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Medizin

Präventiver Antikörper Eptinezumab kann auch Migräneattacken beenden

Donnerstag, 29. Juli 2021

/goodluz, stockadobecom

San Diego – Der CGRP-Antikörper Eptinezumab, der zur Prophylaxe von Migräneattacken entwickelt wurde, hat sich in einer randomisierten Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA, 2021; DOI: 10.1001/jama.2021.7665) auch in der Behandlung akuter Schmerzattacken als wirksam erwiesen. Die Notwendigkeit einer intravenösen Infusion dürfte jedoch ein Hemmnis für eine breitere Anwendung sein.

Antikörper, die das Neuropeptid „Calcitonin Gene-Related Peptide“ (CGRP) oder seinen Rezeptor hemmen, gehören zu den neueren Medikamenten zur Vorbeugung von Migräneanfällen. Ihre Vorteile bestehen in der guten Verträglichkeit und dem raschen Wirkungseintritt (der wichtigste Nachteil sind die hohen Kosten, weshalb CGRP-Inhibitoren in Deutschland derzeit nur beim Versagen von mindestens 5 anderen Prophylaktika von den Kassen erstattet werden).

Die meisten CGRP-Inhibitoren werden subkutan gegeben, was dem Patienten im Prinzip eine Eigen­therapie ermöglicht. Eptinezumab, das in Deutschland noch nicht zugelassen ist (in den USA seit Februar 2020), wird intravenös verabreicht, was den Wirkungseintritt beschleunigt.

In den klinischen Studien zur Prophylaxe war aufgefallen, dass die Wirkung schon nach dem Ende der Infusion einsetzt. Dies hat den Hersteller zu einer klinischen Studie bewogen, in der Eptinezumab zur Kupierung einer akuten Attacke eingesetzt wurde.

An der Phase-III-Studie RELIEF nahmen an 57 Zentren in den USA und Georgien 480 Patienten teil, die im Mittel seit 3,7 Jahren an einer Migräne litten mit zuletzt durchschnittlich 7,2 Schmerzattacken im Monat, die zumeist mit schweren Begleitsymptomen wie Photophobie, Phonophobie und/oder Übelkeit einhergingen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 44 Jahre und 84 % waren Frauen.

Die Patienten wurden auf eine einstündige Infusion mit 100 mg Eptinezumab oder Placebo randomisiert, die innerhalb von 6 Stunden nach Einsetzten der Schmerzen begonnen wurde. Wie ein Team um Roger Cady vom Forschungszentrum des Herstellers Lundbeck in La Jolla/Kalifornien berichtet, vergingen nach der Behandlung mit Eptinezumab im Durchschnitt 4 Stunden bis zur Schmerzfreiheit. In der Placebogruppe dauerte dies 9 Stunden.

Cady ermittelt für diesen ersten der beiden primären Endpunkte eine Hazard Ratio von 1,54 für einen Vorteil von Eptinezumab, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,20 bis 1,98 signifikant war. Der 2. primäre Endpunkt war die Dauer bis zum Ende der schweren Begleitsymptome. Hier vergingen in der Eptinezumabgruppe im Durchschnitt 2 Stunden und in der Placebogruppe 3 Stunden. Die Hazard Ratio betrug 1,75 (1,41 bis 2,19).

Auch in allen sekundären Endpunkten war Eptinezumab Placebo überlegen: 2 Stunden nach der Infusion waren in den jeweiligen Eptinezumab 23,5 % und in der Placebogruppe 12,0 % schmerzfrei. Das am meisten störende Begleitsymptom war zu diesem Zeitpunkt bei 55,5 % versus 35,8 % abgeklungen. Mit Eptinezumab behandelte Patienten verwendeten in den ersten 24 Stunden seltener ein Notfallmedika­ment (31,5 % versus 59,9 %).

Eptinezumab erwies sich wie zuvor in den Studien zur Prophylaxe von Migräneattacken als gut verträg­lich. Die häufigste Komplikation war eine Überempfindlichkeitsreaktion, die bei 5 von 238 Patienten (2,1 %) in den ersten 40 Minuten nach Beendigung der Infusion auftraten.

Die Überempfindlichkeitsreaktionen sind neben der intravenösen Infusion ein weiterer Grund dafür, dass die Behandlung nur unter ärztlicher Kontrolle in einem Behandlungszentrum erfolgen kann.

Eptinezumab ist deshalb nicht zur Eigentherapie geeignet. Der Hersteller hat die Studie in erster Linie durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Prophylaxe auch an einem Migränetag durchgeführt werden kann. Dass die Patienten dann eventuell das Zentrum schmerzfrei verlassen, dürfte ein willkommener Zusatznutzen sein. © rme/aerzteblatt.de

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