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Medizin

Ernährung: Intervallfasten führt zur geringerem Fettabbau

Mittwoch, 28. Juli 2021

/RasaBasa, stock.adobe.com

Bath/England – Ein Alternate-Day-Fasting, bei dem auf jeden Fastentag ein Schlemmertag mit einer um 50 % oder 100 % gesteigerten Kalorienzufuhr folgt, hat in einer randomisierten Studie bei gesunden normalgewichtigen Erwachsenen die gewünschte Wirkung nicht erreicht.

Günstiger war laut der Publikation in Science Translational Medicine (2021; DOI: 10.1126/scitranslmed.abd8034) eine klassische Reduktionsdiät, die die Kalorienmenge ohne zwischen­zeitige Pausen senkt.

Das Intervallfasten gehört zu den Modediäten, bei denen die Zahl der Ratgeber größer ist als die zugrun­de liegende wissenschaftliche Evidenz. Die Abwechslung von Fastentagen und Tagen einer unein­geschränkten und oft gesteigerten Kalorienzufuhr trägt sicherlich zur Attraktivität der Diät bei, zumal die Betroffenen nicht dauerhaft ihre Gewohnheiten ändern müssen. Im Gegenteil: Die gesteigerte Kalorien­zufuhr an den diätfreien Tagen verspricht sogar einen Gewinn an kulinarischer Lebensqualität.

Die Idee beruht vor allem auf tierexperimentellen Studienergebnissen an Mäusen, deren Übertragbarkeit auf den Menschen beschränkt ist, da sich Maus und Mensch in ihrem Stoffwechsel und ihrer Nahrungs­aufnahme (und auch in anderen Eigenschaften) deutlich unterscheiden. Klinische Studien wurden bisher kaum durchgeführt.

Ein Team um James Betts von der Universität Bath hat jetzt die Auswirkungen des Alternate-Day-Fasting auf den Stoffwechsel und die Körperzusammensetzung von gesunden jungen normalgewichtigen Er­wach­­senen untersucht. Die 36 Teilnehmer wurden nach einer genauen Untersuchung ihres Stoffwechsels per Los auf 3 Gruppen verteilt.

Die 1. Gruppe wurde gebeten, für 4 Wochen jeden 2. Tag über 24 Stunden keine Nahrung zu sich zu nehmen. An den dazwischen liegenden Tagen durften sie ihre Kalorienzufuhr um 50 % steigern (0:150). Der Wechsel erfolgte jeweils um 15 Uhr.

Die 2. Gruppe führte eine konventionelle Restriktionsdiät durch, bei der die Kalorienmenge an allen Tagen ohne Unterbrechung um 25 % gesenkt wurde (75:75). Die Gesamtzufuhr war die gleiche wie in der 1. Gruppe.

Die 3. Gruppe führte ein Alternate-Day-Fasting ohne Kalorieneinschränkung durch. Die Teilnehmer durften an den fastenfreien Tagen das Doppelte der normalen Kalorien zu sich nehmen (0:200).

Nach 4 Wochen stellte sich heraus, dass die Zufuhr der Kalorien das Körpergewicht bestimmte. In der 3. Gruppe (0:200), die ihre Kalorienzufuhr insgesamt nicht gesenkt hatte, war es zwar zu einer leichten Gewichtsreduktion um 0,52 kg gekommen, die jedoch nicht signifikant war: Das 95-%-Konfidenzintervall reichte von einer Abnahme um 1,21 kg bis zu einer Zunahme um 0,18 kg.

Das Intervallfasten mit Einschränkung der Gesamtkalorien (0:150) senkte das Körpergewicht signifikant um 1,60 kg (0,93 bis 2,28 kg). Am stärksten abgenommen hatte die Gruppe mit der kontinuierlichen Kalorienrestriktion (75:75). Hier war das Körpergewicht um 1,91 kg (1,29 bis 2,54 kg) gesunken.

In dieser Gruppe war es auch zu einem stärkeren Rückgang des Hüftumfangs um 2,4 cm (1,3 bis 3,6 cm) gekommen. Die Intervallfaster der Gruppe 0:150 waren um 1,7 cm (0,5 bis 2,8 cm) schlanker geworden. Das Intervallfasten ohne Kalorienzufuhr (0:200) erwies sich auch hier als erfolglos.

