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Medizin

LD-SCLC: Strahlentherapie einmal täglich nicht wirksamer als zweimal täglich

Donnerstag, 17. Juni 2021

/freshidea - stock.adobe.com

Alexandria – Beim frühen kleinzelligen Lungenkarzinom („Limited disease“ = LD-SCLC) ist eine Chemo­therapie mit gleichzeitiger thorakaler Bestrahlung (bei bestrahlungsfähigem Primarius) der gängige Standard. Über die Dosierung und Fraktionierung der Strahlentherapie besteht kein allgemeiner Konsens, aber bei der virtuellen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) wurden nun die Ergebnisse einer entsprechenden Phase-III-Studie vorgestellt.

Das kleinzellige Lungenkarzinom (SCLC) in den Tumorstadien T3–4 und/oder N2–3, M0 wird als „limited disease“ (LD-SCLC) bezeichnet, und der Therapieanspruch ist bei einer Tumorausbreitung, die eine Bestrahlung gestattet, kurativ – mit 5-Jahres-Überlebensraten zwischen 10 % und 20 %.

Laut S3-Leitlinie wird es mit einer Chemotherapie (erste Wahl ist Cisplatin/Etoposid) über zumindest 4 Zyklen und einer möglichst simultan durchzuführenden Radiotherapie behandelt. Empfohlen wird eine hyperfraktionierte akzelerierte Bestrahlung mit einer Gesamt-Herddosis von 45 Gy oder eine konventionell fraktionierte Strahlentherapie mit einer höheren Dosis von 50–60 Gy.

Über die optimale Dosierung und Fraktionierung besteht aber kein vollständiger Konsens: Neben der 2 Mal täglichen Bestrahlung mit einer Gesamt-Herddosis von 45 Gy über 3 Wochen wird häufig auch eine 1 Mal tägliche Fraktionierung angewandt, und höhere Dosierungen von bis zu 70 Gy wurden in Pilotstudien schon getestet. Die Ergebnisse sollten in einer Phase-III-Studie verifiziert werden, die Jeffrey Bogart, Syracuse, nun beim ASCO-Kongress vorstellte (JCO 2021; DOI: 10.1200/JCO.2021.39.15_suppl.8505; ClinicalTrials.com: NCT00632853].

Die Patienten mit LD-SCLC wurden ursprünglich in 3 Arme randomisiert, von denen einer planmäßig vorzeitig beendet wurde, weil die Behandlung sich weniger wirksam gezeigt hatte. Deshalb blieben 638 Patienten übrig, die zusätzlich zu einer Chemotherapie mit vier Zyklen Cisplatin und Etoposid randomisiert worden waren, über 3 Wochen 2 Mal täglich mit einer Gesamt-Herddosis von 45 Gy oder über 7 Wochen 1 Mal täglich mit insgesamt 70 Gy bestrahlt zu werden.

Die Radiotherapie begann mit dem ersten Zyklus der Chemotherapie. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben – mit der Hypothese, dass die hochdosierte Bestrahlung es signifikant verlängern würde.

Diese Hoffnung erfüllte sich nicht, so Bogart: Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 2,84 Jahren ab dem Zeitpunkt der Randomisierung betrug die mediane Überlebenszeit im Hochdosisarm 30,5 Monate gegenüber 28,7 Monaten im konventionell dosierten Arm, die 2- und 4-Jahres-Raten waren mit 56 % versus 58 % bzw. 34 % versus 29 % ebenfalls vergleichbar (Hazard Ratio 0,94; 95 %-Konfidenzintervall 0,75–1,17; p = 0,591). Ähnliches galt für das progressionsfreie Überleben (HR 0,98; 95 %-KI 0,8–1,2; p = 0,857).

Auch die meisten Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher waren in beiden Armen vergleichbar: febrile Neutropenie (12,6 % vs. 13,6 %), Dyspnoe (7 % vs. 4,3 %), Ösophagus-Schmerzen (12 % vs. 11 %) und Dysphagie (11,3 % vs. 9,5 %). Todesfälle aufgrund von Nebenwirkungen waren im Hochdosisarm mit 3,7 % etwa doppelt so häufig wie im Kontrollarm mit 1,4 %.

Gemäß den Resultaten dieser bislang größten Radiotherapie-Studie zum LD-SCLC verlängern 70 Gy mit einmal täglicher Applikation gegenüber 45 Gy bei zweimal täglicher Gabe nicht das Überleben, so Bogart. Die Ergebnisse seien aber auch nicht schlechter und stellen die bislang beste verfügbare Evi­denz für die Wirksamkeit der einmal täglichen Hochdosisbestrahlung dar; auch wenn das statistische Design nicht auf den Nachweis einer Nicht-Unterlegenheit abgestellt war, könne man sie als eine Rechtfertigung für die Anwendung des einmal täglichen Protokolls interpretieren. © jfg/aerzteblatt.de

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