-Zellen fördert und die Reaktion der T-Zellen auf ein Niveau verbessert, wie es bei einer 2-maligen Impfung mit mRNA-Impfstoffen erreicht wird. Immunologen vom Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg kommen jetzt zu ähnlichen Ergebnissen.

Ein Team um Martina Sester, die am UKS die Abteilung für Transplantations- und Infektionsimmuno­logie leitet, hat 2 Wochen nach der 2. Dosis die Immunität von 216 Klinikangehörigen untersucht: 97 Personen hatten eine heterologe Impfung erhalten, die übrigen waren 2 Mal (homolog) mit Vaxzevria (55) oder einem mRNA-Impfstoff von Biontech beziehungsweise Moderna (64) geimpft worden.

Bei 215 von 216 Personen wurden nach Abschluss der Impfung Spike-spezifische IgG-Antikörper nach­gewiesen. Dabei erzielte die heterologe Impfung ähnliche Antikörperwerte (3.602 BAU/ml) wie die homo­loge Impfung mit einem mRNA-Impfstoff (4.932 BAU/ml). Nach der 2-maligen Impfung mit Vaxzevria war die Antikörperproduktion deutlich geringer (404 BAU/ml).

Diese Unterschiede wurden auch für die neutralisierende Antikörperaktivität beobachtet: Während die meisten Impflinge nach der heterologen Impfung eine 100 prozentige Inhibition erzielten, war der Anteil nach einer 2-fachen Impfung mit Vaxzevria deutlich geringer. In der Zahl der Plasmablasten, den Vorläu­fern der Antikörper-bildenden Plasmazellen, gab es dagegen kaum Unterschiede. Diese Zellen werden laut Sester bereits nach der 1. Impfdosis in größerer Anzahl gebildet.

Auch in der T-Zell-Antwort erzielte die heterologe Impfung teilweise bessere Ergebnisse: Die Reaktion der spezifischen CD8-T-Zellen (die vom Virus infizierte Zellen abtöten) war nach der heterologen Impfung sogar signifikant stärker als nach den beiden homologen Impfungen. Bei den CD4-Zellen (die die Antikörperbildung unterstützen) war die Reaktion gleich stark wie nach der homologen Impfung mit mRMA-Impfstoffen. Die homologe Impfung mit Vaxzevria erzielte dagegen eine abgeschwächte Wirkung.

Bei beiden Zellarten hatte die Impfstoffkombination von Astrazeneca und Biontech sowie die 2-fache Biontech-Impfung eindeutig die Nase vorn, kommentiert Sester die Ergebnisse. Es zeige sich, dass die 2-fache Astrazeneca-Impfung die Immunabwehr weniger mobilisiere als die beiden anderen Varian­ten. Das bedeute aber nicht, dass homolog mit Vaxzevria geimpfte Personen keinen ausreichenden Impf­schutz erzielen. Die Zulassungsstudien hätten für diese Impfstrategie schließlich eine hohe Effektivität belegt.

In einer vorsichtigeren Interpretation zeigen die Ergebnisse, dass der durch die STIKO-Empfehlung bei jüngeren Menschen erforderliche Wechsel von Vaxzevria auf einen mRNA-Impfstoff zu keinen Einbußen bei der Immunreaktion führt. Es könnte sogar zu einer Verbesserung der Impfstoffwirkung kommen. Beweisen ließe sich dies allerdings nur in einer klinischen Studie, die derzeit nicht in Sicht ist.

Eine mögliche Folge der erhöhten Immunität könnte eine etwas schlechtere Verträglichkeit der 2. Dosis sein. Die Lokalreaktionen am Arm fielen zwar gleich aus. Die Schmerzen waren nach der 2. Gabe von Vaxzevria sogar geringer. Bei den systemischen Nebenwirkungen kam es dagegen zu einem leichten Anstieg von Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Myalgie oder Arthralgie.

Die Teilnehmer berichteten auch über einen häufigeren Gebrauch von Antipyretika, wenn sie von Vax­zevria auf einen mRNA-Impfstoff gewechselt hatten. Die systemischen Nebenwirkungen waren jedoch nicht stärker ausgeprägt als in der Gruppe, die bei beiden Impfterminen einen mRNA-Impfstoff erhalten hatten. Die Ergebnisse stimmen übrigens auch hier weitgehend mit der Studie der Berliner Charité überein. © rme/aerzteblatt.de

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