Den deutlichsten Unterschied gab es im Fettanteil des Körpers, der mit der „Dual-Enerxy X-ray Absorptiometry“ (DEXA) bestimmt worden war. Hier kam es unter der kontinuierlichen Kalorienrestriktion (75:75) zu einem Rückgang um 1,81 % (1,25 bis 2,37 %). Bei den Intervallfastern der Gruppen 0:150 und 0:200 kam es zu keiner signifikanten Abnahme. Die leichte Gewichtsreduktion durch das Intervallfasten ist laut Betts vor allem auf den Rückgang der Muskelmasse zurückzuführen, was bei Diäten nicht der gewünschte Effekt ist.

Auch in den Laborparametern kam es nur bei der Restriktionsdiät zu einer signifikanten Reduktion des Gesamtcholesterins (-0,28 mmmol/l; 0,09 bis 0,48 mmmol/l) und des LDL-Cholesterins (0,24 mmmol/l; 0,07 bis 0,41 mmmol/l). Ein Rückgang beim Leptin (-3,8 µg/l; 1,5 bis 6,1 µg/l) und beim Adiponectin (0,7 mg/l; 0,3 bis 1,2 mg/l) zeigt, dass nur diese Diät hormonelle Auswirkungen auf den Fettstoffwechsel hat. Bei den Triglyzeriden und im Glukosestoffwechsel wurden keine Veränderungen gefunden.

Die geringere Gewichtsabnahme trotz gleicher Kalorienzufuhr beim Intervallfasten 0:150 führte Betts übrigens auf eine verminderte körperliche Aktivität zurück, die die Thermogenese im Fettgewebe ver­min­derte. Wer mit dem Intervallfasten 0:150 abnehmen wolle, sollte deshalb auf ausreichende Bewe­gung achten, rät Betts.

Ein Intervallfasten 0:200, das die Gesamtkalorienzufuhr gar nicht einschränkt, ist laut der Studie ein Selbstbetrug. Es könnte sogar gefährlich sein. In der Studie kam es bereits nach 4 Wochen zu einer signi­fi­kanten Senkung der Knochenmineraldichte (0,01 g/cm3; 0,004 bis 0,03 g/cm3).

Ob dies auf ein langfristiges Risiko hinweist, lässt sich noch nicht beurteilen. Eine wesentliche Ein­schrän­kung der Studie ist, dass sie an gesunden normalgewichtigen Menschen durchgeführt wurde und auf 4 Wochen beschränkt war. Die langfristigen Auswirkungen auf ältere adipöse Patienten sind wissen­schaftlich nicht untersucht. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #892217
Inge Lindseth
am Freitag, 30. Juli 2021, 09:06

Haben die Teilnehmer auch die Qulität des Essens geändert?

Es ist im Artikel nicht erläutert ob Unterschiede in der Qualität des Essens zwischen den Gruppen observiert wurden. Wenn grosse Unterschiede der Fall war, ist die Aussagekraft gering.
Avatar #760889
Barbararella
am Donnerstag, 29. Juli 2021, 21:49

Intervallfasten

"Das Intervallfasten gehört zu den Modediäten" mag ja zutreffen. Aber ich kenne keine einzige Person die alternatierend fastet, also jeden 2. Tag. Viel verbreiteter dürfte das 16:8 Fasten sein, bei der man jeden Tag isst, aber nur innerhalb eines bestimmtes Zeitrahmens. Und das wird in der Regel schon dadurch erreicht, dass man wahlweise das Frühstück oder das Abendessen ausfallen lässt. Man gewöhnt sich in der Regel nach kurzer Zeit daran, und es ist sicherlich einfacher durchzuhalten als "einen Tag darf ich, und den anderen nicht".
Avatar #759844
Skrotum
am Donnerstag, 29. Juli 2021, 20:32

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36 Teilnehmer aufgeteilt in 3 Gruppen a 12 Personen und das für vier Wochen. Wissenschaft auf TopNiveau. Wow.
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