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Medizin

COVID-19: JAK-Inhibitor Tofacitinib verbessert Prognose von hospitalisierten Patienten

Freitag, 18. Juni 2021

/M.Rode-Foto, stock.adobe.com

São Paulo – Eine zusätzliche Behandlung mit dem Januskinase (JAK)-Inhibitor Tofacitinib hat in einer randomisierten Studie bei hospitalisierten Patienten mit COVID-19 das Risiko auf ein Atemversagen oder einen tödlichen Ausgang gesenkt.

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Die Ergebnisse der in Brasilien durchgeführten Studie wurden jetzt im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2101643) publiziert.

JAK-Inhibitoren blockieren in den Zellen auf breiter Ebene die Signalweiterleitung von Zytokinen. Sie könnten deshalb die Auswirkungen eines Zytokinsturms abschwächen, zu dem es bei schweren Verläufen von COVID-19 kommen kann.

Der JAK-Inhibitor Baricitinib hat in der ACTT-2-Studie bereits die Erholung von hospitalisierten COVID-19-Patienten beschleunigt, wobei die beste Wirkung bei Patienten erzielt wurde, die bereits nicht-invasiv beatmet wurden. ACTT-2 war Nachfolgestudie der ACTT, die den Nutzen von Remdesivir untersucht hatte. Alle Patienten in ACTT-2 wurden deshalb mit Remdesivir behandelt.

Tofacitinib hat denselben Wirkungsmechanismus wie Baricitinib. Ob der JAK-Inhibitor sich zur Behand­lung von COVID-19 eignet, hat der Hersteller in der STOP-COVID-Studie in 15 Krankenhäusern in Brasi­lien untersuchen lassen. Alle Patienten waren hospitalisiert, 75 % wurden vor Studienbeginn nicht-invasiv mit Sauerstoff behandelt, 79 % wurden mit Glukokortikoiden behandelt, 78 % erhielten eine prophylaktische und 21 % eine therapeutische Antikoagulation.

Die Teilnehmer wurden auf eine Behandlung mit Tofacitinib oder Placebo randomisiert. Der primäre End­punkt war das Auftreten von Tod oder Atemversagen bis zum 28. Tag. Er wurde in der Tofacitinibgruppe von 18,1 % der Patienten erreicht gegenüber 29,0 % der Patienten in der Placebogruppe. Das Team um Otavio Berwanger vom Hospital Israelita Albert Einstein in São Paulo ermittelte eine Risk Ratio von 0,63; die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,41 bis 0,97 signifikant war.

In der Tofacitinibgruppe starben bis zum 28. Tag 2,8 % der Patienten gegenüber 5,5 % der Patienten in der Placebogruppe. Die Hazard Ratio von 0,49 verfehlte mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,15 bis 1,63 das Signifikanzniveau. Auch in der medianen Liegezeit im Krankenhaus (5,5 versus 6,0 Tage) und der Behandlungsdauer auf Intensivstation (5,0 versus 5,0 Tage) gab es keine signifikanten Unterschiede.

Die Behandlung wurde in der Regel gut vertragen. Die Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen war mit 26,1 % gegenüber 22,5 % in der Placebogruppe nicht erhöht. Es kam weder zu einem Anstieg der Infektionen noch zu einer erhöhten Rate von thromboembolischen Ereignissen. Keiner der Patienten wurde mit Remdesivir behandelt, das in Brasilien nicht zugelassen ist. Der hohe Anteil der Patienten, die mit Glukokortikoiden behandelt wurden, entspricht den derzeitigen Empfehlungen.

Kein Patient wurde mit anderen immunmodulatorischen Medikamenten wie Anakinra, Tocilizumab, Sarilu­mab oder Siltuximab behandelt, die derzeit ebenfalls als mögliche Therapieoptionen gegen einen Zytokinsturm in der Diskussion sind. Der relative Stellenwert von Tofacitinib und Baricitinib ist deshalb noch unklar.

Die Wirksamkeit von Tofacitinib bei COVID-19 wird zur Zeit in mindestens 2 Studien (NCT04415151 und NCT04750317) untersucht. Zu Baricitinib sind mindestens 4 Studien (NCT04390464, NCT04640168, NCT04421027 und NCT04381936) registriert. © rme/aerzteblatt.de

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