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Medizin

Hitzewellen erhöhen Aggressivität psychiatrischer Patienten

Dienstag, 7. September 2021

/John Smith, stock.adobe.com

Wangen/Allgäu – Wenn in Deutschland das Thermometer auf über 30°C steigt, kommt es in psychia­trischen Kliniken häufiger zu einem aggressiven Verhalten der Patienten. Dies kam in einer Studie in BJPsych Open (2021; DOI: 10.1192/bjo.2021.33) heraus.

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Hitze stresst nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche. Die Folge ist eine Zunahme des aggressiven Verhaltens, was sich vor allem in stationären Einrichtungen der Psychiatrie zeigt. Viele Patienten zeigen dort auch an kühleren Tagen eine erhöhte Aggressivität. In den Kliniken des Zentrums für Psychiatrie (ZfP) Südwürttemberg ist es üblich, dass das Personal Gewaltausbrüche der Patienten mit der „Staff Observation Aggression Scale“ bewertet und in den Krankenakten festhält.

Ein Team um Privatdozent Hans Knoblauch von der Allgemeinen Psychiatrie und Psychotherapie Wangen im Allgäu hat die Häufigkeit mit den Daten des Deutschen Wetterdienstes in Beziehung gesetzt.

In den Jahren 2007 bis 2019 war die Außentemperatur in Südwürttemberg an 207 von 4.748 Tagen auf über 30°C angestiegen. An diesen Tagen kam es in den 6 Kliniken des ZfP Südwürttemberg zu 2.016 aggressiven Ereignissen, was eine Inzidenz von 9,7/Tag ergibt. An den übrigen 4.541 Tagen kam es zu 38.190 aggressiven Ereignissen oder 8,4/Tag. An den Hitzetagen hatte die Zahl damit um etwa 15 % zugenommen.

An den 15 Tagen, an denen die Temperatur auf über 33,5°C gestiegen war, kam es zu 167 aggressiven Ereignissen oder 11,1/Tag, was eine Zunahme um 33 % bedeutet. Bei den 6 Kliniken des ZfP Südwürt­tem­berg handelt es sich um moderne Bauten, die allerdings nicht mit Klimageräten ausgerüstet sind.

Die Patienten können deshalb nicht zuverlässig vor der Hitze geschützt werden. Dr. Knoblauch befürch­tet, dass sich das Problem in den nächsten Jahren verschärfen wird. In Süddeutschland werde bis 2050 mit einer Verdopplung der Hitzetage gerechnet.

© rme/aerzteblatt.de

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